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Erich Janitzky

Erich Janitzky. Fotorechte: Landesarchiv Berlin, C Rep.902-02-01, Nr.2
Stolpersteine für Erich Janitzky, Anton Schmaus und Johann Schmaus. Fotorechte: Peter Wolf
VERLEGEORT
Schmausstraße 2

BEZIRK/ORTSTEIL
Treptow-Köpenick – Köpenick
VERLEGEDATUM
02.12.2013

GEBOREN
12.07.1900 in Berlin
BERUF
Maschinenschlosser
ERMORDET WäHREND KöPENICKER BLUTWOCHE
21.06.1933 in Berlin

Der gelernte Maschinenschlosser Erich Janitzky wurde als Soldat im Ersten Weltkrieg politisiert, an dem er bereits mit 17 Jahren teilnehmen musste. Während der Weimarer Republik besuchte er nach der Arbeit Kurse an einer technischen Fachschule, um sich weiterzubilden. Ab 1924 arbeitete er bei den Siemens-Werken als Schlosser und war hier als Betriebsobmann der KPD auch politisch aktiv. Das Arbeitsverhältnis wurde ihm 1930 wegen seiner politischen Aktivitäten fristlos gekündigt. Nun arbeitslos, versuchte er, den Lebensunterhalt für sich und seine Ehefrau mit Gelegenheitsarbeiten aufzubessern. Gleichzeitig war er verstärkt für die KPD aktiv, indem er in Köpenick Funktionen im Bereich Agitation und Propaganda übernahm.

Schon seit dem Frühjahr 1933 gingen die Sturmabteilungen (SA) der NSDAP gewaltsam gegen missliebige Personen vor, so auch in Köpenick. In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1933 plante die Köpenicker SA eine größere Verhaftungsaktion, bereits in den Vormittagstunden des 21. Juni kam es in diesem Zusammenhang zu den ersten Verhaftungen. Da die SA nur einen Teil der gesuchten Personen angetroffen hatte, rückte sie in der Nacht erneut aus. Wenige Stunden zuvor hatte Erich Janitzky einge der Köpenicker Parteimitglieder aufgesucht, um sie vor einem erneuten Zugriff der SA zu warnen. Möglicherweise wollte er selbst sich ebenfalls verstecken, dazu kam er jedoch nicht mehr.

Gegen 23 Uhr wurde er von einer SA-Horde aus seiner Wohnung in der Mittelheide 3 geholt. Anschließend fuhr die SA weiter in die nahegelegene Alte Dahlwitzer Straße 2 (heute Schmaustraße 2). Hier wollte sie den Gewerkschaftsfunktionär Johann Schmaus und seine beiden Söhne Hans und Anton verhaften. Nachdem die SA sich auch hier gewaltsam Einlass verschafft hatte, stellte sich ihnen Anton Schmaus in den Weg und schoss in Notwehr auf die Eindringlinge. Zwei SA-Männer traf er tödlich, ein dritter wurde während des Schusswechsels vermutlich von seinen eigenen Leuten verletzt. Flüchtend gab Anton Schmaus vor dem Haus weitere Schüsse auf einen vierten SA-Mann ab.

Wenig später wurde Erich Janitzky, der vor dem Haus unter Bewachung der SA in einem Wagen warten musste, in unmittelbarer Nähe des Hauses Alte Dahlwitzer Straße 2 mit mehreren Schussverletzungen tot aufgefunden. Es ist weder bekannt, ob der 32-Jährige eventuell einen Fluchtversuch unternommen hatte, noch ist überliefert, aus welchen Waffen die tödlichen Schüsse – möglicherweise sogar Querschläger – abgefeuert worden waren.


Biografische Zusammenstellung

Marion Goers

Weitere Quellen

BdA Köpenick (Hrsg.): Gedenken und Mahnung – gegen das Vergessen, Zur Erinnerung an die vom Naziterror verfolgten Kinder, Frauen und Männer des Stadtbezirks Berlin-Köpenick in den Jahren 1933 bis 1945, Berlin 2001, S. 97

Geschichtswerkstatt der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BV VVN-BdA) e.V. (Hrsg.): Lexikon Widerstand in Berlin 1933-1945, Bd. 3, Berlin 2013

Hördler, Stefan (Hrsg.): SA-Terror als Herrschaftssicherung. „Köpenicker Blutwoche“ und öffentliche Gewalt im Nationalsozialismus, Berlin 2013

Landesarchiv Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 2768 (OdF-Akten der Witwe Hedwig Janitzky)

Wörmann, Heinrich Wilhelm: Widerstand in Köpenick und Treptow, Berlin 2010