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Felli (Feigel) Bergoffen (geb. Singer)

Stolpersteine für Felli und Jakob Bergoffen © David Yates
VERLEGEORT
Sophienstraße 6

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
Juli 2010

GEBOREN
10.05.1893 in Auschwitz / Oświęcim
DEPORTATION
nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Felli Bergoffen, geb. Singer, wurde am 10. Mai 1893 in Oświęcim/Galizien geboren. Aus der Ehe mit dem Berliner Kaufmann Jakob Bergoffen gingen zwei Söhne hervor: Max (geb. 1921) und Leo (geb. 1922). Die Familie lebte bis in die 1930er Jahre in einer geräumigen Wohnung im Hof VIII/Aufgang H des Gebäudekomplexes Hackescher Hof, Rosenthaler Str. 40/41.

Felli Bergoffen arbeitete im Lack- und Farbengeschäft ihres Ehemannes in der nahegelegenen Oranienburger Str.12 mit.

Nach dem Machtantritt der NSDAP 1933 nahm der wirtschaftliche und soziale Druck auch auf die Familie Bergoffen stetig zu. Das Geschäft verkümmerte, Umsatz und Verdienst sanken stetig. Schließlich sah sich Jakob Bergoffen gezwungen, den Betrieb zu verkaufen. Der in dieser wirtschaftlichen Notsituation ausgehandelte Preis lag – wie üblich – um ein Vielfaches unter dem tatsächlichen Marktwert, aber selbst dieser vereinbarte Minderbetrag sollte vom Käufer nie vollständig bezahlt werden.

Aufgrund der drastisch zunehmenden Schikanen und Übergriffe gegen jüdische Einwohner entschloss sich das Ehepaar schließlich zur Emigration ins vermeintlich rettende Ausland. Im Sommer 1938 übersiedelte die Familie nach Prag. Als hier im März des Folgejahres – nach Abschluss des Münchner Abkommens und der folgenden Zerschlagung der Tschechoslowakei – die deutsche Wehrmacht einmarschierte, gelang es dem Ehepaar mit dem jüngeren Sohn Leo, mit einem der letzten Züge nach Frankreich auszureisen. Sohn Max besuchte zunächst noch einige Monate eine Schule im Sudetenland und gelangte dann mit einem der letzten Flüchtlingstransporte nach England. Hier meldete er sich später freiwillig zur Air-Force und kämpfte auf britischer Seite.

Die zweite Flucht von Jakob, Felli und Leo Bergoffen endete schließlich in der Stadt Angers (Loire), wo sich die Familie ansiedelte und einige Jahre weitgehend unbehelligt lebte. Mitte Juli 1942 wurden sie von französischen Gendarmen festgenommen und am 20. Juli 1942 vom Bahnhof Angers-St. Laud nach Auschwitz deportiert. Mit diesem „Convoy Nr. 8“ verschleppte man über 800 Personen aus der besetzten Zone Frankreichs nach Osten, darunter 200 französische Staatsbürger. 390 Frauen und 411 Männer wurden zunächst in das Arbeitslager eingewiesen; 26 Menschen starben unmittelbar nach Ankunft in der Gaskammer.

In Auschwitz wurde auch das Ehepaar Bergoffen ermordet: Jakob Bergoffen starb hier am 31. August 1942, der Todestag seiner Frau Felli ist unbekannt.

Ihrem Sohn Leo gelang es, bis zur Befreiung des Lagers am 27.Januar 1945 zu überleben. Er kehrte nach Kriegende nach Angers zurück. Sein Bruder Max wanderte nach dem Krieg mit seiner Ehefrau nach Kanada aus.


Biografische Zusammenstellung

Wilfried Burkard