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Fritz Heinrich Wolff

Stolperstein für Fritz Heinrich Wolff © OTFW
Fritz Heinrich Wolff (Familienarchiv)
Credit: United States Holocaust Memorial Museum, Record Group 14.013M, " Reichssippenamt Volkszählung vom 17.05.1938 durchgeführt 1939." “Berlin, names Daniel, G. – Dienstad, Gertrud,” reel 30, page 1304.
Dresdener Strasse 97 (Photo credit: “Provenance, Friedrichshain-Kreuzberg Museum”.)
VERLEGEORT
Dresdener Straße 95

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
25.06.2015

GEBOREN
04.10.1891
BERUF
Ingenieur, Kaufmann
INHAFTIERT
ab 22.11.1938 bis zum 06.12.1938 in Sachsenhausen
DEPORTATION
am 01.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

“Wenn immer mir die Frage nach meiner Volkszugehörigkeit vorgelegt wird, kann ich mich nach wie vor nur (als) zu dem deutschen Volke zugehörig bezeichnen.”

31. Mai 1939 (Auszug aus einem Brief von Fritz Wolff an seinen Bruder Herbert in Palästina)

Fritz Wolff wurde am 4. Oktober 1891 als zweiter Sohn des Kommerzienrats Victor Wolff geboren. Victor Wolff besaß eines der größten und erfolgreichsten Pelz-Handelshäusern in Deutschland, die H. Wolff AG, mit Hauptsitz in der Krausenstraße 17/18 in Berlin-Mitte.

Fritz Wolff ergriff ein Ingenieursstudium. Er verabscheute den luxuriöse Lebensstil seiner Eltern und seines Bruders und schloss sich der Kommunistischen Partei an. Nach dem Reichstagsbrand 1933 gehörte er zur Gruppe der willkürlich Verhafteten und wurde drei Monate in „Schutzhaft“ im Strafgefängnis Spandau zusammen mit KPD- und SPD-Mitgliedern und Abgeordneten sowie prominenten Schriftstellern und Intellektuellen festgesetzt. Während seiner Haft verließ sein Bruder Herbert Berlin und flüchtete in das sichere Land Palästina, wohin seine Frau und die drei Kinder ihm wenige Monate später folgten.

Nach der Entlassung aus der Haft im Mai 1933 zogen Fritz und seine nichtjüdische Frau Charlotte Schwarz nach Hermsdorf, wo Charlotte in der Wohnung am Stolper Weg im Dezember 1933 an Krebs starb. Anfang 1934 zog Fritz nach Bernau-Eichwerder in die Scheffelstraße (Parzelle 450) und 1938 nach Zepernick in die Bachstraße 8.

Fritz blieb in Berlin um die Geschicke der Hauptstelle des Familienbetriebs in der Krausenstraße 17/18 zu überwachen. Inzwischen war das Gebäude an bekannte jüdische Textilhändler vermietet worden. Als die Victoria-Versicherung (1853 als Allgemeine Eisenbahn-Versicherungs-Gesellschaft gegründet), 1937 das Hypothek vorzeitig kündigte, wurde Fritz Wolff gezwungen, das Gebäude der Reichsbahn zu überlassen.

Im Folge der Reichs-Pogromnacht am 9./10. November 1938 (auch als „Kristallnacht“ bekannt) wurde Fritz erneut verhaftet und am 22. November in Sachsenhausen als Gefangener Nr. 13677, Kategorie: Jude, in „Schutzhaft“ genommen. Er wurde am 6. Dezember 1938 unter der Bedingung entlassen, dass er Deutschland verlässt. Sein Bruder verbürgte, dass er für Fritz ein Visum für das französische Protektorat Syrien beschaffen könne.

Statt auszuwandern zog Fritz Anfang 1939 in die Dresdener Straße 97. Ein Foto aus den frühen 20er Jahren zeigt das Haus so, wie Fritz es auch kannte, bevor es gegen Kriegsende zerstört wurde. Hier lebte Fritz in einer Wohngemeinschaft als die Volkszählung im Mai 1939 durchgeführt wurde. Zu den Unterlagen gehörte eine „Ergänzungskarte für Angaben über Abstammung und Vorbildung“, die für alle zur Haushalt gehörende Personen ausgefüllt werden musste. Alle Bewohner der Wohnung in der Dresdener Straße - auch Fritz Wolff - gaben an, vier jüdische Großeltern zu haben.

Bis heute wurde keinen Hinweis gefunden, wo Fritz Wolff als Zwangsarbeiter beschäftigt war. Er lebte in der Dresdener Straße 97 bis er im Rahmen der „Fabrikaktion“ am 27. Februar 1943 abgeholt, am 1. März nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde.

Fritz Wolff war stolz, ein Deutscher zu sein. Seine unbeirrbare Loyalität wurde mit Verfolgung und Mord vergolten.

Dieser Text wurde verfasst von:
Dina Gold (Großnichte Fritz Wolffs, Enkelin Herbert Wolffs, Tochter von Aviva Gold geb. Wolff und Urenkelin von Kommerzienrat Victor Wolff) Übersetzung: Mary Bianchi


Biografische Zusammenstellung

Dina Gold

Weitere Quellen

Dina Gold, Stolen Legacy: Nazi Theft and the Quest for Justice at Krausenstrasse 17/18, Berlin, Ankerwycke, 2015; www.stolenlegacy.com