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Georg Karger

Stolperstein Georg Karger © OTFW
VERLEGEORT
Thomasiusstraße 17

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
24.09.2015

GEBOREN
10.06.1886 in Schönlanke (Westpreußen) / Trzcianka
BERUF
Bankbeamter
ZWANGSARBEIT
Straßenfeger
bei
DEPORTATION
am 03.10.1942 von Thomasiusstraße 17 in das KZ Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 23.01.1943 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
ERMORDET
in Auschwitz

Georg Karger stammte aus dem westpreußischen Schönlanke (heute: Kuznica Czarnkowska / Polen) und hatte drei Geschwister. Er machte nach der Schule eine Lehre zum Getreidehändler und zog als junger Mann der Arbeit wegen nach Kassel. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs trat der inzwischen 28-Jährige ins Heer ein und wurde vor Verdun verwundet. Nach dem Krieg wechselt Georg Karger als Bankbeamter ins Finanzwesen und arbeitet später bis 1938 erfolgreich als Wertpapiermakler.
Im April 1931 zog er von Kassel nach Düsseldorf. Dort lernte er seine spätere Verlobte Elisabeth Kerz kennen. Elisabeth war keine Jüdin, fünf Jahre jünger als er und wohnte bei ihren Eltern.
Georg Karger und seine Verlobte fanden keine Möglichkeit mehr, ein gemeinsames Zuhause zu zu gründen. Dies und auch eine Heirat waren für das Liebespaar durch die nun wirksamen Nürnberger Rassengesetze verboten.
In der Reichspogromnacht 1938 fiel eine SA-Horde in Georgs Kargers Wohnung ein und verwüstete sein gesamtes Mobiliar – was übrigblieb, wurde aus dem Fenster geworfen. Nun praktisch vogelfrei, verließ Georg fluchtartig Düsseldorf und fand für kurze Zeit Unterkunft in Berlin bei seinem Schwager Richard Ehrlich, danach bei seinem Bruder Leo und dessen Frau Luise, die in der Landhausstraße 21 bei Familie Sally Leese zur Untermiete untergekommen waren. Bruder Leo starb im März 1940 an einer Herzattacke. Georg Karger fand danach in der Thomasiusstraße 17 sein letztes Zuhause. Er musste während dieser Zeit Zwangsarbeit als Straßenfeger leisten.
Am 3. Oktober 1942 wurde er mit dem „3. Großen Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Diese Deportation kam für Georg Karger nicht überraschend. Er war bereits zuvor von den Behörden gezwungen worden, einen sogenannten Heimeinkaufsvertrag abzuschließen; diese erzwungenen Verträge gaukelten Juden vor, in Theresienstadt lebenslang kostenfreie Unterbringung, Verpflegung und medizinische Versorgung zu erhalten.
Georg Karger überlebte 3 ½ Monate die desolaten Lebensumstände im Lager Theresienstadt, bis er am 23. Januar 1943, jetzt 66 Jahre alt, von dort in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet wurde.


Biografische Zusammenstellung

Volker Gebert & Oliver Geiger