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Hermann Wachtel

Stolperstein für Hermann Wachtel. Fotorechte: OTFW.
VERLEGEORT
Motzstr. 25

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
03.09.2013

GEBOREN
17.07.1873 in Dolzig (Posen)
BERUF
Versicherungs-Generalagent
DEPORTATION
am 14.09.1942 von Gerlachstr. 19-21 (Altersheim der Jüdischen Kultusvereinigung) nach Theresienstadt
TOT
05.10.1942 in Theresienstadt

Hermann Wachtel wurde am 17. Juli 1873 in der Kleinstadt Dolzig im Landkreis Schrimm südlich von Posen (heute Dolsk in Polen) als Sohn des Arztes Josef Wachtel und seiner Ehefrau Rosalie geboren. Die Mehrzahl der Einwohner waren Polen und katholisch. Eine Synagoge gab es in der Kreistadt Schrimm. Hermann Wachtel besuchte das Gymnasium bis zur Mittleren Reife und absolvierte dann eine kaufmännische Lehre in Neustadt bei Pinne (heute Lwowek in Polen), auch dies ein kleiner Ort in der Provinz Posen. Seine Berufsarbeit begann er in Dresden und Chemnitz als Getreidekaufmann - vielleicht hat er in Chemnitz seine zukünftige Ehefrau Margarete kennengelernt, deren Vater Berthold Sachs dort eine Getreidehandlung besaß. Hermann Wachtel heiratete Margarete Sachs im Jahr 1901, das Ehepaar zog nach der Hochzeit in die Stadt Posen. Dort kamen die beiden Töchter Rosalie (1902 geboren und auch Rosi genannt) und Charlotte (1905 geboren und Lotte genannt) auf die Welt.
Hermann Wachtel nahm - wie fast 100000 Juden - als Frontsoldat am Ersten Weltkrieg teil. 1919 zog die Familie Wachtel nach Berlin. Seit 1921 wohnte sie in einer Vierzimmer-Wohnung in der Nettelbeckstraße 10 (heute: An der Urania). Dort lebte damals das gut situierte Bürgertum.
Hermann Wachtel arbeitete nun als Versicherungsagent für die Stuttgarter und die Allianz-Versicherung. Als Generalagent leitete er die Vertretungen der beiden Gesellschaften und hatte ien entsprechendes Einkommen. Er erlaubte und finanzierte seinen Töchtern ein Medizinstudium und half ihnen später bei der Praxiseinrichtung. Beide studierten in Berlin und scheinen weiter bei den Eltern gewohnt zu haben. Zum Haushalt der Familie gehörten zudem zwei Schwestern von hermann Wachtel, für deren Lebensunterhalt er ebenfalls sorgte.
Zu Beginn der NS-Diktatur mietete Hermann Wachtel eine Sechszimmer-Wohnung in der Motzstraße 25. Die Tochter Charlotte, inzwischen Ärztin und verheiratete Dr. Selz-Wachtel, emigrierte 1934 mit ihrem Ehemann nach Palästina. Tochter Rosalie blieb bei den Eltern. hermann Wachtel hat bis dahin noch gearbeitet.
Die Familie lebte nur kurz in der Motzstraße. Bereits 1936 scheinen die Jahre des schwierig zu recherchierenden Wohnungswechsels begonnen zu haben: Für eine erste kurze Zeit wohnten das Ehepaar Wachtel und Tochter Rosalie als Hauptmieter in der Margraf-Albrecht-Straße 15.
Rosalie Wachtel heiratete 1939 den Bankbeamten Harry Dannenberg und lebte mit ihm ind er Tile-Wardenberg-Straße 26a im Bezirk Tiergarten. Sie gehörte zu den wenigen Berliner Ärztinnen und Ärzten, die - diskriminierend als "Krankenbehandler" bezeichnet - für jüdische Patienten weiter arbeiten durften. Am 6.3.1943 wurde das Ehepaar Dannenberg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Hermann Wachtel und seine Ehefrau Margarete wohnten in den letzten Jahren vor der Deportation zur Untermiete: Laut Volkszählung im Mai 1939 im Bezirk Wedding bei der Familie Wolf in der Turiner Straße 46, danach in der Charlottenburger Schlüterstraße 72 bei Ida und Albert Prochownik und zuletzt bei dem ehemaligen Studienrat Dr. Halberstadt bzw. seiner Witwe Rosa Halberstadt in der Jagowstraße 2 - dies war ganz in der Nähe der Wohnung der Tochter Rosalie.
Hermann und Margarete Wachtel wurden am 14. September 1942 über das Sammellager im Altersheim der Jüdischen Kultusvereinigung in der Gerlachstraße 19-21 (heute: Mollstraße) nach Theresienstadt deportiert. Hermann Wachtel starb dort bereits nach drei Wochen im 5. Oktober 1942. Seine Ehefrau Margarete Wchtel lebte noch anderthalb Jahre in Theresienstadt. Am 16. Mai 1944 wurde sie nach Auschwitz verschleppt und ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Pers auf der Grundlage der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen.

Weitere Quellen

Datenbank Ghetto und Todelfallanzeige Ghettro Theresienstadt, Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005
Rebecca Schwoch (Hrsg),Berlin jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialmus. ein Gedenkbuch, Berlin und Teetz 2009