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Jakob Intrator

Stolperstein Jakob Intrator © H.-J. Hupka, 2014
VERLEGEORT
Kurfürstendamm 185

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
24.03.2014

GEBOREN
21.11.1875 in Slinwinica (Galizien)
FLUCHT
1941 Portugal, 1942 Kuba, 1943 USA
TOT
14.04.1943 in New York

Die aus Galizien stammende Familie Intrator ist 1905 aufgrund der in ihrer Heimat herrschenden Pogromstimmung nach Berlin ausgewandert. Jakob Intrator war am 21. November 1875 in Slinwinica (Galizien) geboren worden, seine Cousine Rachel Intrator (genannt Rosa) am 25. Oktober 1875 in Dubiecko (Galizien). 1902 heirateten sie. Am 28. Mai 1905 kam in Mosciska (Polen) ihr erster Sohn, Alexander, zur Welt. Zu dritt wanderten sie nach Berlin aus. In Berlin wurde am 7. April 1910 der zweite Sohn Gerhard geboren.

Jakob – Berufsbezeichnung: Kaufmann – gründete mehrere erfolgreiche Geschäfte, darunter einen Eiergroßhandel, und kaufte in Berlin mehrere Häuser, darunter das Gebäude an der Wallstraße 16, in dem nach der Arisierung ca. eine Million der „Judensterne“ genannten diskriminierenden Kennzeichnungen für die mitteleuropäischen Juden angefertigt worden sind.

Die Familie wohnte lange Zeit in der Knesebeckstraße 42/43 und dann am Kurfürstendamm 185 (Einträge im Adressbuch von 1935 bis 1941). Der ältere Sohn, der Konzertviolonist Alexander Intrator, emigirierte nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten nach London. Der jüngere, Richter am Kammergericht Dr. Gerhard Intrator wurde am 7.4.1933 zur Aufgabe seines Richteramts gezwungen, weil er Jude war. Immerhin konnte er noch seinen Doktortitel mit einer Dissertation über “Inhalt, Zweck und Schicksal des gescheiterten Strafprozessentwurfs von 1908 unter besonderer Berücksichtigung der Strafgerichtsverfassung” erwerben. 1937 emigrierte er in die USA und setzte sich in den folgenden Jahren unermüdlich für die Auswanderung seiner Eltern ein.

Erst Ende September 1941, kurz bevor die massenhaften Deportationen begannen, konnten Jakob und Rosa Intrator mit dem letzten verschlossenen Zug aus Berlin nach Spanien ausreisen. 1942 erhielten sie in Portugal ein Visum für die Einreise nach Cuba, wo sie am 20. Februar 1942 landeten. Dort mussten sie über ein Jahr auf eine Einreisegenehmigung für die USA warten. Im April 1943 durften sie nach Florida, von wo aus sie nach New York weiterfuhren.

Nach eineinhalbjähriger Flucht endlich in New York eingetroffen, starb Jakob Intrator am Tag nach der Ankunft in einem Appartment am Central Park. Sohn Gerhard, der zur Begrüßung seiner Eltern einen freien Tag vom Militärdienst bekommen hatte, erlebte den Vater, als er im Sterben lag. 1946 kam auch Alexander in die USA.

Die engsten Familienangehörigen starben, anders als viele weitere Verwandte, die Opfer des Holocaust wurden, ebenfalls in den USA: Rosa 1951, Gerhard 1993 und Alexander 2004.


Das Leben und Schicksal der Familie Intrator ist in der Ausstellung „Geraubte Mitte“ in Berlin (2013/14) dargestellt worden. Begleitpublikation zur Ausstellung: Geraubte Mitte. Die Arisierung jüdischen Grundeigentums im Berliner Stadtkern 1933 – 1945. Edition Stadtmuseum Berlin | Kleiner Katalog. 80 Seiten, 3 €. Jakob und Rachel Intrators Enkelin Joanne, Tochter von Gerhard Intrator, hat ihre Bemühungen um Restitution des Hauses Wallstraße 16 aufgezeichnet und darüber in einem Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg im September 2013 berichtet. http://mediathek.rbb-online.de/rbb-...
Diese beiden Stolpersteine zum Gedenken an Jakob und Rachel Intrator wurden gesetzt, um das Schicksal der mehr als 300 am Kurfürstendamm lebenden und arbeitenden jüdischen Menschen symbolisch zu dokumentieren, die der Deportation und Ermordung durch Flucht entkommen sind.

Biografische Zusammenstellung

Helmut Lölhöffel auf der Basis von Aufzeichnungen von Dr. Joanne Intrator und

Informationen von Dr. Benedikt Goebel, Kurator der Ausstellung „Geraubte Mitte“.