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Alexander Jaffe

Stolperstein für Alexander Jaffe. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Hauptstr. 110

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
21.03.2014

GEBOREN
04.10.1931 in Berlin
ABGESCHOBEN
am 02.07.1941 in die Sowjetunion
AN HAFTFOLGEN GESTORBEN
1944 in Akmolinsk (Kasachstan)

Alexander Jaffe kam am 4. Oktober 1931 als ältester Sohn von Boris und Ida Jaffe, geborene Poschuminski, in Berlin zur Welt. Seine Eltern hatten entgegen der großen Bedenken der Familie Boschuminski gegen die Verbindung - Boris Jaffe war 19 Jahre älter als seine Frau und vom Judentum zum Christentum konvertiert - erst zwei Wochen vor seiner Geburt geheiratet. Alexander wurde nach dem Vater von Boris benannt. In der Familie nannte man ihn aber liebevoll "Sascha". Im Jahre 1933, Alexander war noch ein Kleinkind, verlor der Vater seine Arbeit als Filmreisender der amerikanischen Filmfirma Warner Brothers. Alexanders Kindheit war deshalb nur von Armut und Arbeitslosigkeit des Vaters geprägt. Seine Schwester Tamara kam am 22. Oktober 1932 zur Welt, das jüngste Geschwister Jakob 'Jascha' folgte schließlich am 4. Dezember 1934. Boris Jaffe sah als einzigen Ausweg aus seiner kritischen Situation die Emigration. In allerletzter Minute - der Überfall von Hitlers Wehmacht auf Polen hatte schon stattgefunden - fuhr er im Oktober 1939 mit einem amerikanischen Visum versehen nach Kopenhagen und schiffte sich dort in die USA ein. Alexander blieb mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in Berlin zurück, die Familie sollte ihm aber bei nächster Gelegenheit folgen. Obwohl die Vorbe-reitungen schon weit vorangetrieben waren, zerschlug sich diese Hoffnung jäh. Der Fortgang des Zweiten Weltkriegs verhinderte jede weiteren Emigrationspläne. Am 22. Juni 1941 wurden die Jaffes morgens um 5.30 Uhr von der SS verhaftet und aus der Wohnung geholt. Am 2. Juli 1941 wurden sie offiziell aus Deutschland in die Sowjetunion abge-schoben. Es begann eine endlose Odyssee durch ganz Europa. Die Familie landete schließlich in einem ukrainischen Ort mit dem Namen Berlotserkovka und 1942 in einer landwirtschaftlichen Kolchose in Akmolinsk/Kasachstan. Dort wurden Kartoffeln angebaut. Der Elfjährige und seine jüngeren Geschwister müssen unter der Situation sehr gelitten haben. Es gab weder genügend zu essen, noch ausreichend Kleidung. Die Winter waren ausgesprochen hart und es gab mangels festem Schuhwerk auch keine Möglichkeit, ausreichend Brennholz zu besorgen. Die mangelhafte Versorgung zollte schließlich ihren Tribut. Alexander und seine Mutter erlitten so starke Erfrierungen, dass man sie 1943 in die Dorfklinik brachte und ihnen die Füße abwärts der Knöchel amputierte. Seine Mutter überlebte die Operation nicht. Sie starb einige wenige Tage nach der Amputation. Alexander konnte nicht mehr aufstehen und erlebte die Beerdigung seiner Mutter deshalb nicht mit. Seiner Schwester Tamara, die ebenfalls Frostbeulen davongetragen hatte, amputierte man schließlich auch noch einige Zehen. Er und sie erholten sich zwar, Alexander konnte sich aber nur noch auf den Knien fortbewegen. Außerdem war sein Körper derart geschwächt, dass er im Frühjahr 1944 an einer Lungenentzündung starb. Sein kleiner Bruder Jakob 'Jascha' blieb sich selbst überlassen. Außerdem konnte er den Tod seiner Mutter und seines Bruders vermutlich nicht verwinden. Er starb kurze Zeit nach seinem Bruder Alexander aus nicht bekannten Gründen. Die Schwester Tamara überlebte aufgrund der Fürsorge einer Frau und zog später zu ihrem Vater in die USA.


Biografische Zusammenstellung

Biografie durch die Koordinierungsstelle Stolpersteine des Museums Tempelhof-Schöneberg auf die Website eingestellt.

Weitere Quellen

Foto; Felicity Barringer: Flight from sorrow, The Life and Death of Tamara Wall. Atheneum Publishing House 1983