Adolf Kahn

Verlegeort
Thomasiusstraße 17
Bezirk/Ortsteil
Moabit
Verlegedatum
24. September 2015
Geboren
23. September 1902 in Themar
Beruf
Fleischermeister
Verhaftet
10. November 1938 bis 30. November 1938 im KZ Buchenwald
Deportation
am 04. März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Ermordet
in Auschwitz

Der aus dem thüringischen Themar stammende Adolf Kahn lebte nur wenige Jahre in Berlin. Doch die Geschichte der Juden in Themar ist gut dokumentiert und die Familie Kahn war ein prominenter Teil dieser thüringschen Lokalgeschichte. Adolfs Mutter Hulda war wohl eines der ersten jüdischen Babys, die in Themar geboren wurden. Sie heiratete den Metzger Josef Kahn.<br />
<br />
Adolf Kahn kam 1902 als jüngstes und achtes Kind seiner Eltern zur Welt. Er hatte 4 Brüder und drei Schwestern. Die Kahns waren als Lebensmittelhändler bekannte Leute im kleinen Themar. Die Metzgerei lag am Marktplatz / Ecke Bahnhofstraße und war bei der jüdischen wie christlichen Bevölkerung beliebt. Gaststätten wie auch Warenhäuser orderten bei den Kahns. Der junge Adolf Kahn übernahm den Betrieb. Werbeanzeigen, die er in der örtlichen Zeitung aufgegeben hatte, geben uns einen Eindruck von seiner regen Geschäftstätigkeit:<br />
<br />
„Zu den Feiertagen<br />
empfehle: Prima ausgemästete Rindfleisch, Kalb- und Hammelfleisch<br />
in ganz hochfeinen Qualitäten<br />
A Kahn, Themar“<br />
<br />
„Zehn 14 Tage alte<br />
Küken mit Glucke<br />
verkauft<br />
Adolf Kahn.“<br />
<br />
1924, mit 22 Jahren, wurde Adolf Kahn Vater, jedoch heirateten er und die christliche Kindsmutter nicht. Seine Tochter überlebte den Krieg und verbrachte ihr weiteres Leben in Themar, jedoch trägt sie den Namen ihres Stiefvaters. Dass Adolf ihr leiblicher Vater war wurde in Themar nicht weiter bekannt. <br />
<br />
In den 1920er Jahren starben Adolf Kahns Eltern. Wenige Jahre später, nach vielen Jahrzehnten friedlichen Zusammenlebens zwischen Christen und Juden in Themar, begann auch dort die Vertreibung und Verfolgung der Juden. Die meisten Geschwister Adolfs zogen zunächst in größere Städte. Adolf Kahn blieb, er wurde 1938 im Reichspogrom zusammen mit zwei weiteren jüdischen Männern auf der Straße umzingelt und ins KZ Buchenwald verschleppt. Bis zu seiner Entlassung vergingen viele Wochen, er kam frühestens im Januar 1939 frei und verpasste so einige Chancen auf Emigration ins Ausland, wohin sich bereits einige Familienangehörigen retten konnten.<br />
<br />
Adolf Kahn kam nach Berlin, in die Thomasiusstraße 17, und lebte hier mit seiner späteren Ehefrau Rosa Kahn geb. Glass zusammen. Wir nehmen an, dass er durch den Thüringschen Warenhausdirektor Morris Weissmann nach Moabit gekommen war und über dieses Beziehungsgeflecht auch Rosa kennenlernte. Morris Weissmann, der die Verfolgung u.a. durch hilfsbereite Moabiter Nachbarn wie die Familie Zenk überleben konnte, war ein Onkel von Rosa Kahn und lebte mit seiner Frau in der Melanchthonstraße. Zuvor aber war er Warenhausdirektor in Hildburghausen, in dessen Landkreis auch Themar liegt. Morris Weissmann und Adolf Kahn müssen sich aus Thüringen, aus der jüdischen Gemeinde oder dem Geschäftsleben, bereits gekannt und dann vernetzt haben.<br />
<br />
Über die Ehejahre von Adolf Kahn und Rosa ist uns nicht viel bekannt. Rosa Kahn lebte bereits seit 1932 in der Thomasiusstraße 17. Sie und ihr Mann Adolf bewohnten eine 3 Zimmer-Wohnung zusammen mit Rosas Mutter Charlotte Glass. Rosa Kahn musste als Zwangsarbeiterin bei Osram in der Rotherstraße arbeiten. Über Adolf Kahns Tätigkeit in dieser schweren Zeit ist nichts bekannt.<br />
<br />
Am 01. März 1943 wurde Adolf Kahns Ehefrau ohne ihren Mann nach Auschwitz deportiert. Erst drei Tage später, am 04. März 1943, verschleppte man auch Adolf Kahn ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.<br />
Vermutlich dort endeten die Leben dieser Moabiter Nachbarn.

Der aus dem thüringischen Themar stammende Adolf Kahn lebte nur wenige Jahre in Berlin. Doch die Geschichte der Juden in Themar ist gut dokumentiert und die Familie Kahn war ein prominenter Teil dieser thüringschen Lokalgeschichte. Adolfs Mutter Hulda war wohl eines der ersten jüdischen Babys, die in Themar geboren wurden. Sie heiratete den Metzger Josef Kahn.

Adolf Kahn kam 1902 als jüngstes und achtes Kind seiner Eltern zur Welt. Er hatte 4 Brüder und drei Schwestern. Die Kahns waren als Lebensmittelhändler bekannte Leute im kleinen Themar. Die Metzgerei lag am Marktplatz / Ecke Bahnhofstraße und war bei der jüdischen wie christlichen Bevölkerung beliebt. Gaststätten wie auch Warenhäuser orderten bei den Kahns. Der junge Adolf Kahn übernahm den Betrieb. Werbeanzeigen, die er in der örtlichen Zeitung aufgegeben hatte, geben uns einen Eindruck von seiner regen Geschäftstätigkeit:

„Zu den Feiertagen
empfehle: Prima ausgemästete Rindfleisch, Kalb- und Hammelfleisch
in ganz hochfeinen Qualitäten
A Kahn, Themar“

„Zehn 14 Tage alte
Küken mit Glucke
verkauft
Adolf Kahn.“

1924, mit 22 Jahren, wurde Adolf Kahn Vater, jedoch heirateten er und die christliche Kindsmutter nicht. Seine Tochter überlebte den Krieg und verbrachte ihr weiteres Leben in Themar, jedoch trägt sie den Namen ihres Stiefvaters. Dass Adolf ihr leiblicher Vater war wurde in Themar nicht weiter bekannt.

In den 1920er Jahren starben Adolf Kahns Eltern. Wenige Jahre später, nach vielen Jahrzehnten friedlichen Zusammenlebens zwischen Christen und Juden in Themar, begann auch dort die Vertreibung und Verfolgung der Juden. Die meisten Geschwister Adolfs zogen zunächst in größere Städte. Adolf Kahn blieb, er wurde 1938 im Reichspogrom zusammen mit zwei weiteren jüdischen Männern auf der Straße umzingelt und ins KZ Buchenwald verschleppt. Bis zu seiner Entlassung vergingen viele Wochen, er kam frühestens im Januar 1939 frei und verpasste so einige Chancen auf Emigration ins Ausland, wohin sich bereits einige Familienangehörigen retten konnten.

Adolf Kahn kam nach Berlin, in die Thomasiusstraße 17, und lebte hier mit seiner späteren Ehefrau Rosa Kahn geb. Glass zusammen. Wir nehmen an, dass er durch den Thüringschen Warenhausdirektor Morris Weissmann nach Moabit gekommen war und über dieses Beziehungsgeflecht auch Rosa kennenlernte. Morris Weissmann, der die Verfolgung u.a. durch hilfsbereite Moabiter Nachbarn wie die Familie Zenk überleben konnte, war ein Onkel von Rosa Kahn und lebte mit seiner Frau in der Melanchthonstraße. Zuvor aber war er Warenhausdirektor in Hildburghausen, in dessen Landkreis auch Themar liegt. Morris Weissmann und Adolf Kahn müssen sich aus Thüringen, aus der jüdischen Gemeinde oder dem Geschäftsleben, bereits gekannt und dann vernetzt haben.

Über die Ehejahre von Adolf Kahn und Rosa ist uns nicht viel bekannt. Rosa Kahn lebte bereits seit 1932 in der Thomasiusstraße 17. Sie und ihr Mann Adolf bewohnten eine 3 Zimmer-Wohnung zusammen mit Rosas Mutter Charlotte Glass. Rosa Kahn musste als Zwangsarbeiterin bei Osram in der Rotherstraße arbeiten. Über Adolf Kahns Tätigkeit in dieser schweren Zeit ist nichts bekannt.

Am 01. März 1943 wurde Adolf Kahns Ehefrau ohne ihren Mann nach Auschwitz deportiert. Erst drei Tage später, am 04. März 1943, verschleppte man auch Adolf Kahn ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
Vermutlich dort endeten die Leben dieser Moabiter Nachbarn.