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Ilse Rosenow

Stolperstein für Ilse Rosenow © OTFW
VERLEGEORT
Knaackstraße 34

BEZIRK/ORTSTEIL
Pankow – Prenzlauer Berg
VERLEGEDATUM
30.03.2013

GEBOREN
30.09.1915 in Berlin
DEPORTATION
am 03.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Ilse Rosenow wurde am 30. September 1915 in Berlin geboren. Sie war die Tochter der Berlinerin Gertrud Rosenow, geborene Michaelis, und des aus Stolp (dem heutigen Słupsk) stammenden Buchbinders James Rosenow. Die Geschwister ihrer Eltern, Willy Rosenow und Betty Michaelis, hatten sich vermählt – vermutlich lernten sich so ihre Eltern kennen. Ein Jahr nach der Hochzeit ihrer Eltern war Ilses älterer Bruder Kurt Rosenow am 1. März 1911 zur Welt gekommen. Ihre Eltern hatten zunächst bei ihren Großeltern mütterlicherseits, dem Schneidermeister Gustav Michaelis und dessen Frau Klara Willendorf, in der Tresckowstraße 38 (der heutigen Knaackstraße 34), nahe dem Wörther Platz (dem heutigen Kollwitzplatz), im Prenzlauer Berg gelebt. 1913 waren sie in die Rykestraße gezogen – zunächst in eine Wohnung in der Rykestraße 50, dann in die zweite Etage der Rykestraße 51. 1916 ging die jetzt vierköpfige Familie – 1915 war Ilse zur Welt gekommen – wieder in die Tresckowstraße 38 zurück, diesmal aber in eine eigene Wohnung in dem Haus, in dem nach wie vor auch Ilses Großeltern lebten. Eine Nachbarwohnung bewohnten Ilses Onkel Willy und ihre Tante Betty Rosenow. Das Leben in der Tresckowstraße 38 war in den letzten Kriegsjahren und der Zeit der Weimarer Republik sicher von den engen familiären Bindungen der hier lebenden Familienmitglieder geprägt und diese waren sicher ein bestimmendes Element der frühen Kindheitsjahre von Ilse und ihrem Bruder. Sie hatten noch weitere Verwandte in Berlin: Ein Onkel väterlicherseits, der Kaufmann Georg Rosenow, der mit seiner Frau Auguste, geborene Lachmann, genauso im Prenzlauer Berg lebte wie auch ein zweiter Onkel, der Textilstepper Louis Rosenow mit seiner Frau Emma Frieda Elsa, geborene Dumke. Vermutlich wurde Ilses Vater während der Zeit des Ersten Weltkriegs als Soldat rekrutiert. Allerdings gibt es hierfür, wie bei ihrem Onkel Willy, keine eindeutigen Zeugnisse. Nur für ihren Onkel Georg Rosenow ist ein Fronteinsatz zweifelsfrei belegt, durch die Meldung seiner Kriegsgefangenschaft im Jahr 1915. Er wurde nach Kriegsende freigelassen und kehrte nach Berlin zurück.

Leider habe sich so gut wie keine Quellen erhalten, die einen Einblick in das Leben von Ilse Rosenow in der Weimarer Republik und späteren Jahren vermitteln könnten. Es ist anzunehmen, dass sie in den Jahren 1921/1922 in eine der Schulen im Prenzlauer Berg eingeschult wurde und in der ersten Hälfte der 1930er-Jahre ihren Abschluss gemacht hat. Es ist nicht bekannt, welchen Beruf sie und ihr Bruder ergriffen haben. Auch liefern die Berliner Adressbücher keinen Hinweis darauf, in welchem Jahr Ilse die Tresckowstraße verlassen haben könnte. Sie wird in den 1930er-Jahren nicht als Haushaltsvorstand in Berlin geführt, möglicherweise lebte sie aber zur Untermiete oder in anderen Mietverhältnissen in der Hauptstadt oder hatte Berlin zeitweise verlassen. 1939 wohnte Ilse Rosenow jedenfalls, soweit geben die damals erhobenen Volkszählungsdaten Aufschluss, genauso wie ihr Bruder Kurt wieder in der elterlichen Wohnung in der Tresckowstraße 38.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – hatten auch Zwangsmaßnahmen geben Ilse Rosenow und ihre Verwandten begonnen. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. 1934 oder 1935 hatte Ilses Vater James seine Anstellung als Buchbinder verloren. In der den folgenden Jahren hatte er wie Ilses Onkel Willy, der in zweiter Ehe mit Gertrud Rosenow, geborene Israel, in Berlin lebte, versucht, als Schneider unter immer schwierigeren Bedingungen ein Auskommen zu finden. Nach den Pogromen im November 1938 musste Ilse, genauso wie ihr Bruder und ihre Eltern, Zwangsarbeit leisten. Ob sie und ihre Familie in diesen Jahren konkrete Schritte unternahmen, das Land zu verlassen, ist nicht bekannt. Sollten sie Pläne verfolgt haben, so scheiterten diese. Im Jahr 1939 bekam Ilse Rosenow ein Kind: Ihre Tochter Judis wurde am 27. April in Berlin geboren. Der Vater des Kindes ist nicht bekannt. Das Leben in der Hauptstadt nahm für alle Familienmitglieder in dieser Zeit zunehmend den Charakter eines Überlebenskampfes an. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnte sich Ilse mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Am 24. Oktober 1941 wurde Ilses Onkel Willy mit seiner Ehefrau Gertrude aus Berlin in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert. Gut ein Jahr später, am 6. November 1942, wurden Georg Rosenow und seine Ehefrau Auguste in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Ilse Rosenow wurde zusammen mit ihrer dreijährigen Tochter, ihrem Bruder, ihren Eltern und ihrer Tante Betty Rosenow im Zuge der „Fabrik-Aktion“, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, Ende Februar in Berlin verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verschleppt. Von dort wurden sie alle am 3. März 1943 mit dem „33. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft – ermordet. Ilse Rosenow wurde 27 Jahre alt.

Das Schicksal ihres Onkels Louis Rosenow und eines seiner beiden Kinder ist ungeklärt. Dessen Ehefrau und Sohn Werner Kurt haben die NS-Verfolgung überlebt. Ilses Onkel Willy war im Mai 1942 mit seiner zweiten Frau aus Litzmannstadt in das Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno) deportiert und dort ermordet worden. Ihr Onkel Georg wurde mit seiner Frau Auguste am 6. Oktober 1944 aus Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Indra Hemmerling

Weitere Quellen

Ergänzungskarten für Angaben über Abstammung und Vorbildung aus der Volkszählung vom 17. Mai 1939 im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (Bestand R 1509)
Deportationslisten. Reproduktion im National Archives and Records Administration, USA, Signatur A3355: James Rosenow („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 452); Gertrud Rosenow, geb. Michaelis („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 453); Kurt Rosenow („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 451); Ilse Rosenow („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 1514); Judis Rosenow („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 454); Betty Rosenow, geb. Michaelis („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 1518). Online unter: statistik-des-holocaust.de (aufgerufen am 7. August 2019)
Geburtsanzeige Betty Michaelis (Nr. 2197, Berlin am 14. Oktober 1889). Geburtsregister der Berliner Standesämter 1874–1920. Landesarchiv Berlin. Faksimile online unter: ancestry.com (aufgerufen am 30. Juli 2019)
Eheanzeige James Rosenow und Gertrud Michaelis (Nr. 105, Berlin am 16. Februar 1910); Willy Rosenow und Betty Michaelis (Nr. 1163, Berlin am 18. Oktober 1906); Louis Rosenow und Emma Frieda Elsa Dumke (Nr. 430, Berlin am 14. Juni 1913); Georg Rosenow und Auguste Lachmann (Nr. 239, Berlin am 2. April 1913) Heiratsregister der Berliner Standesämter 1874–1920. Landesarchiv Berlin. Faksimile online unter: ancestry.com (aufgerufen am 7. August 2019)
Das unbekannte Vernichtungslager Kulmhof am Ner (Chelmno nad Nerem). Geschichte und Erinnerung. Ausstellungsbroschüre der gleichnamigen Ausstellung 2011. Online unter:https://www.stiftung-denkmal.de/fil... (aufgerufen am 30. Juli 2019)
Eintrag zu Stolp (Hinterpommern). Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, o. J. Online unter: http://www.jüdische-gemeinden.de (aufgerufen am 30. Juli 2019)