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Eva Guthmann

Eva Guthmann © OTFW
VERLEGEORT
Lemkestr. 156

BEZIRK/ORTSTEIL
Marzahn-Hellersdorf – Mahlsdorf
VERLEGEDATUM
28.03.2013

GEBOREN
24.10.1928 in Berlin
DEPORTATION
am 04.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Eva Guthmann wurde am 24. Oktober 1928 in Berlin geboren. Mit ihren Eltern und ihren drei älteren Brüdern Berthold, Leopold und Hans wohnte sie bis Anfang der 1930er Jahre in der Halleschen Straße 21 in der Nähe des Anhalter Bahnhofs. Ihre Mutter Charlotte betrieb ein Atelier als Korsettschneiderin, das sie aber nach der Geburt der Kinder aufgab. Ihr Vater Otto hatte eine kleine Druckerei, die er im Zuge der Weltwirtschaftskrise aufgeben musste.

Die Familie zog daraufhin in eine kleine Wohnung in die Bornitzstraße 41a nach Lichtenberg. Dort besuchte Eva jeden Sabbat den Gottesdienst in der Synagoge an der Frankfurter Allee. Ihr Vater fand eine Anstellung als Materialverwalter bei einem Bauunternehmer, wurde aber erneut arbeitslos, da sein jüdischer Arbeitgeber das nationalsozialistische Deutschland verließ und der Betrieb geschlossen wurde.

Mitte der 1930er Jahre zog Eva mit ihrer Familie nach Mahlsdorf. Eine Verwandte, die in die USA emigriert war, hinterließ ihnen ein Grundstück in der Lemkestraße 156, auf dem Evas Vater ein Haus baute. Ihre Eltern gründeten einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, sie züchteten Schafe, hielten Geflügel und Kaninchen, bauten Obst und Gemüse an und bewirtschafteten auch das gegenüberliegende Pachtgrundstück. Als Eva acht Jahre alt war, wurde ihre kleine Schwester Maria geboren.

Wie ihre älteren Geschwister ging Eva zur Volksschule in Mahlsdorf und einmal wöchentlich zum jüdischen Religionsunterricht bei Familie Holz in der Hönower Straße. Sie war eine gute Schülerin und wollte später Medizin studieren. Nach den Novemberpogromen 1938 musste Eva zur jüdischen Schule in der Kaiserstraße (heute Jacobystraße) nahe dem Alexanderplatz wechseln.

Evas Brüder und ihr Vater wurden zur Zwangsarbeit bei verschiedenen Berliner Unternehmen verpflichtet. Die Mutter nahm ihre Arbeit als Korsettschneiderin wieder auf, um den Lebensunterhalt der Familie bestreiten zu können. Eva half nach der Schule auf dem Hof der Eltern.

1942 wurde Evas ältester Bruder Berthold, der damals 18 Jahre alt war, verhaftet. Er wurde verdächtigt, an Widerstandsaktionen beteiligt gewesen zu sein. Anfang September wurde er nach Riga deportiert, kam von dort ins KZ Stutthof und im August 1944 nach Buchenwald. Er starb am 3. März 1945 im Außenlager Rehmsdorf, wenige Wochen vor der Befreiung.

Am 27. Februar 1943 kamen Evas Vater und die Brüder Leopold und Hans nicht von der Arbeit nach Hause. Sie waren bei der sogenannten Fabrikaktion von der Gestapo an ihren Arbeitsstellen verhaftet und in verschiedene Sammellager gebracht worden. Evas Mutter erhielt die Aufforderung, sich mit den Töchtern ebenfalls im Sammellager in der Großen Hamburger Straße einzufinden. Ein Nachbar berichtete später, dass er am darauffolgenden Tag bei seinem morgendlichen Rundgang das Weinen und Klagen von Charlotte Guthmann und ihren Töchtern hörte. Später fuhr ein Wagen vor und während Eva mit ihrer Mutter und ihrer Schwester einstieg, winkte sie dem Nachbarn zum Abschied und rief ihm zu, dass sie zum Sammellager führen, um bei ihrem Vater und den Brüdern zu sein.

Eva Guthmann war 14 Jahre alt, als sie mit ihren Eltern und ihrer fünfjährigen Schwester am 4. März 1943 nach Auschwitz deportiert wurde. Ihre Brüder Leopold und Hans waren einen bzw. zwei Tage zuvor deportiert worden. Leopold überlebte als Einziger.

Alle Kinder, die sich auf dem 34. Osttransport befanden, der aus Berlin kommend am 6. März 1943 in Auschwitz eintraf, wurden unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet.

Am 27. Februar 2008, dem 65. Jahrestag der Fabrikaktion, wurde ein Platz in der Nähe ihres letzten Wohnsitzes in Mahlsdorf nach Familie Guthmann benannt. Insgesamt wurden mehr als zwanzig von Eva Guthmanns Familienmitgliedern deportiert.


Biografische Zusammenstellung

Recherchen und biografische Zusammenstellung: Julia Chaker

Weitere Quellen

Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf; Rede von Leopold Guthmanns Tochter Charlotte Gutman bei der Stolpersteinverlegung am 28.03.2013 in Berlin; Thea Koberstein/Norbert Stein: Juden in Lichtenberg mit den früheren Ortsteilen in Friedrichshain, Hellersdorf und Marzahn, hg. vom Kulturbund e.V., Berlin 1995; Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945, Reinbek bei Hamburg 1989; Deportationslisten, www.statistik-des-holocaust.de; Kauperts Straßenführer durch Berlin