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Benno Simon

Stolperstein für die Bewohner der Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.
Stolperstein zum Schicksal der Bewohner Solinger Str. 10. Fotorechte: OTFW.
VERLEGEORT
Solinger Straße 10

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
September 2003

GEBOREN
31.12.1882 in Labiau (Ostpreußen) / Polessk
DEPORTATION
am 26.02.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Benno Simon wurde am 13. Dezember 1882 im ostpreußischen Labiau (heute: Polessk / Russland) geboren. In der nordöstlich von Königsberg gelegenen Kleinstadt besuchte er die Volksschule, bevor er mit seinen Eltern und Geschwistern nach Berlin zog. Seine Schwester Gertrud wurde im August 1895 bereits in Berlin geboren.

Im Jahr 1911 heiratete er Lina Schwarz. Die gebürtige Berlinerin war ein halbes Jahr älter als er und ebenfalls jüdisch. Seit der Firmengründung 1912 war Benno Simon als kaufmännischer Betriebsleiter bei der Wäscheverleihanstalt und Groß-Dampfwäscherei „Apollo“ am Tempelhofer Ufer 17 angestellt. In dem Betrieb mit rund 200 Angestellten war er vor allem für die Abrechnungen mit dem Fahrpersonal und die Verwaltung des Lagers zuständig.

Mit seiner Frau hatte er zwei Söhne, von denen jeweils einer vor und nach dem Ersten Weltkrieg geboren wurde. Julius kam am 16. August 1912 zur Welt, Rolf Samuel am 2. Mai 1921. Die Familie wohnte im Prenzlauer Berg; bei der Geburt des ältesten Sohnes in der Raumerstraße 35, dann in der Prenzlauer Allee, für viele Jahre in der Hausnummer 49, etwa von 1932 bis 1934 in der Nummer 41. Von dort zog sie in eine 4-Zimmer-Wohnung in der Grellstraße 62. Kurze Zeit darauf, im Jahr 1935, wanderte der ältere Sohn Julius nach Argentinien aus. In Buenos Aires arbeitete er später als Chauffeur und nannte sich Julio. Der Kontakt zu ihm riss 1939 ab und Benno Simon erfuhr nie, dass Anfang der 1940er Jahre sein erstes Enkelkind geboren wurde.

Ende 1938 musste der jüdische Inhaber der „Apollo“-Wäscherei, Julius Moser, seinen Betrieb aufgrund der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ zwangsweise verlassen. Nach der vollständigen „Arisierung“ des Geschäfts im März 1939 wurde auch Benno Simon entlassen. Etwa zur gleichen Zeit zog er mit seiner Frau und dem knapp 18-jährigen Rolf Samuel in die Solinger Straße 10 in eine Parterrewohnung im Hinterhof. Dort zogen auch seine beiden unverheirateten Schwestern Ella und Gertrud mit ein. Im Oktober desselben Jahres emigrierte Rolf Samuel nach Palästina. Er ließ sich in Kiyat Haim bei Haifa nieder und war dort als Hafenarbeiter tätig.

Benno Simon, der seit seiner Entlassung arbeitslos war, wurde zur Zwangsarbeit bei dem Eisenbahnbaubetrieb Adolf Saxen in der Lynarstraße 8 in Berlin-Grunewald verpflichtet. Auch seine Frau musste Zwangsarbeit leisten. Am 31. August 1942 wurden seine Schwestern Ella und Gertrud mit dem (häufig auf den 5. September datierten) „19. Osttransport“ nach Riga deportiert und kurz nach ihrer Ankunft ermordet.

Zusammen mit seiner Frau wurde Benno Simon am 26. Februar 1943 mit dem „30. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Sein Todesdatum ist nicht bekannt.


Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

Humboldt-Universität zu Berlin/Christoph Kreutzmüller, Datenbank Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930–1945;
www.statistik-des-holocaust.de