Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Nathan Lindenberger

Stolperstein für Nathan Lindberger © OTFW
Nathan Lindenberger © Herbert Lindenberger
Georgenkirchstraße 31 © Familienbesitz
VERLEGEORT
Otto-Braun-Straße 76

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
20.09.2013

GEBOREN
20.06.1875 in Labiau/ Polessk
FLUCHT
1941 Fluchtversuch nach Italien
DEPORTATION
am 03.10.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
25.08.1943 in Theresienstadt

Nathan Lindenberger war der zweite Sohn von Isaak Lindenberger. Er heiratete nicht und blieb im elterlichen Haus wohnen, das zugleich die Stätte der familieneigenen Firma, einem Kühlhallenbetrieb, war. Er tat dies, um sich um seinen alternden Vater zu kümmern und den Betrieb zu regeln, als der Vater dazu nicht mehr in der Lage war. Die Arbeitsabläufe drehten sich hauptsächlich um das Räuchern von Lachs, was in der Kühlhalle stattfand. Sie wurde aber auch dazu genutzt, Eis zu produzieren, welches in ganz Berlin vertrieben wurde – lang, bevor Kältetechnik sich durchsetzte. Während der Weltwirtschaftskrise verschärften sich finanzielle Probleme und Nathan war gezwungen, sich Geld bei jüdischen Freunden und Verwandten in den USA zu leihen.

Soweit es die Zensur erlaubte, zeugen seine Briefe davon, wie verzweifelt er versuchte, seinen Vater, seine jüngste Schwester Lotte und sich selbst nach Amerika zu verschiffen. Anfang 1940 traten die drei eine Reise von Genua nach New York an. Sie mussten die Reise in München abbrechen – denn das einzige Hotel, das Juden als Gäste aufnahm, war so voll, dass sie auf dem Fußboden in der Lobby übernachten mussten. Der Vater, der an Demenz erkrankt war, bekam panische Anfälle und seine zwei Kinder entschieden, ihn mit Nathan nach Berlin zurückzuschicken. Lotte setzte die Reise in die USA fort, wo sie bis in ihr 89. Lebensjahr lebte.

Nathan kümmerte sich weiter um seinen Vater, der im darauffolgenden Jahr 92jährig starb. Es ist bekannt, dass Nathan Jahre zuvor mit Wolf-Heinrich von Helldorff, dem Polizeipräsidenten von Berlin, bekannt gewesen war. Aufgrund einer Zeugenaussage des nicht-jüdischen Bürodirektors der Familie wurde er möglicherweise von von Helldorff erpresst. Nathan wies diesen Angestellten regelmäßig an, Bevollmächtigten von von Helldorff Zahlungen auszuhändigen, um als Gegenleistung Schutz zu bekommen. Doch dieser endete, als Nathans Nichte Hanni Lindenberger Meyer wegen Hochverrats und Mitgliedschaft in der Herbert-Baum.-Gruppe verhaftet (und später hingerichtet) wurde. Ein paar Monate nach Hannis Verhaftung wurde Nathan nach Theresienstadt deportiert, wo er nicht in der Lage war, lebensnotwendige Medikamente zu bekommen. Er starb eines „natürlichen Todes“ in diesem Lager.


"One family's Shoa", Herbert Lindenberger, 2013

Biografische Zusammenstellung

Herbert Lindenberger
ins Deutsche übersetzt von Sophia Schmitz, Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin