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Peter Lorenz Auerbach

Stolperstein für Peter Lorenz Auerbach © Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf, April 2013
VERLEGEORT
Augsburger Str. 33

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
08.06.2013

GEBOREN
06.10.1892 in Berlin
BERUF
Übersetzer
DEPORTATION
am 17.11.1941 von Berlin nach Kowno / Kaunas
ERMORDET
25.11.1941 in Kowno / Kaunas, Fort IX

Peter und Kurt B. Auerbach stammten aus einer bekannten Familie, die bereits in der dritten Generation in Berlin lebte. Ihr Großvater war der zu Lebzeiten gefeierte Schriftsteller Berthold Auerbach (1812–1882), Autor der bis heute bekannten „Schwarzwälder Dorfgeschichten“. Ihr Vater, Eugen B. Auerbach (1852–1922), war promovierter Jurist und als Notar und Rechtsanwalt in Berlin tätig. Seine Kanzlei lag in der Lindenstraße 16/17 im Berliner Südwesten. Eugen B. Auerbach heiratete im Jahre 1891 Elise Treitel und in den nächsten zwei Jahren kamen ihre Söhne Peter und Kurt auf die Welt. Beide Ehepartner waren vom jüdischen zum christlichen Glauben übergetreten und ließen ihre Söhne evangelisch-uniert taufen. Der Jüngere der beiden hatte als Taufpaten den Schriftsteller Gustav Freytag (1816–1895, „Soll und Haben“), einen Freund seines Großvaters Berthold Auerbach.

Peter Auerbach wurde am 6. Oktober 1892 in Berlin geboren. Er studierte an verschiedenen deutschen Universitäten sowie in Oxford und Paris Architektur. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Kriegsfreiwilliger. In den 1920er Jahren arbeitete Peter Auerbach als Dolmetscher und technisch-juristischer Fachübersetzer, vor allem für Englisch. In den 1930er Jahren kamen Übersetzeraufgaben dazu, insbesondere für aus Deutschland emigrierende Juden.

1923 verlobte sich Peter Auerbach mit Elsa Unterwegner aus Radolfzell, die an der Berliner Kunstgewerbeschule studierte. Die Hochzeit wurde auf finanziell bessere Zeiten verschoben, die jedoch nicht mehr kommen sollten. 1929 kam ihr erster Sohn Helmut auf die Welt, 1933 wurde der zweite Sohn Joachim geboren. Da Peter Auerbach und Elsa Unterwegner weiterhin unverheiratet waren, unterstanden beide Kinder der Amtsvormundschaft und wurden ab 1933 von den Nationalsozialisten gegen den Willen ihrer Eltern in unterschiedlichen Heimen untergebracht, in denen sie aufgrund ihrer „nichtarischen“ Abstammung ausgegrenzt und diskriminiert wurden. Der Kontakt zu ihrem Vater war den beiden Jungen untersagt und konnte lediglich ab und zu heimlich stattfinden.

Elsa Unterwegner wurde wegen ihrer Beziehung zu Peter Auerbach als „Rassenschänderin“ angeprangert und musste viele Demütigungen hinnehmen. Ihre finanzielle Situation war äußerst schwierig. Dennoch hielt sie zu Peter Auerbach und bemühte sich mehrfach um die Erlaubnis, ihn doch noch heiraten zu dürfen, jedoch wurde dies von den nationalsozialistischen Behörden unter Berufung auf die Nürnberger Rassegesetze nicht gestattet. Peter Auerbach verdiente sich weiterhin durch Übersetzungen einen kärglichen Lebensunterhalt. Die Treffen mit Elsa mussten mit der zunehmenden Verfolgung heimlich stattfinden.

Am 17. November 1941 wurde Peter Auerbach gemeinsam mit 1005 weiteren Menschen in das litauische Kowno deportiert, am 25. November 1941 ist er erschossen worden.

1956 wurde rückwirkend die Ehe von Peter Auerbach und Elsa Unterwegner anerkannt. Das Datum der Eheschließung wurde auf den 6. Oktober 1941 festgesetzt, auf den letzten Geburtstag Peter Auerbachs vor seiner Deportation.


Biografische Zusammenstellung

Corinna Felsch