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Margarete Wachtel (geb. Sachs)

Stolperstein für Margarete Wachtel. Fotorechte: OTFW.
VERLEGEORT
Motzstr. 25

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
03.09.2013

GEBOREN
27.04.1878 in Chemnitz
DEPORTATION
am 14.09.1942 von Gerlachstraße 19-21 (Altersheim der Jüdischen Kultusvereinigung) nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 16.05.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Margarete Wachtel geb. Sachs wurde am 27. April 1878 im sächsischen Chemnitz geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Berthold Sachs, Besitzer einer Getreidehandlung und seine Ehefrau Minna geborene Fraenkel. Wie zu dieser Zeit für Mädchen ihrer Herkunft üblich, absolvierte sie keine Berufsausbildung, sondern heiratete 1901 den 1873 in Dolzig/Posen (heute: Dolsk in Polen) geborenen Kaufmann und späteren Versicherungsagenten Hermann Wachtel. Das Ehepaar zog nach der Hochzeit in die Stadt Posen. Dort wurden im Jahr 1902 die Tochter Rosalie (Rosi) und 1905 die Tochter Charlotte (Lotte) geboren.
1919 ging die Familie Wachtel nach Berlin. Seit 1921 wohnte sie in der Nettelbeckstraße 10 (heute: An der Urania) damals ein Viertel des gut situierten Bürgertums. Seit 1908 durften Frauen an den preußischen Universitäten studieren, un der Vater Hermann Wachtel erlaubte und finanzierte seinen Töchtern ein Medizinstudium. Beide studierten in Berlin und scheinen weiter bei den Eltern gewohnt zu haben. Zum Haushalt der Familie gehörten zudem zwei Schwestern von Hermann Wachter, der auch für ihren Lebensunterhalt sorgte.
Zu Beginn der NS-Diktatur mietete hermann Wachtel eine Sechszimmer-Wohnung in der Motzstraße 25. Die Tochter Charlotte, inzwischen Ärztin und verheiratete Dr Selz-Wachtel, emigrierte 1934 mit ihrem Ehemann nach Palästina. Tochter Rosalie blieb bei den Eltern. Aber die Familie lebte nur kurz in der Motzstraße. Bereits 1936 scheinen die Jahre des steten und schwierg zu recherchierenden Wohnungswechsels begonnen zu haben: Für eine erste kurze Zeit wohnte Margarete Wachtel mit Ehemann und Tochter Rosalie in der Margraf-Albrecht-Straße 15 - noch als Hauptmieter. Rosalie Wachtel heiratete 1939 den Bankbeamten Harry Dannenberg und wohnte später mit ihm in der Tile-Wardenberg-Straße 26a im Bezirk Tiergarten. Sie gehörte zu den wenigen Berliner Ärztinnen und Ärzten, die diskriminierend als "Krankenbehandler" bezeichnet, nur für jüdische Patienten weiter arbeiten durften. am 6.3.1943 wurden Dr. Rosalie Dannenberg-Wachtel und ihr Ehemann Harry nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Margarete Wachtel und ihr Ehemann Hermann wohnten in den letzten Jahren vor der Deportation zur Untermiete: Laut Volkszählung im Mai 1939 im Bezirk Wedding bei der Familie Wolf in der Turniner Straße 46, danach in der Charlottenburger Schlüterstraße 72 bei Ida und Albert Prochownik und zuletzt bei dem ehemaligen Studienrat Dr. Halberstadt bzw. seiner Witwe Rosa Halberstadt in der Jagowstraße 2 - dies war ganz in der Nähe der Wohnung Tochter Rosalie (Alle Vermieter sollten ermordet werden.)
Margarete Wachtel und ihr Ehemann wurden am 14. September 1942 über das Sammellager im Altersheim der Jüdischen Kultusvereinigung in der Gerlachstraße 19-21 (heute: Mollstraße) nach Theresienstadt deportiert. hermann Wachtel starb dort bereits nach drei Wochen. Margarete Wachtel lebte anderthalb Jahre in dem Ghettolager. Als sich für den Juni 1944 eine Komission des Roten Kreuzes zur Besichtigung ankündigte, wurden Tausende nach Auschwitz deportiert, um Theresienstadt weniger "eng" erscheinen zu lassen. Margarete Wachtel wurde am 16. Mail 1944 dem zweiten der drei "Maitransporte", mit 2500 Leidensgenossen in das Vernichtungslager verschleppt und dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen

Weitere Quellen

Informtaionen der Angehörigen, Adressbuch von der Fabirk- und Handelsstadt Chemnitz 1873, 1878 und 1901,
Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005,
Rebecca Schwoch (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch, Berlin und Teetz 2009