Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Heinz Georg Wehlau

Heinz Georg Wehlau © OTFW
VERLEGEORT
Welserstr. 2

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
19.12.2014

GEBOREN
16.09.1922 in Berlin
BERUF
Auszubildender
ZWANGSARBEIT
Arbeiter
bei
Kunststofffabrik
DEPORTATION
am 03.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Georg Heinz Wehlau kam am 16. September 1922 als Sohn des Architekten, Regierungsbaumeisters und Fachlehrers Dipl.-Ing. Karl Ludwig Nathanson und dessen Ehefrau Margarete Nathanson, geborene Friedländer, in Berlin zur Welt. Sein Vater hatte am 1. September 1919 seinen Nachnamen von "Nathanson" in „Wehlau“ ändern lassen. Etwas mehr als ein Jahr nach Georgs Geburt wurde am 8. November 1923 seine Schwester Vera Charlotte ebenfalls in Berlin geboren. Die Wehlaus lebten in der Berchtesgadener Straße 35 und seit dem 6. September 1932 in der Neuen Bayreuther Straße 2 (heute: Welserstraße 2). Die 4 ½–Zimmerwohnung befand sich im Gartenhaus, Erdgeschoss. Georg Heinz war wie seine Mutter künstlerisch hoch begabt. Zu Beginn des Jahres 1939 besuchte er die Zeichenschule Hausdorf (vermutlich Kreis Walden-burg/Schlesien). Nebenbei erhielt er von seiner Mutter privaten Zeichenunterricht. Die Schule brach er jedoch aus Gründen, die wir nicht kennen, ab. Ab dem 1. April 1940 machte er bei der Jüdischen Gemeinde in der Greifswalder Straße 140-141 eine Tischlerausbildung. Die Ausbildungszeit sollte drei Jahre betragen. Außerdem plante sein Vater, ihn an einem Englischkursus der Jüdischen Gemeinde teilnehmen zu lassen. Seine Schwester Vera wurde seit April 1939 an der „Privaten Chemieschule Dr. Hermann Rom“ am Monbijouplatz 10, einer Schule für nichtarische Schüler, zur Laborantin ausgebildet. Ihr gelang es schließlich noch sehr spät, im September 1940, aus Deutschland nach Palästina auszuwandern. Georg Heinz hingegen blieb bei seinen Eltern und seinem Onkel Walter Friedländer, der mit im gemeinsamen Haushalt in der Neuen Bayreuther Straße 2 wohnte. Weshalb der 18jährige Deutschland nicht ebenfalls verließ, ist nicht bekannt. Ab Ende 1940 oder Anfang 1941 musste er als Kunststoffarbeiter Zwangsarbeit verrichten. Wir wissen allerdings nicht, bei welcher Firma er zwangsweise eingesetzt wurde. Es ist lediglich bekannt, dass der Lohn für die geleistete Arbeit 0,64 RM pro Stunde betrug.
Am 26. September 1942 holte man seine Eltern ab und transportierte sie mit dem 20. Osttransport in Richtung Osten. Sie wurden in Raasiku bei Reval ermordet. Und auch sein Onkel Walter Friedländer entging diesem Schicksal nicht. Man transportierte ihn am 29. November 1942 nach Auschwitz, wo er vermutlich unmittelbar nach seiner Ankunft umgebracht wurde. Der 20jährige Sohn und Neffe blieb allein in der Wohnung zurück, bis man auch ihn in der Wohnung der Familie Leiser in der Nürnberger Straße 55, wo er zuletzt lebte, verhaftete und mit dem 33. Transport vom 3. März 1943 nach Auschwitz verfrachtete. Auch von ihm kam kein einziges Lebenszeichen mehr.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Judith Hahn

Weitere Quellen

Foto, LABO; Volkszählungsdaten 1939; Deportationsliste