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Max Blumenthal

Stolperstein für die Bewohner der Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.
Stolperstein zum Schicksal der Bewohner Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.
VERLEGEORT
Solinger Straße 10

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
September 2003

GEBOREN
12.02.1878 in Samotschin (Posen) / Szamocin
DEPORTATION
am 03.10.1942 nach Theresienstadt
TOT
im Ghetto Theresienstadt

Max Blumenthal kam am 12. Februar 1878 in Samotschin (heute: Szamocin / Polen) in der damaligen preußischen Provinz Posen zur Welt. Seine Eltern Ernestine (geb. Kronheim) und Heymann Blumenthal gaben ihm laut seiner Geburtsurkunde den jüdischen Vornamen Manasse, Max ist in dem Dokument zusätzlich in Klammern angegeben. Wie sein Vater wurde Max Blumenthal Kaufmann. Im Alter von 28 Jahren heiratete er am 18. Dezember 1906 im westpreußischen Culmsee (Chełmża) Paula Henschel, die ebenfalls aus einer Kaufmannsfamilie stammte. Damals wohnte Max Blumenthal in Graudenz (Grudziądz) an der Weichsel. Dort wurde drei Jahre später, am 22. Dezember 1909, seine Tochter Ellen geboren. Als am 24. Februar 1915 sein zweites Kind Gerd zur Welt kam, war Max Blumenthal vermutlich bereits Soldat. Während des Ersten Weltkriegs stieg er bis zum Rang eines Vizefeldwebels auf.

Mit seiner Familie wohnte Max Blumenthal lange Zeit in Greifswald. Dort führte er zusammen mit seiner Frau das Ledergeschäft Schlesinger & Co. in der Kuhstraße 25. Nachdem er Anfang der 1930er Jahre seinen Teilhaber Siegfried Schlesinger ausgezahlt hatte, war er der alleinige Inhaber, eingetragen war die Firma auf den Namen seiner Frau. In der Region war das Einzel- und Großhandelsgeschäft recht bedeutend, da es vor Ort nur einen Konkurrenten in der Branche gab. Ein Vertreter war ständig mit dem Firmenwagen unterwegs und belieferte weite Teile Vorpommerns mit Lederwaren und Schuhmacherbedarf.

Max Blumenthals Tochter Ellen heiratete am 24. August 1931 in Greifswald den Schweizer Otto Herz. Gemeinsam mit ihrem Mann wohnte sie in der ersten Zeit nach der Hochzeit in der elterlichen Wohnung in der Schlageterstraße 8; beide arbeiteten auch im Geschäft mit. Kurz nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten zog das junge Ehepaar in Otto Herz’ Heimatstadt Zürich, wo dieser das Geschäft seines Vaters übernehmen konnte. Dort wurde im April 1933 Max Blumenthals Enkeltochter Renate geboren, im Oktober 1937 sein zweiter Enkel Peter Albert.

Aufgrund der antisemitischen Verfolgung mussten Max und Paula Blumenthal das Geschäft schließen, wie ihr Schwiegersohn später schilderte: „Durch die in Pommern im Jahre 1933 bereits in verstärktem Maße einsetzenden Judenverfolgungen, die sich in den kleinen Städten noch bedeutend drückender als in der Großstadt fühlbar machten, musste Herr Max Blumenthal sein Geschäft gezwungenermaßen unter besonders ungünstigen Bedingungen auflösen.“ Unterlagen der Stadt Greifswald zufolge meldete sich Max Blumenthal dort am 2. Oktober 1937 ab und verlegte seinen Wohnsitz nach Berlin-Mitte in die Weydingerstraße, die damals Horst-Wessel-Straße hieß. Von dort zog er mit seiner Frau in die Tile-Wardenberg-Straße 2 nach Moabit (damals Bezirk Tiergarten). Dort wohnte zum Zeitpunkt der Volkszählung am 17. Mai 1939 auch Rosa Waller (geb. Blumenthal), geboren am 14. Januar 1889 in Szamocin, die vermutlich eine Schwester oder Cousine von Max Blumenthal war. Sein Sohn Gerd war damals bereits nach Kolumbien emigriert. Die Kosten für die Überfahrt bezahlte Tochter Ellen aus ihrer Mitgift. Auch Max und Paula Blumenthal wurden finanziell von ihrer Tochter unterstützt, da sie seit dem Umzug nach Berlin völlig mittellos waren. Im April 1941 bezogen sie in der Solinger Straße 10 ein Zimmer zur Untermiete. Im darauffolgenden Frühjahr starb ihre Enkelin Renate in Zürich, wenige Wochen vor ihrem zehnten Geburtstag aus unbekannten Gründen.

Am 4. Oktober 1942 wurde Max Blumenthal zusammen mit seiner Frau mit dem „3. großen Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Die Nachricht von seinem Tod erreichte Tochter Ellen im Sommer 1943. Eine Tante namens Berta Cohn schrieb eine auf den 21. Juli 1943 datierte Postkarte aus Theresienstadt: „Meine Lieben: Euer l. Vater ist am 18. Juli nach langer Krankheit entschlafen. Eure l. Mutter ist gefasst, jedoch sehr mitgenommen. Über Euren Brief, der vorige Woche eintraf, hat sich Vater noch sehr gefreut.“ Wenige Monate später überbrachte Berta Cohn mit einer weiteren Postkarte auch die Nachricht vom Tod Paula Blumenthals, die am 29. Oktober 1943 ums Leben kam.


Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

Kauperts, Straßenführer durch Berlin