Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Helene Blumenthal (geb. Oppenheim)

Stolperstein für Helene Blumenthal © OTFW
VERLEGEORT
Berliner Allee 81

BEZIRK/ORTSTEIL
Pankow – Weißensee
VERLEGEDATUM
25.04.2014

GEBOREN
23.06.1888 in Berlin
DEPORTATION
am 29.11.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Helene Oppenheim wurde am 23. Juni 1888 in Berlin geboren. Sie war die Tochter der aus Zehdenick stammenden Amalie Oppenheim, geborene Federmann und des Berliner Kaufmanns Max Oppenheim. Zum Zeitpunkt der Geburt von Helene wohnten ihre Eltern in der Großen Frankfurter Straße 12a (der heutigen Karl-Marx-Allee) nahe dem Frankfurter Tor in Berlin-Friedrichshain. Helene hatte drei jüngere Geschwister; 1891 und 1894 kamen in Berlin ihre Schwester Elizabeth und ihr Bruder Bruno Stefan zur Welt, 1908 wurde in Brandenburg an der Havel ihr jüngster Bruder Heinz Werner geborenen. Über die Kindheit und Jugend von Helene Oppenheim und ihren Geschwistern im Berlin der Kaiserzeit haben sich keine Quellen erhalten. Ihre Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur Jüdischen Gemeinde der Stadt.

Im Juni 1912 heiratete Helene den acht Jahre älteren Berliner Willy Meyer. Willy war Kaufmann und Inhaber des Unternehmens „W. Meyer & Comp.“ für Kurzwaren und Druckerzeugnisse. Aus dem Jahr 1914 hat sich ein Inserat der Firma im Morgenblatt der „Frankfurter Zeitung“ erhalten, mit der für größere Posten der in der Zeit beliebten illustrierten Postkarten mit Kriegsmotiven und Schlachtenkarten geworben wird. Helene Meyer zog nach der Hochzeit in die Wohnung ihres Mannes in der Stübbenstraße 3 in Schöneberg. Am 20. März 1915 kam das einzige Kind des Ehepaares, ihre Tochter Hildegard, zur Welt.

Im dritten Kriegsjahr starb Helenes Bruder Bruno Stefan im Alter von 23 Jahren. Es ist recht wahrscheinlich, dass er eingezogen worden ist oder sich freiwillig meldete und an einem der Kriegsschauplätze als Soldat gefallen ist, aber dafür haben sich keine Belege erhalten. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verlegte Willy Meyer sein Geschäft in die Kaiserallee 204, bevor die kleine Familie 1920 eine Wohnung in der dritten Etage der Freisinger Straße 13 in Schöneberg bezog und Willy Meyer im gleichen Haus auch seine Geschäftsräume einrichtete. Es haben sich leider keine weiteren Quellen erhalten, die einen tieferen Einblick in das Leben der Familie Meyer im Berlin der Weimarer Republik geben könnten. 1930 starb Helenes Vater Max Oppenheimer an seinem letzten Wohnsitz in Brandenburg an der Havel. Drei Jahre später heiratete Helenes Tochter Hildegard den Kaufmann Alfred Baer. Das Ehepaar bezog eine Wohnung in der Schöneberger Motzstraße 19.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen die Familien Meyer und Baer. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Ab 1933 war Willy Meyer auch als Geschäftsinhaber von den antisemitischen Kampagnen und Ausschreitungen betroffen, die ihren sichtbarsten Ausdruck in Boykotten sowie den Pogromen im Mai und November 1938 in Berlin erfuhren. Das Jahr 1938 war auch persönlich ein Schicksalsjahr für die Familie. In Berlin verstarb Willy Meyer. Die Umstände des Todes sind ungeklärt. Der damals 76-jährigen Mutter Amalie Oppenheim gelang mit Helenes Schwester Elizabeth und ihrem Bruder Heinz die Flucht ins Exil in die USA. Im Juli des Jahres 1938 kam Helenes Enkelin, Eva Marion Baer, zur Welt.
Helene Meyer lebte im ersten Kriegsjahr in der Wohnung in der Freisinger Straße, bis sie im November 1940 in zweiter Ehe den verwitweten Berliner Zahnarzt Dr. Erich Blumenthal heiratete. Im Jahr zuvor hatte sich dessen Ehefrau Johanna Blumenthal, geb. Oppenheim, eine Kusine von Helene, in Anbetracht der willkürlichen Gewalt das Leben genommen. Helene zog in die Wohnung von Erich Blumenthal in der Berliner Allee 230, wo dieser sich zuletzt eine Praxis eingerichtet hatte, nachdem ihm 1933 die Kassenzulassung und Anfang 1939 die Approbation als Zahnarzt entzogen worden war und er künftig als „Zahnbehandler“ nur noch jüdische Patient_innen auf eigene Kasse behandeln durfte. Helene unterstützte ihren Mann in der Praxis als Verwaltungshilfe. Mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ konnte sich das Ehepaar nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in Berlin bewegen.

Der vollständigen Entrechtung folgte die Deportation: Ende Oktober 1942 wurden Helene und Erich Blumenthal von Polizisten der Stapoleitstelle und der Kriminalpolizei in die Sammelstelle in der Große Hamburger Straße 26 gebracht, dem geräumten, ehemaligen Altersheim der Jüdischen Gemeinde. Unter der Kontrolle der Gestapo erfolgte hier die organisatorische Vorbereitung der Transporte sowie der Einzug der Vermögen. Am 29. November 1942 wurde die 54-jährige Helene Blumenthal zusammen mit ihrem Ehemann Erich mit dem „23. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort – vermutlich unmittelbar nach der Ankunft am 30. November – ermordet.

Von ihren Familienangehörigen überlebten Helenes Mutter, Amalie Oppenheimer, ihre Schwester Elizabeth und ihr Bruder Hans die NS-Verfolgung im Exil in den USA. Ebenso war der Tochter von Erich Blumenthal aus erster Ehe, Gerda Blumenthal, verheiratete Kochmann, mit ihrem Ehemann die Flucht in die USA geglückt. Helenes Tochter Hildegard Baer wurde mit ihrem Ehemann Alfred und der vierjährigen Enkelin von Helene, Eva Marion, am 19. Oktober 1942 aus Berlin nach Riga deportiert und dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Indra Hemmerling

Weitere Quellen

Deportationslisten. Reproduktion im National Archives and Records Administration, USA, Signatur A3355: Erich Blumenthal, 23. Osttransport (Lfd-Nr. 307); Helene Blumenthal, geb. Oppenheim, 23. Osttransport (Lfd-Nr. 308). Online unter: statistik-des-holocaust.de (aufgerufen am 22. Oktober 2018).
Geburtsurkunde von Erich Blumenthal (Nr. 3666, Berlin am 27. Dezember 1883) Landesarchiv Berlin. Faksimile online unter: ancestry.com (aufgerufen am 22. Oktober 2018).
Hochzeitsurkunde von Erich und Johanna Blumenthal. (Nr. 6, Berlin-Schöneberg am 4. Januar 1908) Landesarchiv Berlin. Faksimile online unter: ancestry.com (aufgerufen am 22. Oktober 2018).
Passagierliste der SS Normandie. List or Manifest of Alien Passengers for the United States of America. 23. März 1939. Faksimile online unter: ancestry.com (aufgerufen am 22. Oktober 2018).
Köhn, Michael: Vergessene Kollegen – Berufsverbot, Emigration und Verfolgung Berliner Zahnärzte nach 1933. Kurzfassung eines Vortrages auf dem Symposium des Arbeitskreises Geschichte der Zahnheilkunde (AKGZ) anlässlich des Deutschen Zahnärztetages 2012 in Frankfurt. Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift 1/2013, S. 186–188.
Anzeige der Firma W. Meyer & Comp. Erstes Morgenblatt der Frankfurter Zeitung, Nr. 270 / 1914, S. 4. Online unter: https://dynamic.faz.net/red/2014/ep... (aufgerufen am 22. Oktober 2018).