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Paul Schwerin

Stolperstein für die Bewohner der Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.
Stolperstein zum Schicksal der Bewohner Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.
VERLEGEORT
Solinger Straße 10

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
September 2003

GEBOREN
26.12.1866 in Posen / Poznań
BERUF
Urologe
FLUCHT IN DEN TOD
02.10.1942 in Berlin

Dr. med. Paul Schwerin wurde am 26. Dezember 1866 als Sohn des jüdischen Ehepaares Rosalie und Adolf Schwerin in Posen geboren. Er besuchte dort das Gymnasium und absolvierte an der Universität Berlin ein Studium der Medizin. 1891 erhielt er seine Approbation. Am 14. Januar 1894 heiratete er im Alter von 27 Jahren die ebenfalls aus Posen stammende Martha List. Kurze Zeit betrieb er eine Praxis in Aachen. Dort kam am 5. Juli 1895 sein Sohn Alfred, das einzige Kind des Ehepaars Schwerin, zur Welt.

Im Jahr 1896 kehrte Paul Schwerin mit seiner Familie nach Berlin zurück. Er spezialisierte sich auf Harn- und Blasenleiden und hatte seine Praxis in Kreuzberg an wechselnden Standorten (Kommandantenstraße 28, Oranienstraße 140, Prinzenstraße 82, Oranienstraße 66). Er war Mitglied der Berliner Medizinischen Gesellschaft sowie der Urologischen Gesellschaft. Nach langjähriger Berufsausübung wurde ihm der Titel eines Sanitätsrats verliehen. Alfred Schwerin folgte dem Vorbild seines Vaters und wurde nach dem Medizinstudium ebenfalls Facharzt für Urologie. Nach seiner Approbation im Jahr 1920 praktizierten Vater und Sohn zehn Jahre lang in einer gemeinsamen Praxis, bevor Alfred Schwerin Anfang der 1930er Jahre eine eigene Praxis in der Brunnenstraße eröffnete.

Am 22. April 1933 wurde jüdischen Ärzten die Kassenzulassung entzogen und Paul Schwerin verlor aufgrund der antisemitischen Boykottaufrufe viele seiner Patienten. Als im Juli 1938 ein generelles Berufsverbot für jüdische Ärzte erlassen wurde, musste er seine Praxis schließen. Sein Sohn Alfred zog in die Wohnung in der Solinger Straße 10 ein, in der Paul und Martha Schwerin etwa seit Mitte der 1930er Jahre lebten. Im Juni 1941 emigrierte Alfred Schwerin über Spanien in die USA.

In der Solinger Straße 10 wohnte damals auch Martha Schlomer (geb. Schwerin), die wahrscheinlich Paul Schwerins ältere Schwester war. Sie wurde am 14. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort zehn Tage später. Kurz darauf, am 2. Oktober 1942, wurde auch das Ehepaar Schwerin verhaftet. Auf dem Weg zur Sammelstelle nahmen sich Paul und Martha Schwerin das Leben. Sie wurden bei der Ankunft in der Großen Hamburger Straße tot im Transportfahrzeug aufgefunden.


Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

Museum und Archiv der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., Kurzbiographien der jüdischen und aus dem Judentum stammenden Urologen, bearbeitet von Julia Bellmann, http://museum.dgu.de/biographien.html