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Johann Schmaus

Johann Schmaus. Fotorechte: Eva Böhm
Johann Schmaus mit Familie am 13. Juni 1933 im Garten hinter seinem Wohnhaus. V.l.n.r.: Marie Müller, geb. Schmaus, Hans, Katharina, Margareta und Johann Schmaus, Alfred Wartmann, eine Freundin der Familie, Christine Wartmann, geb. Schmaus. Anton Schmaus ist nicht abgebildet. Fotorechte: Eva Böhm
Stolpersteine für Johann Schmaus, Anton Schmaus und Erich Janitzky. Fotorechte: Peter Wolf
VERLEGEORT
Schmausstraße 2

BEZIRK/ORTSTEIL
Treptow-Köpenick – Köpenick
VERLEGEDATUM
02.12.2013

GEBOREN
05.12.1879 in München
BERUF
Gewerkschaftssekretär
ERMORDET WäHREND KöPENICKER BLUTWOCHE
21.06.1933 in Berlin

Der Sozialdemokrat Johann Schmaus war gelernter Zimmermann und vertrat ab 1905 als Ortsvorsitzender des Münchener „Zentralverbandes der Zimmerer und verwandter Berufsgenossen Deutschlands“ die Interessen seiner Kollegen in ehrenamtlicher Funktion. Ab 1913 wirkte er in Mainz als hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär des Deutschen Landarbeiterverbandes, 1920 stieg er zum Sekretär des Hauptvorstandes auf und zog mit seiner Familie nach Berlin. Hier wurde er als Arbeitnehmervertreter der Landwirtschaft in den „Vorläufigen Reichswirtschaftsrat“ berufen.

Am Vormittag des 21. Juni 1933 drangen SA-Männer gewaltsam in die Wohnung der Familie Schmaus ein, um Johann Schmaus und seine beiden Söhne Hans und Anton abzuholen, trafen jedoch keinen der drei an. Johann Schmaus hielt sich bereits seit mehreren Tage nicht mehr in Köpenick auf, da es bereits seit Wochen immer wieder zu Übergriffen der Köpenicker Sturmabteilung (SA) der NSDAP gekommen war, bei denen missliebige Personen verschleppt und schwer misshandelt worden waren. Von der Ehefrau sofort telefonisch darüber benachrichtigt, dass die SA bei der Durchsuchung die umfangreiche Bibliothek der Familie beschlagnahmt hatte, kam Johann Schmaus aus der Berliner Innenstadt nach Hause in die Alte Dahlwitzer Straße 2 (heute Schmaustraße 2) und blieb in dieser Nacht hier.

Mitten in der Nacht drang die SA erneut bei der Familie Schmaus ein. Der jüngste Sohn Anton stellte sich der SA in den Weg und schoss in Notwehr auf die Eindringlinge. Zwei SA-Männer traf er tödlich, ein dritter wurde während des Schusswechsels vermutlich von seinen eigenen Leuten verletzt. Anton Schmaus rettete sich vor dem Zugriff der SA durch Flucht. In unbändiger Wut stürzten sich die nachgerückten SA-Männer auf Johann Schmaus. Der 53-Jährige wurde von ihnen auf bestialische Weise misshandelt und zu Tode gequält. Schließlich erhängte man ihn im Gartenschuppen, um einen Selbstmord vorzutäuschen.

Seine Ehefrau Katharina Schmaus und die 13-jährige Tochter Margareta verschleppte die Köpenicker SA in ein im Amtsgerichtsgefängnis Köpenick eingerichtetes SA-Quartier. In Anwesenheit der Tochter wurde Katharina Schmaus dort schwer misshandelt, anschließend musste sie monatelang im Krankenhaus behandelt werden. Die fünf Kinder von Johann Schmaus flüchteten zum Teil vorübergehend ins Ausland. Die Familie wurde von den Nationalsozialisten wenige Monate später enteignet, mit der Begründung, durch die Tat des jüngsten Sohnes sei das Vermögen der Familie als „staatsfeindlich“ zu betrachten. Der 23-jährige Sohn Anton starb – nachdem er einen Mordversuch der SA schwerkrank überlebt hatte – nach erneuten Misshandlungen durch die SA im Januar 1934 in Polizeihaft.

Die Köpenicker SA nahm den Tod ihrer Leute zum Anlass für ein ungebremst gewaltsames Vorgehen gegen Hunderte ihrer Gegner. Auch nutzten die Nationalsozialisten die Ereignisse im Hause Schmaus für reichsweite Propagandazwecke.


Biografische Zusammenstellung

Marion Goers

Weitere Quellen

BdA Köpenick (Hrsg.): Gedenken und Mahnung – gegen das Vergessen. Zur Erinnerung an die vom Naziterror verfolgten Kinder, Frauen und Männer des Stadtbezirks Berlin-Köpenick in den Jahren 1933 bis 1945, Berlin 2001, S. 97

Berliner Zeitung, 21.6.2003, „So hoch liegt der Schnee in Italien“

Geschichtswerkstatt der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BV VVN-BdA) e.V. (Hrsg.): Lexikon Widerstand in Berlin 1933-1945, Bd. 7, Berlin 2013

Hördler, Stefan (Hrsg.): SA-Terror als Herrschaftssicherung. „Köpenicker Blutwoche“ und öffentliche Gewalt im Nationalsozialismus, Berlin 2013

Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED (Hrsg.): Deutsche Widerstandskämpfer 1933-1945, Biographien und Briefe, Bd. 2, Berlin 1970, S. 165 f.

Verein Arbeiterpresse (Hrsg.): Handbuch des Vereins Arbeiterpresse, Berlin 1927, S. 195

Wörmann, Heinrich-Wilhelm: Widerstand in Köpenick und Treptow, Berlin 2010