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Betty Rosenow (geb. Michaelis)

Stolperstein für Betty Rosenow © OTFW
VERLEGEORT
Knaackstraße 34

BEZIRK/ORTSTEIL
Pankow – Prenzlauer Berg
VERLEGEDATUM
30.03.2013

GEBOREN
12.10.1889 in Berlin
DEPORTATION
am 03.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Betty Michaelis wurde am 12. Oktober 1889 in Berlin geboren. Sie war die Tochter des Schneidermeisters Gustav Michaelis und seiner Ehefrau Klara, geborene Willendorf. Betty hatte zumindest eine jüngere Schwester, die 1891 in Berlin geborene Gertrud Michaelis. Zum Zeitpunkt der Geburt von Betty wohnte die Familie in einer Wohnung in der Höchstestraße 38, nahe dem Volkspark Friedrichshain. Um die Jahrhundertwende zog das Ehepaar Michaelis mit seinen Kindern in die Tresckowstraße 38 (die heutige Knaackstraße 34), unweit des Wörther Platzes (des heutigen Kollwitzplatzes) im Prenzlauer Berg. Über die Kindheit und Jugend von Betty Michaelis und ihrer Schwester haben sich keine Zeugnisse erhalten. Ihre Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach der jüdischen Gemeinde Berlins an.

Nach dem Schulabschluss arbeitete Betty Michaelis als Näherin in Berlin. Sie lernte den sechs Jahre älteren Schneider Willy Rosenow kennen, der in den frühen 1900er-Jahren aus seiner Geburtsstadt Stolp (dem heutigen Słupsk) in die Hauptstadt gezogen war, und heiratete ihn im Oktober 1906. Kurz vor der Hochzeit war sie 17 Jahre alt geworden. Das Paar nahm sich eine gemeinsame Wohnung in der Straßburger Straße 25 im Prenzlauer Berg im heutigen Kollwitzkiez. Die Ehe zwischen Betty und Willy Rosenow blieb kinderlos. Bettys jüngere Schwester Gertrud heiratete im Februar 1910 den jüngeren Bruder von Willy, James Rosenow, der in Berlin als Buchbinder arbeitete. Die beiden bezogen wenig später eine Wohnung in der Rykestraße unweit von Betty und Willy Rosenow. In den Jahren 1911 und 1915 wurden Bettys Neffe und ihre Nichte Kurt und Ilse geboren.

Vermutlich wurden Bettys und Gertruds Ehemänner im Ersten Weltkrieg als Soldaten eingesetzt, auch wenn sich hierfür keine eindeutigen Quellen erhalten haben. Nur für Bettys zweiten Schwager Georg Rosenow ist ein Fronteinsatz belegt, durch die Meldung seiner Kriegsgefangenschaft im Jahr 1915. Nach dem Krieg lebte er mit seiner Frau Auguste Rosenow, geborene Lachmann, in der Marienburger Straße 30 im Prenzlauer Berg. Im Jahr 1916 bezogen sowohl Betty und Willy als auch Gertrud und James Rosenow eigene Wohnungen in der Tresckowstraße 38 – in dem Haus, in dem nach wie vor auch die Eltern von Betty und Gertrud lebten. Das Leben in der Tresckowstraße 38 war in den letzten Kriegsjahren und der Zeit der Weimarer Republik sicher von den engen familiären Bindungen geprägt und so etwas wie ein Zentrum der Familienzweige Michaelis und Rosenow, zumindest bis die Ehe zwischen Willy und Betty 1922 geschieden wurde. Betty Rosenow hat nicht erneut geheiratet und lebte weiter in der Tresckowstraße. Ihr Ex-Mann zog in die Griebenowstraße 22, nahe dem Zionskirchplatz, und ehelichte später die aus Lautenburg (dem heutigen Lidzbark) stammende Gertrude Israel. Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die einen Einblick in das Leben von Betty Rosenow und ihren Familienangehörigen in der Zeit der Weimarer Republik geben könnten.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Betty Rosenow und ihre Verwandten. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. 1934 oder 1935 verlor der Mann ihrer Schwester seine Anstellung als Buchbinder. In der Folgezeit versuchte er wie sein Bruder Willy, als Schneider unter immer schwierigeren Bedingungen ein Auskommen zu finden. Betty verdiente ihren Unterhalt in ihrem alten Beruf als Näherin. Nach den Pogromen im November 1938 wurde sie genauso wie ihre Schwester Gertrud, deren Ehemann und Kinder zu Zwangsarbeit herangezogen. Falls sie während der 1930er-Jahren konkrete Schritte zur Emigration unternommen hatte, so sollten diese scheitern. Das Leben in Berlin wurde für Betty Rosenow zunehmend zum Überlebenskampf. Einer der vielen einschneidenden Maßnahmen, die sie trafen, war die Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“, mit der sie sich nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Stadt bewegen konnten.

Der vollständigen Entrechtung folgte die Deportation: Am 24. Oktober 1941 wurde Bettys geschiedener Ehemann Willy Rosenow mit seiner Frau Gertrude aus Berlin in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) deportiert. Gut ein Jahr später, am 6. November 1942, wurden Georg Rosenow und seine Ehefrau Auguste in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Betty und ihre Schwester lebten noch bis 1943 in Berlin, dann wurden sie mit James Rosenow und Gertruds Kindern sowie der 1939 geborenen Großnichte Judis, der Tochter von Ilse Rosenow, im Zuge der „Fabrik-Aktion“, bei der die letzten offiziell in der Hauptstadt verbliebenen Juden deportiert werden sollten, Ende Februar in Berlin verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verschleppt. Von dort wurden sie alle am 3. März 1943 mit dem „33. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft – ermordet. Betty Rosenow wurde 53 Jahre alt.

Auch Bettys Ex-Mann überlebte die NS-Zeit nicht. Er wurde mit seiner Frau im Mai 1942 aus Litzmannstadt in das Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno) deportiert und dort ermordet. Georg Rosenow und seine Frau wurden 1944 aus Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und in Auschwitz-Birkenau ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Indra Hemmerling

Weitere Quellen

Ergänzungskarten für Angaben über Abstammung und Vorbildung aus der Volkszählung vom 17. Mai 1939 im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (Bestand R 1509)
Deportationslisten. Reproduktion im National Archives and Records Administration, USA, Signatur A3355: James Rosenow („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 452); Gertrud Rosenow, geb. Michaelis („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 453); Kurt Rosenow („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 451); Ilse Rosenow („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 1514); Judis Rosenow („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 454); Betty Rosenow, geb. Michaelis („33. Osttransport“, Lfd-Nr. 1518). Online unter: statistik-des-holocaust.de (aufgerufen am 7. August 2019)
Geburtsanzeige Betty Michaelis (Nr. 2197, Berlin am 14. Oktober 1889). Geburtsregister der Berliner Standesämter 1874–1920. Landesarchiv Berlin. Faksimile online unter: ancestry.com (aufgerufen am 30. Juli 2019)
Eheanzeige James Rosenow und Gertrud Michaelis (Nr. 105, Berlin am 16. Februar 1910); Willy Rosenow und Betty Michaelis (Nr. 1163, Berlin am 18. Oktober 1906); Louis Rosenow und Emma Frieda Elsa Dumke (Nr. 430, Berlin am 14. Juni 1913); Georg Rosenow und Auguste Lachmann (Nr. 239, Berlin am 2. April 1913). Heiratsregister der Berliner Standesämter 1874–1920. Landesarchiv Berlin. Faksimile online unter: ancestry.com (aufgerufen am 7. August 2019)
Eintrag zu Stolp (Hinterpommern). Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, o. J. Online unter: http://www.jüdische-gemeinden.de (aufgerufen am 30. Juli 2019)