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Hedwig Pinkus (geb. Abraham)

Hedwig Pinkus © Stefan Pinkus
Hedwig Pinkus © Stefan Pinkus
Stolperstein für Hedwig Pinkus © OG
VERLEGEORT
Thomasiusstraße 20

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
24.06.2015

GEBOREN
01.02.1886 in Berlin
FLUCHT
1939 Holland
INHAFTIERT
ab 20.05.1943 bis zum 23.07.1943 im KZ-Sammellager Westerbork
DEPORTATION
am 20.05.1943 von Deurloostraat 76, Amsterdam in das KZ-Sammellager Westerbork
WEITERE DEPORTATION
am 20.07.1943 in das Vernichtungslager Sobibor
ERMORDET
23.07.1943 in Sobibor

Hedwig Pinkus war gebürtige Berlinerin. Sie kam 1886 als Tochter der Eheleute Abraham zur Welt. Hedwig heiratete 1912 den aus Pommern stammenden Kaufmann Gustav Pinkus, und die beiden gründeten eine Familie: 1914 kam ihr Sohn Joachim Henri Emanuel zur Welt. Im Jahr 1917 folge der zweite Sohn, Otto Julius. 1919 zog die junge Familie in die Thomasiusstraße 20.
Hedwigs Ehemann Gustav starb bereits 1924 im Alter von nur 43 Jahren im Virchow-Krankenhaus. Danach lebte die junge Witwe mit ihren beiden Söhnen alleine hier.
Sohn Joachim besuchte bis 1930 das Menzel-Gymnasium am Hansaufer – das heutige Gymnasium Tiergarten. Später, in den 1930er Jahren, machte Joachim Pinkus eine Ausbildung zum Kaufmann und arbeitete bei den „Hirsch Kupfer- und Messingwerken“.
Hedwigs jüngerer Sohn Otto ging auf das Luisengymansium, in der Moabiter Wilsnackerstraße, wo heute ein Spielplatz ist. Ab 1933 lernte Otto bei der „Alfred Höxter Getreide-Großhandlung“, bis dieser jüdische Betrieb durch die Behörden zur Auflösung gezwungen wurde.
Durch die neuen rassistischen Gesetzgebungen verlor auch Joachim Pinkus 1935 seine Arbeit. Er verließ daraufhin Deutschland noch im selben Jahr und gründete in Amsterdam eine neue Existenz.
Sein Bruder Otto floh nach den Pogromtagen Ende 1938 über Holland, England und Kanada nach Shanghai, wo er wie viele Juden in einem Ghetto interniert wurde.
Von nun an blieb die Mutter Hedwig Pinkus in der Thomasiusstraße alleine zurück. Ihr Sohn Joachim jedoch bemühte sich der Pogrome wegen mit großem Eifer um eine Einreisegenehmigung nach Holland für seine Mutter.
Schließlich ließ Hedwig Pinkus im März 1939 ihre gesamte Habe in der Thomasiusstraße zurück, um die formelle Abwicklung einer Auswanderung zu umgehen. Um auf dem schnellsten Weg außer Landes zu gelangen, floh sie nur mit Handgepäck in einem Flugzeug zu ihrem Sohn Joachim nach Amsterdam.
Dort arbeitete Joachim damals unter schwierigen Bedingungen als Vertreter eines Photo-Studios. Er heiratete im Juni 1942 die gebürtige Wilmersdorferin Karin-Yvonne Kirchbach. Auch Karin Kirchbach hatte Berlin 1936 als Jüdin verlassen müssen und arbeitete nun in Amsterdam als vier Sprachen beherrschende Direktions-Sekretärin – bis auch sie nach dem Einmarsch der Wehrmacht aufgrund von rassistischen Bestimmungen entlassen wurde.
Im Mai 1943 wurde Joachim Pinkus zusammen mit seiner Frau Karin und seiner Mutter Hedwig bei einer Razzia verhaftet und ins Sammellager Westerbork überführt. In diesem KZ-Sammellager waren all die Juden interniert, welche von den Nazis zur Deportation in Konzentrations- und Vernichtungslager bestimmt waren. Und so wurde auch Hedwig Pinkus nach zwei Monaten in Westerbork im Juli 1943 von dort in das Vernichtungslager Sobibor verbracht und dort direkt nach ihrer Ankunft ermordet.
Ihr Sohn Joachim und seine Frau Karin deportierte man im September 1943 in das KZ Bergen-Belsen, wo die beiden 4 Monate verbrachten – bis sie im Januar 1944 in das Konzentrationslager Theresienstadt überführt wurden.
Joachims Bruder Otto war zu dieser Zeit noch immer im Shanghaier Ghetto interniert, wo er die aus Wien stammende Susie Hesky kennenlernte und 1944 heiratete. Otto und Susie Pinkus verblieben in diesem Ghetto bis zum Kriegsende.
Joachim und Karin Pinkus wurden im Mai 1945 in Theresienstadt befreit. Sie verließen das Lager im Juni desselben Jahres und lebten fortan in den Niederlanden.
Otto und Susie Pinkus zogen 1948 von Shanghai nach Sydney in Australien, wo sie heute begraben liegen.


Biografische Zusammenstellung

Oliver Geiger