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Paul von Essen

Paul von Essen. Fotorechte: Landesarchiv Berlin, C Rep.902-02-01, Nr.2.
Paul von Essen. Fotorechte: Gabriele Schmitz
VERLEGEORT
Essenplatz 9

BEZIRK/ORTSTEIL
Treptow-Köpenick – Köpenick
VERLEGEDATUM
02.12.2013

GEBOREN
01.03.1886 in Allenstein (Ostpreußen) / Olsztyn
BERUF
Maschinenschlosser
ERMORDET WäHREND KöPENICKER BLUTWOCHE
21.06.1933 in Berlin

Der gebürtige Ostpreuße Paul von Essen lebte ab 1905 in Köpenick. Als Schlosser fand er 1907 Arbeit im AEG-Kabelwerk in Oberschöneweide, einem der bedeutendsten Industriestandorte im Berliner Raum. In diesem Betrieb wurde der Sozialdemokrat von seinen Kollegen 1918/19 in den Arbeiterrat gewählt, später war er hier Mitglied im Betriebsrat und gewerkschaftlich im Deutschen Metallarbeiterverband aktiv. In der Republikschutzorganisation „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ übernahm er ebenfalls Aufgaben.

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1924 erneut. Neben seinen drei Kindern aus erster Ehe und der von seiner zweiten Frau mit in die Ehe gebrachten Tochter lebten zeitweise auch Pflegekinder in der Wohnung am Dahlwitzer Platz 9 (heute Essenplatz 9), sodass der Haushalt bis zu acht Personen umfasste. Umso härter muss es die Familie finanziell getroffen haben, als Paul von Essen nach 25-jähriger Betriebszugehörigkeit 1932 entlassen wurde und sich als Jagdhelfer verdingen musste.

Die Sturmabteilungen (SA) der NSDAP gingen schon seit dem Frühjahr 1933 gewaltsam gegen missliebige Personen vor, so auch in Köpenick. In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1933 plante die Köpenicker SA eine größere Verhaftungsaktion, in den Vormittagstunden des 21. Juni wurde zuallererst die Siedlung Elsengrund umstellt, in der auch Paul von Essen wohnte. Er wurde in der Nähe seiner Wohnung auf offener Straße von einer SA-Horde überfallen. Während der anschließenden Hausdurchsuchung bewachte ein SA-Mann ihn und seine Ehefrau mit entsicherter Pistole.

Der Familienvater wurde zunächst in das SA-Lokal „Seidler“ in der Mahlsdorfer Straße und vermutlich im Laufe der Nacht in das von der Köpenicker SA als Hauptquartier genutzte Amtsgerichtsgefängnis gebracht. Hier steigerte die SA die Brutalität der bereits bei „Seidler“ vorgenommen Misshandlungen in einem kaum vorstellbaren Ausmaß. Auch Paul von Essen wurde im ehemaligen Amtsgerichtsgefängnis aufs Schwerste misshandelt und schließlich durch einen Genickschuss ermordet.

Sein Leichnam wurde von der SA in einen mit Steinen beschwerten Sack gesteckt und vom Bootshaus Wendenheim aus in der Dahme versenkt. Zehn Tage später wurde der Sack mit den sterblichen Überresten von Paul von Essen, ebenso wie die Leichen von Johannes Stelling und Karl Pokern, nahe der Fähre nach Grünau aus der Dahme geborgen.


Biografische Zusammenstellung

Marion Goers

Weitere Quellen

BdA Köpenick (Hrsg.): Gedenken und Mahnung – gegen das Vergessen, Zur Erinnerung an die vom Naziterror verfolgten Kinder, Frauen und Männer des Stadtbezirks Berlin-Köpenick in den Jahren 1933 bis 1945, Berlin 2001, S. 97

Geschichtswerkstatt der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BV VVN-BdA) e.V. (Hrsg.): Lexikon Widerstand in Berlin 1933-1945, Bd. 2, Berlin 2011

Hördler, Stefan (Hrsg.): SA-Terror als Herrschaftssicherun. „Köpenicker Blutwoche“ und öffentliche Gewalt im Nationalsozialismus, Berlin 2013

Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED (Hrsg.): Deutsche Widerstandskämpfer 1933-1945, Biographien und Briefe, Bd. 2, Berlin 1970, S. 478

Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 2100 (OdF-Akten der Witwe Elisabeth von Essen)
Wörmann, Heinrich-Wilhelm: Widerstand in Köpenick und Treptow, Berlin 2010