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Paul Walter Klemann

Stolperstein für Paul Walter Klemann. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Passauer Str. 2

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
16.10.2014

GEBOREN
17.07.1895 in Katowice / Kattowitz (Schlesien)
BERUF
Klempner und Schlosser
DEPORTATION
am 19.10.1942 nach Riga
ERMORDET
22.10.1942 in Riga

Paul Walter Klemann kam am 17. Juli 1895 als Sohn des Klempnermeisters Moritz und seiner Ehefrau Philippine, geborene Altmann, in Kattowitz/Schlesien zur Welt. Paul Walter hatte noch fünf weitere Geschwister: Alma, Grete, Alfred Friedrich, genannt Fritz
(* 25.3.1893), Hans Robert und Günter Leo. Zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts gingen die Brüder nach Berlin. Paul Walter Klemann und alle seine Brüder nahmen als Frontsoldaten am ersten Weltkrieg teil, überstanden diesen aber glücklicherweise. Moritz Klemann spendete seiner Synagoge aus Dankbarkeit für die wohlbehaltene Rückkehr seiner vier Söhne aus dem Krieg eine neue Thorarolle. Paul Walter Klemann war wie sein Vater von Beruf Klempner und Schlosser und arbeitete in seiner Freizeit engagiert in einer zionistischen Organisation. Er wohnte mit seiner Frau Herta Hammer seit 1932 in der Weserstraße 214. Seine Frau hatte er in Breslau geheiratet; die Ehe blieb kinderlos und wurde später wieder geschieden. Herta emigrierte anschließend nach Uruguay. In zweiter Ehe war Paul Walter Klemann mit der 25 Jahre jüngeren Berlinerin Ursula Schmid verheiratet. Am 31. Dezember 1937 kam in Berlin die gemeinsame Tochter Dagmar Juliane zur Welt. Kurz vor Paul Walter Klemanns Deportation wurde das Ehepaar mit ihrer kleinen Tochter in die Passauer Straße 2 zwangsumgesiedelt.
Am 19. Oktober 1942 wurde er mit dem 21. Transport vom 19. Oktober 1942 aus der Passauer Straße 2 nach Riga deportiert. Seine Frau Ursula, die zu diesem Zeitpunkt erneut schwanger war, sowie die fünfjährige Tochter Dagmar standen ebenfalls auf der Deportationsliste des 21. Transports. Während Dagmars Adresse korrekt mit Passauer Straße 2 angegeben ist, ist bei Ursula die Konstanzer Straße 59 vermerkt. Auf der Liste wurden beide Namen aber wieder gestrichen. Möglicherweise war der Grund dafür die Schwangerschaft der erst 22jährigen jungen Frau. Jedenfalls blieben Mutter und Tochter vorerst in Berlin. Nach der Deportation von Paul Walter aber brachte Ursula Klemann ihre Tochter in das jüdische Auerbachsche Waisenhaus in der Schönhauser Allee 162, denn am 29. November 1942 wurde das kleine Mädchen von dort bzw. laut Deportationsliste aus der Passauer Straße 22 (sic!) mit dem 23. Transport nach Auschwitz deportiert, während ihre Mutter Ursula erst Anfang 1943 nach Auschwitz verfrachtet und dort am 1. Mai 1943 ermordet worden war. Man kann nur spekulieren, warum Ursula Klemann ihre kleine Tochter in ein Waisenhaus gebracht haben könnte. Vielleicht war der Grund ihre Schwangerschaft oder aber sie wollte selbst untertauchen und glaubte, dass ihre Tochter in einem Waisenhaus besser aufgehoben wäre. Dies erwies sich jedenfalls als ein Trugschluss. Das Kind wurde dennoch sofort abgeholt und mutmaßlich unmittelbar nach seinem Eintreffen in Auschwitz ermordet. Auch Paul Walter Klemann überlebte nicht lange. Er wurde am 22. Oktober 1942, nur wenige Tage nach seiner Ankunft in Riga, umgebracht.
Sein Bruder Alfred Friedrich Klemann, genannt Fritz, hatte Lotte Salomon geheiratet und zwei Söhne bekommen: Philipp Peter (* 3.12.1925) und Franz. Er lebte in der Schwäbischen Straße 6, später in der Huttenstraße 38 und starb vermutlich während eines Bombenangriffs auf Berlin im Jahre 1941. Seine Witwe emigrierte mit den beiden Söhnen nach Israel und heiratete dort den praktischen Arzt Dr. Ivan Isaac Schragenheim (* 10.5.1892 – + 3.12.1954), den sie bereits von Berlin her kannte.


ACHTUNG: STOLPERSTEIN WEGEN BAUARBEITEN TEMPORÄR ENTFERNT!

Biografische Zusammenstellung

Dr. Judith Hahn

Weitere Quellen

Fotos; Informationen der Patin; Geburtsurkunden; Deportationsliste