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Berthold Guthmann

Berthold Guthmann © OTFW
VERLEGEORT
Lemkestr. 156

BEZIRK/ORTSTEIL
Marzahn-Hellersdorf – Mahlsdorf
VERLEGEDATUM
28.03.2013

GEBOREN
10.06.1924 in Berlin
DEPORTATION
am 05.09.1942 in das Ghetto Riga
WEITERE DEPORTATION
in das KZ Stutthof
WEITERE DEPORTATION
am 16.08.1944 in das Außenlager Altenburg des KZ Buchenwald
ERMORDET
03.03.1945 im Außenlager Rehmsdorf des KZ Buchenwald

Berthold Guthmann kam am 20. Juni 1924 als ältester Sohn des Druckereibesitzers Otto Guthmann und der Korsettschneiderin Charlotte Guthmann (geborene Weil) in Berlin zur Welt. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Kreuzberg, wo er mit seinen Eltern und Geschwistern in der Halleschen Straße 21 in der Nähe des Anhalter Bahnhofs wohnte. Sein Bruder Leopold war rund ein Jahr jünger als er, Hans drei und Eva vier Jahre. Die jüngste Schwester Maria wurde 1937 geboren, als Berthold zwölf war und die Familie längst nicht mehr in Kreuzberg lebte.

Anfang der 1930er Jahre zog Berthold mit seiner Familie nach Lichtenberg, nachdem sein Vater die Druckerei infolge der Weltwirtschaftskrise aufgeben musste. Dort wohnten sie zu sechst in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in der Bornitzstraße 41a. Sein Vater fand Arbeit als Materialverwalter bei einem großen Bauunternehmen. Jeden Sabbat besuchte die Familie damals den Gottesdienst in der Synagoge an der Frankfurter Allee.

Nach einigen Jahren wurde Bertholds Vater erneut arbeitslos, da sein jüdischer Arbeitgeber nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten emigrierte und die Firma aufgelöst wurde. Bertholds Familie zog daraufhin an den Stadtrand, nach Mahlsdorf in die Lemkestraße 156. Auf dem Grundstück einer Verwandten baute sein Vater ein Haus und die Familie unterhielt dort einen landwirtschaftlichen Betrieb mit einer kleinen Schafzucht, Geflügel, Kaninchen und Obst- und Gemüseanbau. Sie bewirtschafteten auch das gegenüberliegende Pachtgrundstück.

Berthold besuchte nach dem Umzug nach Mahlsdorf für kurze Zeit die dortige Volksschule und begann dann eine Klempnerlehre in Stettin. Weil sein Meister emigrierte und der Betrieb 1940 geschlossen wurde, musste Berthold die Ausbildung abbrechen. Er kehrte zu seiner Familie zurück und wurde wie sein Vater und seine Brüder zur Zwangsarbeit verpflichtet. Beim Straßenbau musste er Schwerstarbeit verrichten.

Seiner Nichte zufolge war Berthold Aktivist in einer jüdischen antifaschistischen Gruppe, Genaueres ist hierzu bisher nicht bekannt. Anfang September 1942 wurde der damals 18-Jährige verhaftet, angeblich wegen der Beteiligung an Widerstandsaktionen.

Seine verzweifelte Mutter, die ursprünglich aus Budapest stammte, versuchte vergeblich, Unterstützung vom ungarischen Konsul zu erwirken. Tag und Nacht harrte sie vor dem Sammellager aus, in dem Berthold inhaftiert war. Sie durfte ihn noch einmal kurz sehen, bevor er am 5. September 1942 nach Riga deportiert wurde. In den nächsten zweieinhalb Jahren wurde er als Arbeitssklave ausgebeutet. Von Riga kam er ins KZ Stutthof und von da am 16. August 1944 weiter nach Buchenwald.

Bertholds Eltern und Geschwister wurden Anfang März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo die Eltern und die drei jüngsten Geschwister Hans, Eva und Maria ermordet wurden. Leopold überlebte und wurde von der SS auf einen Todesmarsch geschickt. Er traf Mitte Februar 1945 in Buchenwald ein, ohne zu ahnen, dass Berthold ebenfalls dort inhaftiert war. Leopold erfuhr erst Jahrzehnte später, dass sein Bruder zu diesem Zeitpunkt noch am Leben war und sie sich für kurze Zeit am gleichen Ort befunden hatten.

Berthold Guthmann starb am 3. März 1945, wenige Wochen vor der Befreiung, im KZ „Wille“ in Rehmsdorf, einem Außenlager von Buchenwald. Er wurde 20 Jahre alt.

Am 27. Februar 2008, dem 65. Jahrestag der Fabrikaktion, wurde ein Platz in der Nähe ihres letzten Wohnsitzes in Mahlsdorf nach Familie Guthmann benannt.


Biografische Zusammenstellung

Recherche und biografische Zusammenstellung: Julia Chaker

Weitere Quellen

Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf; Rede von Leopold Guthmanns Tochter Charlotte Gutman bei der Stolpersteinverlegung am 28.03.2013 in Berlin; Thea Koberstein/Norbert Stein: Juden in Lichtenberg mit den früheren Ortsteilen in Friedrichshain, Hellersdorf und Marzahn, hg. vom Kulturbund e.V., Berlin 1995; Deportationslisten, www.statistik-des-holocaust.de; Kauperts Straßenführer durch Berlin