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Kurt Heilbronn

VERLEGEORT
Wiesenstraße 23

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Wedding

GEBOREN
07.07.1894 in Hohensalza / Inowrocław
BERUF
Kaufmann
VERHAFTET
im Juli 1943 in Lager Großbeeren
NACH MIßHANDLUNGEN GESTORBEN
28.09.1943 in Lager Großbeeren

Kurt Heilbronn wurde am 7.7.1894 als Sohn von Julius und Minna Heilbronn (Sohn der Perlentante Minna) in Hohensalza, Provinz Posen geboren.

Er war als Soldat im 1. Weltkrieg und kam krank und verletzt zu Fuß aus Rumänien zurück nach Berlin. Er wollte Medizin studieren, doch sein Onkel, der ein Bankhaus besaß, nahm ihn sein Bankhaus für eine Banklehre.

Kurt Heilbronn heiratete eine protestantische Frau, Katharina Müller und die Tochter Ruth kam zur Welt. 1939 wurde Ruth aus der Schule gewiesen vermutlich mit der Begründung, dass sie Halbjüdin war. Sie hatte schon ein Affidavit von Quäkern (Bürgschaft eines Bürgers des Aufnahmelandes für einen Einwanderer) für England, auch ihr Vater wurde von seinem besten Freund nach Südamerika eingeladen. Doch der Streik der Hafenarbeiter kam dazwischen und sie konnten nicht reisen. So waren ihre Pläne und Wünsche in eine bessere Zukunft auf einmal zunichte.

Ruth blieb in Berlin, auch weil sie ihre Mutter nicht allein lassen wollte.

Durch das Berufsverbot durfte Kurt Heilbronn nicht arbeiten, doch ein Freund besaß ein Taxibetrieb und ließ ihn nachts Taxi fahren.

Auch seine Frau musste arbeiten gehen, um die Familie „über Wasser zu halten“.

Im Juli 1943 kam die Gestapo und Kurt Heilbronn wurde verhaftet. Nach acht Wochen fiel durch den Postschlitz in der Haustür der Totenschein auf den Fußboden, mit dem Absender Lager Großbeeren.

Ruth ging nach Großbeeren, an der südlichen Stadtgrenze von Berlin.

In der Nähe des Gestapolagers wurde sie von einem Wachtmann angehalten:

Was machen Sie da?

Mein Vater ist hier gestorben.

Wissen Sie denn nicht, dass das hier das 53-Tage-Lager ist?

Tatsächlich starb Kurt am 53. Tag nach seiner Verhaftung. Sie schaffte es, durch das Knopfloch ihres Mantels das Massengrab, in Wahrheit eine Müllgrube, zu fotografieren.

Von einem andern Häftling erfuhr sie nach Kriegsende, dass ihr Vater grausam erschlagen wurde.

Auf der Internetseite der Gemeinde Großbeeren steht:

Auf dem Gelände eines ehemaligen Bahnarbeiter-Barackenlagers errichteten die Nazis in den Jahren 1942-1945 ein Arbeitserziehungs- und Gestapodurchgangslager, in dem fast 1.300 Häftlinge aus 25 Ländern ermordet worden. Heute erinnern drei Gedenkstätten (Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus, Gedenktafel im ehemaligen Lager und die Gedenkanlage an der hinteren Mauer auf dem Friedhof), an die furchtbaren Verbrechen, die dort in Großbeeren begangen wurden. Alljährlich im September findet an der Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus eine Gedenkveranstaltung statt.


Biografische Zusammenstellung

Hannelore Stippel, Stolperstein-Initiative Berlin Mitte