Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Elise Auguste Halberstädter (geb. Ostermann)

Stolperstein Elise Auguste Halberstädterl © H,-J. Hupka, 2014
VERLEGEORT
Nassauische Str. 9-10

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
20.05.2014

GEBOREN
20.08.1872 in Berlin
FLUCHT
1938 Flucht in die Niederlande
INTERNIERT
in Westerbork
DEPORTATION
am 20.04.1943 von Westerbork nach Sobibór
ERMORDET
23.04.1943 in Sobibór

Elise Auguste Halberstädter, geborene Ostermann, ist am am 20. August 1872 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Jakob Ostermann und seine Frau Babette geborene Halberstadt. 1876 war im Berliner Adressbuch erstmals zu lesen, dass Jakob Ostermann gemeinsam mit den Kaufleuten L.W. und F. Halberstadt und Reinhold Moritz Inhaber der Firma Sussmann und Wiesenthal war, einer Fabrik für Wollene Stoffe, Shawls und Tücher in der Auguststraße 69. Vielleicht war der Mit-Inhaber L.W. Halberstadt sein Schwiegervater, Elises Großvater, denn ab 1891 gab es nur noch die Inhaber Ostermann und Moritz, ab 1894 nur noch Jakob Ostermann. Da hatte die Fabrik schon ihre Produktpalette etwas erweitert - von der Fabrikation von Plüschen, wollen(er) Konfekt(ion), Stoffen, Shawls und Tüchern war nun die Rede. Also ging es mit der Firma gut voran.

Familie Ostermann wohnte seit 1882 in einem Neubau in der Kaiserin-Augusta-Str. 58. Es gab fünf Kinder: Neben Elise die Töchter Laura Wilhelmine (geboren am 13. April 1874) und Emma Anna (geboren am 8. Januar 1881) und die Söhne Carl und Wilhelm. Elises Schwester Laura Wilhelmine heiratete den Arzt und Sanitätsrat Dr. Löwenthal und lebte bis 1939 mit ihm in Magdeburg, Emma Anna war mit dem Ingenieur Simon Hoffmann verheiratet, der aus Wien stammte und mit dem sie in Berlin, Kassel und Wien und ab 1932 in Den Haag (Niederlande) lebte.

Elise heiratete - vermutlich vor 1896 - den Kaufmann Bruno Halberstädter (geboren am 3. September 1861). Auch er hatte Geschwister, die drei Brüder Ernst, Georg und Ludwig. Seine Eltern waren der Restaurator Hermann Halberstädter und seine Ehefrau Henriette geborene Prager, die in Beuthen (Schlesien) zu Hause waren, allerdings lebte bei der Hochzeit von Bruno Halberstädter und Elise Ostermann nur noch die Mutter. Der Vater, Hermann Halberstädter, war schon 1880 gestorben.

Das junge Paar lebte in Berlin zunächst in der Nürnberger Straße. Dort wurde ihnen am 29. Februar 1896 ein Sohn geboren, den sie nach dem Großvater Hermann nannten.

Dieser einzige Sohn von Elise und Bruno Halberstädter wurde später ein anerkannter Betriebswirtschaftler. Über ihn ist im Internet zu lesen: Dr Hermann Halberstaedter, born 1896, is listed under Economics in the Catalogue of the Archive of the Society for the Protection of Science and Learning, 1933-87; author of many books ... . Seit 1925 gab er an der Universität Köln Vorlesungen. Hermann Halberstädter war auf die mechanische Seite des kaufmännischen Rechnungswesens“ spezialisiert. Von ihm hießt es, es gebe nicht nur in Deutschland kaum jemanden, der sich damit so auskenne wie er . Es ging bei seiner Arbeit um erste Varianten elektronischer Rechner und er genoss allgemeine Anerkennung. Doch 1933 wurde der jüdische Deutsche entlassen. So ging er 1935 als ständiger Regierungsberater in Kolumbien nach Bogota und war dort ab 1941 selbständiger Unternehmensberater und Organisator und zugleich Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universidad de los Andes in Bogota.

Bruno Halberstädter trat 1902 in die schwiegerväterliche Firma ein, sein Name stand ab 1903 im Berliner Adressbuch bei der Firma Sussmann und Wiesenthal als Mitinhaber mit seinem Schwiegervater und seinem Schwager Carl Ostermann. Die Fabrik war inzwischen umgezogen in die Hagelbergerstraße 53/54 (Bezirk Kreuzberg) und sorgte dort für die Fabrikation wollener Konfektions- und Kleiderstoffe, Schals und Tücher, woraus ab 1913 wollene Kostümstoffe, Mäntelstoffe und Plaids wurden und bis nach 1930 blieben.

1910 bezog Familie Halberstädter eine neue Wohnung in der Nassauischen Straße 9-10 in Wilmersdorf. Nach dem Ersten Weltkrieg ging der Sohn zum Studium aus dem Haus. IAm 25. Mai 1926 starb Bruno Halberstädter. Elise blieb bis in die 1930er Jahre in der Nassauischen Straße wohnen. Zuletzt lebte sie in Berlin im Haus der Familie Ostermann, das ihr Vater im Jahr 1913 gekauft hatte (Karl-Schrader-Str. 6) und in dem inzwischen ihr Bruder Wilhelm wohnte, bevor er wie auch der andere Bruder nach England emigrierte. Elise ging nicht nach England, sondern am 9. August 1938 in die Niederlande, wo ihre Schwester Emma seit Jahren schon wohnte. Wenige Monate später kamen auch ihre Schwester Laura und deren Mann dorthin. Während es scheint, als sei Emma Hoffmann mit ihrer Familie bald in Richtung USA weiter gezogen und habe so überleben können , blieben Elise Halberstädter und die Löwenthals in den Niederlanden zurück. Dort wohnen sie gemeinsam ab Oktober 1940 in Ede (Provinz Gelderland), Telefoonweg 4. Alle drei wurden im April 1943 in das

Internierungslager Westerbork verschleppt und am 20. April (einen Monat vor den Löwenthals) wurde Elise Halberstädter in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie drei Tage später ermordet wurde.

1 http://gen.scatteredmind.co.uk/show...

2 Peter Mantel, Betriebswirtschaftslehre und Nationalsozialismus, S. 388

3 Umfassende Nachrichten gibt es nicht, aber einige Namen aus der Familie Hoffmann tauchen bei Schiffspassagen auf, so die der Töchter Ilse Gertraud (geboren 1916 in Kassel) und Charlotte Ida (geboren am 17. Mai 1918 in Kassel) von England in die USA, und in den USA heiratet die Tochter Greta Jakoba (geboren am 15. August 1920 in Kassel) den bekannten Musiklehrer Eduard Lowinsky, ebenfalls ein Emigrant. Von den Eltern Emma und Simon Hoffmann heißt es, sie seien über Cuba in die USA eingewandert. Die beiden Söhne sollen in England überlebt haben. Recherchen zur Familie hat dankenswerter Weise Renée Klish, New York, in den USA für uns aufgenommen.


Biografische Zusammenstellung

Waltraud Zachhuber (Magdeburg)