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Karl Althof

Karl Althof © OTFW
VERLEGEORT
Hermannstraße 123

BEZIRK/ORTSTEIL
Neukölln – Neukölln

GEBOREN
02.06.1880 in Flonheim
BERUF
Schlosser
DEPORTATION
am 19.10.1942 von Berlin nach Riga, Lettland
ERMORDET
22.10.1942 in Riga, Lettland

Karl Althof kam am 2. Juni 1880 in Flonheim in Rheinhessen als Sohn des Viehhändlers Abraham Althof und seiner Ehefrau Bertha, geb. Müller, auf die Welt. Flonheim war und ist noch immer ein kleiner Ort im Kreis Alzey. Zum Zeitpunkt seiner Geburt hatte die jüdische Gemeinde ungefähr 80 Mitglieder. Sie war nie groß gewesen und wurde in den folgenden Jahren noch kleiner, aber sie besaß eine Synagoge und einen Friedhof. Die Juden waren meist Pferde- und Viehhändler und Metzger – wie die meisten „Landjuden“ in Deutschland.
Die Familie Althof war groß. Einer der Verwandten war der 1893 in Flonheim geborene Viehhändler Jakob Althof, der nach Mainz gezogen war und ebenfalls mit seiner ganzen Familie deportiert und ermordet wurde.
Wann Karl Althof nach Berlin gekommen ist, bleibt unklar. Er heiratete am 1. Juni 1918 die 1881 geborene Dorothea Schnell, die aus Schlochau in Westpreußen (heute: Człuchów / Polen) stammte und in der Hermannstraße 123 ein Geschäft für Damenkonfektion besaß. Laut Heiratsurkunde war er Handlungsgehilfe, d.h. kaufmännischer Angestellter, und wohnte bereits in der Hermannstraße 123. Sein Vater war tot, seine Mutter wohnte noch immer in Flonheim. Die Eltern der Braut waren beide in Schlochau gestorben, ihr Vater war Fleischermeister gewesen.
1919 findet sich Karl Althof im Berliner Adressbuch als „Konfektionär“ in der Hermannstraße 123, später als Kaufmann. Nun war er als Ehemann der Haushaltsvorstand, Dorothea Althof-Schnell wurde als Ehefrau nicht mehr verzeichnet. Das Geschäft war im Erdgeschoss des Hauses, das Paar (später die Familie) wohnte in der 1. Etage. Am 7. November 1919 wurde der Sohn Arno geboren, am 26. April 1921 der Sohn Siegbert. Siegbert starb 1925 an der Infektionskrankheit Ruhr.
An das Schicksal der Familie während der NS-Diktatur, insbesondere an den Sohn Arno, erinnerte sich sehr viel später die Tochter der befreundeten Familie Heymann, Hildegard Stern. So wurden 1938 die Scheiben des Geschäfts eingeschlagen und Hetzparolen auf die Fenster geschrieben.
Karl Althof musste seit 1938 den zusätzlichen Zwangsvornamen Israel tragen und das Geschäft aufgeben. (Ein Blumengeschäft findet sich neu im Adressbuch.) Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste er als „Hilfsschlosser“ Zwangsarbeit leisten. Die letzte Wohnung der Familie war in Berlin-Mitte, in der Johannisstraße 8/Ecke Artilleriestraße (heute: Tucholskystraße). Der Besitzer lebte bereits in Palästina. Das Haus steht noch.
Am 19. Oktober 1942 wurde Karl Althof mit seiner Ehefrau und seinem Sohn (und über 950 anderen Bewohnern der Stadt Berlin) nach Riga in Lettland deportiert. Die Insassen des „21. Osttransports“ wurden nach drei Tagen Fahrt nicht mehr in das Ghetto von Riga gebracht, sondern – nach der Selektion von 80 Männern mit handwerklichen Berufen und einem Arzt – vom Bahnhof Skirotava in die nahen Wälder gebracht und sofort erschossen. Die selektierten Männer mussten Zwangsarbeit leisten, nur siebzehn überlebten.
Der 62-jährige Karl Althof wird am 22. Oktober 1942 wie auch seine Ehefrau ermordet worden sein. Sein Sohn könnte zu den Zwangsarbeitern gehört haben, aber auch er kehrte nicht zurück.


Biografische Zusammenstellung

Dietlinde Peters

Weitere Quellen

Dorothea Kolland/BA Neukölln (Hrsg.), „Zehn Brüder waren wir gewesen ...“, Spuren jüdischen Lebens in Neukölln, Neuausgabe, Berlin 2012
Zeitzeugenbericht Hildegard Stern, geb. Heymann
proNeubritz e.V./Karin Kuhrt
http://www.alemannia-judaica.de
Museum Neukölln