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Ruth Agnes Veit Simon

Stolperstein für Ruth Agnes Veit Simon © OTFW
VERLEGEORT
Hindenburgdamm 11

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Lichterfelde
VERLEGEDATUM
16.10.2014

GEBOREN
03.01.1914 in Berlin
DEPORTATION
am 07.07.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
26.07.1943 in Theresienstadt

Ruth Agnes Veit Simon, geboren am 3. Januar 1914, war die Tochter des jüdischen Rechtsanwalts und Notars Heinrich Veit Simon und von Irmgard Veit Simon, geb. Gabriel. Die Mutter war nicht jüdisch.
Der Nachname Veit geht auf eine Familientradition zurück, die ihren Ursprung im frühen 19. Jahrhundert hat. 1816 heiratete Hermann Simon Henriette Veit, eine Erbin des Bankhauses Gebrüder Veit. In der folgenden Generation gaben manche ihren männlichen Nachkommen ebenfalls den Namen Veit, wieder später erhielten ihn zum Teil auch die weiblichen Nachkommen. Es heißt, Hermann Simons Enkelsohn Herman Veit Simon habe damals beantragt, beide Namen als Familiennamen mit einem Bindestrich offiziell anerkennen zu lassen, das sei ihm verweigert worden. Ob offiziell anerkannt oder nicht - die Familie war als die Veit Simons bekannt. Heinrich und Irmgard Veit Simon, die Eltern von Ruth, gaben den Doppelnamen jedenfalls an alle sechs Kinder weiter.

Die Familie wohnte in Berlin Lichterfelde, Hindenburgdamm 11. Ruth hatte fünf Geschwister: Harro Herman (*1911), Ulla Phillipine (*1915), Rolf Gabriel (*1916), Etta Ottilie (*1918) und Judith Leonore (*1925).

Ruth Agnes Veit Simon besuchte die Studienanstalt der Auguste-Viktoria-Schule, aus der das heutige Fichtenberg-Gymnasium hervorging. Sie war dort 5½ Jahre bis zu ihrem Abitur am 26. Februar 1932. Ein Jahr zuvor war sie nicht in die Oberprima versetzt worden, hatte die Schule für ein halbes Jahr verlassen und - eine damals übliche Praxis - den Stoff der Unter- wie der halben Oberprima privat erarbeitet, um eine Prüfung zur Wiederaufnahme in die alte Klasse an derselben Schule ablegen zu können. Im Konferenzbuch lautet das Protokoll der Klassenkonferenz vom 30. Oktober 1931: Die Lehrkräfte der OIb StA beschließen, die frühere "Schülerin Ruth Simon wieder aufzunehmen aufgrund der schriftl. u. mündl. Prüfüngsergebnisse, u. weil zu erwarten ist, daß die Genannte bei ihrer guten Veranlagung die Reifeprüfung zu Ostern 1932 bestehen wird. Neumann."

Ruth Agnes hatte künstlerisches Talent. Dafür spricht, dass sie Mitte der 1930er Jahre Illustratorin mindestens eines Kinderbuches wurde (Die bunte Schüssel - Ein jüdisches Kinderbuch zum Lesen und Malen, herausgegeben von Erwin Löwe, Berlin 1936). Sie hat wohl nach dem Verlassen der Schule an der privaten, gleichsam aber renommierten Reimann-Schule für Kunst bzw. Kunstgewerbe weiter studiert.

Nach den Rasse-Definitionen der Nationalsozialisten war Ruth "Geltungsjüdin". Ihr Vater Heinrich Veit Simon konnte als Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges noch bis zum allgemeinen Berufsverbot für Juden 1938 als Anwalt arbeiten. Danach durfte er sich nur noch Konsulent nennen und nur noch Nichtarier vertreten. Da er keiner "privilegierten" Mischehe angehörte - seine Kinder waren jüdisch erzogen worden -, musste er ebenso wie seine Kinder den Stern tragen. Ruth und ihre Schwester Etta leisteten Zwangsarbeit bei Zeiss-Ikon in Zehlendorf.

Ein Fluchtversuch von Ruth und Etta mit falschen Papieren war gescheitert, woraufhin die jugnen Frauen und ihr Vater verhaftet wurden. Heinrich Veit Simon starb am 18. Mai 1942, nach den Erinnerungen des Gefängnispfarrers Harald Poelchau in Polizeigewahrsam.
Am 7. Juli 1942 wurde Ruth Agnes mit ihrer Schwester Etta Ottilie über das Sammellager Große Hamburger Straße 26 nach Theresienstadt deportiert.
Ihre Großmutter Hedwig und ihre Tanten Eva und Katharina Simon, die bereits seit 1939 ebenfalls am Hindenburgdamm 11 im Haushalt von Ruths Eltern wohnten, wurden im Oktober 1942 nach Thereseienstadt deportiert. Zuvor lebte die Großmutter Hedwig in der Gelfertstr. 47, wohin auch ihre Töchter Katharina und Eva gingen, nachdem sie 1938 aus ihrem Gutshof in Gransee vertrieben worden waren.

Die Geschwister Harro, Ulla und Judith konnten rechtzeitig emigrieren. Ihr Bruder Rolf wurde von den Niederlanden aus nach Auschwitz gebracht und dort ermordet. Ruths Mutter Irmgard blieb allein zurück.
Am 26. Juli 1943, starb Ruth Agnes Veit Simon in Theresienstadt. Sie war 29 Jahre alt. Ihre Schwester Etta überlebte als einzige der deportierten Familienangehörigen das Lager.


Ein früher verlegter Stein für Ruth Agnes Simon liegt vor ihrer Schule in der Rothenburgstraße. Der Stein im Hindenburgdamm wurde von den Angehörigen gewünscht.

Die Schwestern des Vaters Heinrich Veit Simon - Eva und Katharina Veit Simon - bauten in Gransee ein Obstgut auf und führten dieses Unternehmen selbst und erfolgreich.
Für sie wurden am 6. September 2017 Stolpersteine in Gransee am Tor zum Katharinenhof unter Anteilnahme der angereisten Familie verlegt. Der Katharinenhof wurde 1912/13 am Meseberger Weg in Gransee für Katharina Simon erbaut (Architekt: Alfred Breslauer).

Ergänzung von Sabine Davids

Biografische Zusammenstellung

Initiative Steglitz nach Recherchen der Fichtenberg-Oberschule und Informationen eines Neffen, Herrn John Veit-Wilson