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Martin Popper

Martin Popper © OTFW
VERLEGEORT
Wundtstraße 64

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
15.10.2013

GEBOREN
26.04.1861 in Stolp / Słupsk
DEPORTATION
am 07.09.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
25.09.1942 in Theresienstadt

Martin Popper kam am 26. April 1861 im pommerschen Stolp (heute: Słupsk / Polen) zur Welt, seine Frau Paula Popper, geb. Salomon, am 16. Dezember 1874 in Hannover. Bis September 1941 lebten die Eheleute in einer 5-Zimmer-Wohnung in der Wundtstraße 64 in Charlottenburg, als Untermieterin hatten sie Bella Kussel, eine Cousine von Paula. Danach mussten sie – wahrscheinlich weil sie sich diese Wohnung finanziell nicht mehr leisten konnten oder weil sie gezwungen wurden, die von Nazi-Funktionären beanspruchte Wohnung zu verlassen – nach Tiergarten in den Blumes Hof 15 in den zweiten Hof ziehen. Als Vermieterin gaben sie Jenny Joachimsohn an, von der es jedoch keine Spuren gibt.

Das Ehepaar Popper hatte eine Tochter, Lore, geboren am 8. April 1913 in Berlin. Sie ging nach Italien, studierte dort kurze Zeit Medizin und heiratete 1938 den Arzt Dr. Giovanni Armaleo. Sie erwarb dadurch die italienische Staatsbürgerschaft, beide wanderten nach Abessinien aus und ließen sich in dem Ort Dire Dawa nieder, wo Armaleo als Kolonialarzt tätig war. Lore Armaleo-Popper hatte einen Stiefbruder aus erster Ehe der Mutter, der nach ihren Aufzeichnungen „von der Gestapo in Holland getötet“ worden ist.

Martin Popper war Prokurist bei der Dresdner Bank gewesen, früher bei der Darmstädter und Nationalbank. Ende der 1920er oder Anfang der 1930er Jahre wurde er pensioniert.

Seine Vermögenserklärung vom 11. August 1942 füllte Martin Popper in schwungvoller Schrift mit Füllfederhalter aus. Die Angaben, die er darin machte, deuten auf Wohlstand hin. Er fügte eine sogfältige Aufstellung bei, aus der ein Wertpapierbesitz von 58 000 RM hervorgeht. Außerdem hatte das Ehepaar einige Versicherungen, sodass für das Alter gut vorgesorgt gewesen wäre. Nach Angaben der Tochter muss das Vermögen jedoch früher bedeutend höher gewesen sein. Die Nazis hätten schon hohe Geldbeträge konfisziert, schrieb sie später und beschrieb die Wohnungseinrichtung in der Wundtstraße: antike Möbel, Mahagoni-Schlafzimmer, Silber und Meißner Porzellan, unter den zahlreichen Gemälden ein vom Großonkel gemaltes Heinrich-Heine-Portrait, ungefähr 2000 Bücher sowie Kunst- und Musiksammlungen, ein Steinway-Flügel und ein Harmonium.

„Nur einen kleinen Teil“ des Besitzes hätten ihre Eltern retten können, schrieb die Tochter 1948 aus Rom, und „einige wenige Kisten“ wurden, „bevor sie aus dem Hause getrieben wurden, verschiedenen Leuten zur Aufbewahrung übergeben“, auch „ein wertvoller Perserteppich“. Ihre jahrelangen Nachforschungen blieben aber ergebnislos, alles war verschwunden. Nachdem sie das Vermögen ihres Mannes in Ostafrika verloren hatte, bekam sie auch von den in Deutschland gestohlenen Werten nichts zurück.

Martin Popper hatte fein säuberlich in der Vermögenserklärung notiert: „Ich bin Mit-Testamentsvollstrecker des Jacob Salomon’schen Nachlasses:“ Zusammen mit Harry Salomon, vermutlich einem Verwandten seiner Frau, der in Zürich lebte, verwalte er ein 1929 angelegtes Nießbrauchkonto für deren Cousine Bella Kussel, die auch bei ihnen wohnte. Außerdem verwalte er die 1938 bei der Firma Gebr. Hardy & Co in Berlin hinterlegten Wertpapiere seiner Tochter Lore, die „unter Kontrolle der Banca d’italia“ stünden und somit von den Nazis unantastbar schienen. Es schien also alles wohlgeordnet, bis die Geheime Staatspolizei die Beschlagnahme und Einziehung dieses ganzen Vermögens verfügte.

In den Blumes Hof 15 hatten Poppers nur die notwendige Wohnungseinrichtung, Kleidung und „diverse Familienbilder“ mitnehmen können. Auf einen Wert von 574,50 RM taxierte Albert Dümle von der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel diese restlichen Gegenstände, die von Altwarenhändlern verhökert wurden.

Martin und Paula Popper mussten sich eines Tages zusammen mit Berta Kussel, die in einem Durchgangszimmer untergekommen war, im Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26, einem ehemaligen jüdischen Altersheim, einfinden, um sich für die Deportation registrieren zu lassen. Am 7. September 1942 wurden sie nach Theresienstadt deportiert. Dort starb Paula Popper 67-jährig am 19. September 1942 an einer „Lungenentzündung“, Paul Popper im Alter von 81 Jahren am 25. September 1942 infolge eines „Darmkatarrhs“, wie in den „Todesfallanzeigen“ die unglaublichen medizinischen Zustände im Ghetto umschrieben wurden. Lore Armaleo-Popper, die in Italien blieb, beantragte beim Senator für Inneres Berlin 1968 die Wiedereinbürgerung. Sie ist am 9. Januar 2013 in Rom gestorben.


Biografische Zusammenstellung

Helmut Lölhöffel