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Fritz Sternberg

Stolperstein für Fritz Sternberg © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Zolastr. 1

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
Mai 2006

GEBOREN
11.06.1895 in Königsberg / Kaliningrad
BERUF
Publizist, Wirtschaftswissenschaftler
FLUCHT
1933 Flucht in die Tschechoslowakei; 1939 in die USA
ÜBERLEBT

Fritz Sternberg wurde am 11. Juni 1895 in Breslau geboren. Schon während seiner Zeit am Gymnasium kam er in Berührung mit sozialistischen Ideen, begann bei einer örtlichen Zeitung zu publizieren und lernte durch die jüdische Jugendbewegung Martin Buber kennen.

Ab 1913 studierte er in Breslau und Berlin Nationalökonomie. Er war in zionistisch-sozialistischen Kreisen aktiv und entfernte sich zu Beginn des Ersten Weltkrieges von den Positionen der SPD. 1916 musste er selbst zum Kriegsdienst, in Polen kam er zum ersten Mal mit dem „Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund in Kontakt. Während der Novemberrevolution war er in Breslau als Mitglied des dortigen Soldatenrats aktiv, er gehörte zum Poale Zion, einem marxistisch-zionistischen Zirkel.

Nachdem er sich in Wien einige Zeit mit der Psychoanalyse beschäftigt hatte, ging er 1919 nach Frankfurt, wo er unter Franz Oppenheimer forschte und lehrte. Ab 1923 widmete er sich dann nur noch seiner Analyse des Imperialismus und entfernte sich immer mehr von zionistischen Ideen. Er zog zurück nach Breslau und intensivierte seine Kontakte zu Persönlichkeiten wie Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger sowie weiteren marxistischen Kreisen. 1926 erschien sein erstes Buch „Der Imperialismus“. In der Folgezeit hielt er Seminare für Gewerkschafter, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Außerdem nahm er an politischen Veranstaltungen wie dem Antiimperialistischen Kongress 1927 in Brüssel teil und reiste mehrmals in die UdSSR, was ihn weiter am Stalinismus zweifeln ließ. Ab dem 7. November 1931 war er Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) und nahm nicht nur sehr aktiv am Parteigeschehen teil, sondern kandidierte auch für den Preußischen Landtag. Er konzipierte die Parteiprogramme mit, denen er eine stark marxistische Prägung verlieh.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 und dem Reichstagsbrand im selben Jahr floh er über die Tschechoslowakei in die Schweiz nach Basel. Dort traf er auf Leo Trotzki. Nach seiner Ausweisung aus der Schweiz ging er 1936 nach Paris, wo er noch einige Zeit für die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands tätig war.

1939 emigrierte er in die USA, wo er 1948 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Auch dort bestritt er seinen Lebensunterhalt weiterhin mit Forschung, journalistischen Tätigkeiten sowie pädagogischer Arbeit bei Gewerkschaften.

1950 kam er zum ersten Mal nach Europa zurück, ab 1954 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt wieder gänzlich dorthin. Er führte seine Arbeit bis zu seinem Tod am 18. Oktober 1963 in München fort.

Fritz Sternberger hat bis dahin eine Vielzahl Publikationen zu sozialistischen Theorien veröffentlicht und gilt bis heute als einer der wichtigsten undogmatischen marxistischen Denker.


Griebing, Helga (Hrsg.): Fritz Sternberg – Für die Zukunft des Sozialismus. In: Schriftenreihe der Otto Brenner Stiftung Nr. 23, Frankfurt am Main 1981.

Biografische Zusammenstellung

Lea Herzig