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Martin Wedell

Martin und Erna Wedell 1939 © Privatbesitz
VERLEGEORT
Großbeerenstraße 82

BEZIRK/ORTSTEIL
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
VERLEGEDATUM
15.10.2014

GEBOREN
30.07.1878 in Posen / Poznań
BERUF
Kaufmann
ZWANGSARBEIT
Arbeiter
bei
Osram Werk S, Helmholtzstraße 4-8, Berlin-Charlottenburg
DEPORTATION
am 02.03.1943 von Moabit nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Martin Wedell und seine vier Brüder wurden als Söhne des im Holzhandel tätigen Kaufmanns Nehemias Wedell und dessen Ehefrau Salomea, geborene Mamroth, in Posen (heute: Poznań / Polen) geboren. Als viertes Kind kam Martin Wedell am 30. Juli 1878 zur Welt.
Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebte die ganze Familie in Berlin, Vater Nehemias starb am 25. Juli 1897 in Berlin-Charlottenburg. Die Mutter lebte fortan mit dem ältesten Sohn Max in einer Wohnung und ging nach dessen Heirat im Jahr 1915 zwei Jahre später mit dem jungen Paar nach Oberhausen, wo der Sohn eine Stelle als Regierungsbaumeister angetreten hatte. Salomea Wedell verstarb in Oberhausen, noch bevor Max Wedell im Jahr 1927 nach Berlin zurückkehrte, der dann im folgenden Jahr mit nur 54 Jahren verstarb. Er hinterließ seiner nichtjüdischen Frau einen Sohn, der aufgrund seiner Herkunft aus dieser Mischehe geschützt war und die Verfolgung der Nationalsozialisten überlebte. Bis zu seinem Tod 1975 lebte er in Berlin.
Der zweitälteste Bruder Ludwig Wedell war wie der Vater im Holzhandel tätig. Er hatte 1901 die in Honolulu auf Hawaii geborene Alice Löwenberg geheiratet, mit der er eine gemeinsame Tochter hatte. Ludwig Wedell wurde am 19. Januar 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet. Seine Tochter Lieselotte konnte mit ihrem Mann in die USA gehen und hinterließ bei ihrem Tod 1993 in Cincinnati zwei Kinder.
Der drittälteste Bruder Siegfried ging bereits 1901 nach London, heiratete dort und hinterließ vier Kinder. Er überlebte den Zweiten Weltkrieg und starb 1951 im Alter von 73 Jahren.
Der jüngere Bruder Georg Wedell war als Kaufmann in Berlin-Charlottenburg tätig. Er heiratete 1912 Frau Margarete Glogauer. Ihr Sohn Hans Norbert ging nach England, heiratete und hinterließ bei seinem Tod 1956 zwei Kinder. Georg Wedell starb 1937 im Jüdischen Krankenhaus Iranische Straße in Berlin-Wedding. Seine Frau Margarete wurde am 25. Januar 1942 nach Riga deportiert und dort nur wenige Tage nach ihrem Schwager Ludwig Wedell ermordet.
Martin Wedell heiratete am 17. Juni 1908 in Berlin Erna Rosendorn. Das Paar lebte zu Beginn seiner Ehe in der Karlsruher Straße am Halensee in Berlin-Wilmersdorf. 1909, 1911 und 1914 kamen die Kinder Eleonore, Kurt und Edith zur Welt. Martin Wedell war als Kaufmann tätig und führte Mitte der 1920er Jahre ein Geschäft für Elektrotechnische Bedarfsartikel in der Neuenburger Straße in Kreuzberg. Anschließend eröffnete er in der Anhalter Straße ein Lampenschirmatelier. Ab 1938 verlegte er seine Geschäftsräume in die Großbeerenstraße 82, wo die Familie seit 1920 wohnte und betrieb eine Radiohandlung, wohl gemeinsam mit seinem Sohn Kurt, der schon seit 1934 unter dieser Adresse einen Radiohandel betrieb. Später hatte der Sohn auch noch Geschäftsräume für einen Radiogroßhandel in der Nähe am Tempelhofer Ufer gemietet.
Ende der 1930er Jahre gelang den Kindern von Martin und Erna Wedell die Emigration aus Deutschland. Die 1909 geborene Tochter Eleonore heirate 1939 in Northampton (England) Martin Eggert und hatte mit ihm drei Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte sie nach Deutschland zurück und verstarb im Jahr 2008 im bayrischen Waldnetzenburg.
Sohn Kurt, 1911 geboren, kam an 4. November 1939 in New York an. Von dort ging er nach Australien, wo er 1943 Gerda Sachs heiratete. Sie hatten zwei Kinder und mehrere Enkelkinder. 1979 starb Kurt Wedell in Sydney, elf Jahre später seine Frau Gerda.
Auch Edith Wedell ging über England nach Australien. Sie heiratete Joachim Gerber, mit dem sie ein Kind hatte.
Martin Wedell gelang die Flucht nicht mehr. Er wurde zusammen mit seiner Frau am 2. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Burkhard Hawemann

Weitere Quellen

Staatsbibliothek Berlin – Zeitungsarchiv, Ancestry