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Dorothea Althof (geb. Schnell)

Dorothea Althof © OTFW
VERLEGEORT
Hermannstraße 123

BEZIRK/ORTSTEIL
Neukölln – Neukölln
VERLEGEDATUM
07.08.2014

GEBOREN
27.07.1881 in Schlochau / Człuchów
DEPORTATION
am 19.10.1942 von Berlin nach Riga, Lettland
ERMORDET
22.10.1942 in Riga, Lettland

Dorothea Schnell wurde am 27. Juli 1881 im westpreußischen Schlochau (heute: Człuchów / Polen) als Tochter des jüdischen Fleischermeisters Samuel Schnell und seiner Ehefrau Bertha geboren. Schlochau, südwestlich von Danzig zwischen zwei Seen gelegen, hatte eine relativ große jüdische Gemeinde mit einer Synagoge und einem Friedhof.
Wie groß die Familie und die Zahl der Geschwister von Dorothea Schnell war, ist nicht bekannt. Wir wissen – da sie ebenfalls ermordet worden ist – von einer älteren Schwester: Emma Schnell, 1878 geboren, verheiratete Borchardt, war nach dem Tod ihres Ehemannes mit ihrer Tochter Ilse nach Stettin gezogen. 1940 wurde sie mit Tochter und Schwiegersohn nach Piaski deportiert und ermordet.
Wann Dorothea Schnell nach Berlin gekommen ist, ist schwer zu ermitteln. „Sichtbar“ wird sie als selbstständige berufstätige Frau: Sie besaß seit 1915 in der Hermannstraße 123 ein Geschäft für Damenkonfektion und verkaufte Kleider, Blusen und Röcke.
Am 1. Juni 1918 heiratete Dorothea Schnell den 1880 in Flonheim, einem kleinen Ort in Hessen, geborenen Handlungsgehilfen Karl Althof. Laut Heiratsurkunde wohnte er bereits in der Hermannstraße 123. Sein Vater war tot, seine Mutter wohnte noch immer in Flonheim. Die Eltern von Dorothea Schnell waren inzwischen beide in Schlochau gestorben. 1919 findet sich Ehemann Karl Althof im Berliner Adressbuch als „Konfektionär“ in der Hermannstraße 123, später als Kaufmann. Nun war er der eingetragene Haushaltsvorstand, Dorothea Althof-Schnell wurde als Ehefrau nicht mehr verzeichnet. Das Geschäft war im Erdgeschoss des Hauses, das Paar (später die Familie) wohnte in der 1. Etage. Dorothea Althof wird sicherlich weiterhin im Geschäft gearbeitet haben. Am 7. November 1919 wurde der Sohn Arno geboren, am 26. April 1921 der Sohn Siegbert. Siegbert Althof starb 1925 an der Infektionskrankheit Ruhr.
An das Schicksal der Familie, insbesondere des Sohnes Arno, während der NS-Diktatur erinnerte sich sehr viel später die Tochter der befreundeten Familie Heymann, Hildegard Stern: So wurden 1938 die Scheiben des Geschäfts eingeschlagen und mit den üblichen Hetzparolen beschmiert.
Dorothea Althof trug seit 1938 den zusätzlichen Zwangsvornamen Sara. Das Ehepaar musste das Geschäft aufgeben – ein Blumengeschäft findet sich im Adressbuch als neuer Laden im Haus Hermannstraße 123. Dorotheas Ehemann musste nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeit leisten. Die letzte Wohnung der Familie war in Berlin-Mitte, in der Johannisstraße 8/Ecke Artilleriestraße (heute: Tucholskystraße). Der Hausbesitzer lebte bereits in Palästina. (Das Gebäude gibt es noch, es steht unter Denkmalschutz.)
Am 19. Oktober 1942 wurde Dorothea Althof mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn Arno (und über 950 anderen Bewohnern der Stadt Berlin) nach Riga in Lettland deportiert. Die Insassen des „21. Osttransports“ wurden nach drei Tagen Fahrt nicht mehr in das Ghetto von Riga gebracht, sondern – nach der Selektion von 80 Männern mit handwerklichen Berufen und einem Arzt – vom Bahnhof Skirotava in die nahen Wälder gebracht und sofort erschossen. Die am Leben gelassenen 81 Männer mussten Zwangsarbeit leisten, nur siebzehn überlebten die schwere Arbeit.
Die 61-jährige Dorothea Althof wird am 22. Oktober 1942 wie auch ihr Ehemann ermordet worden sein. Der Sohn könnte zu den Zwangsarbeitern gehört haben, aber auch er kehrte nicht zurück.


Biografische Zusammenstellung

Dietlinde Peters

Weitere Quellen

Dorothea Kolland/BA Neukölln (Hrsg.), „Zehn Brüder waren wir gewesen ...“, Spuren jüdischen Lebens in Neukölln, Neuausgabe, Berlin 2012
Zeitzeugenbericht Hildegard Stern, geb. Heymann
proNeubritz e.V./Karin Kuhrt
http://www.alemannia-judaica.de
Museum Neukölln