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Margot Aufrecht

Margots erster Schultag 1931 Foto: Privatbesitz Ruth Lismann
Stolperstein für Margot Aufrecht - Foto: Stolpersteingruppe Pankow
VERLEGEORT
Eichenstraße 16

BEZIRK/ORTSTEIL
Pankow – Niederschönhausen
VERLEGEDATUM
13.11.2015

GEBOREN
29.09.1925 in Berlin
DEPORTATION
am 14.11.1941 von Eichenstraße 16 nach Ghetto Minsk
WEITERE DEPORTATION
im Mai 1944 nach Gefängnis Groß Grönau
WEITERE DEPORTATION
im Januar 1945 nach Bergen-Belsen
ÜBERLEBT

Margot Aufrecht wurde am 29.09.1925 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren der Bäckermeister Hermann Aufrecht und Erna Aufrecht, geb. Goldstein. 1931 zog die Familie nach Niederschönhausen in die Eichenstraße 16; von dort aus besuchte Margot die 8. Volksschule Niederschönhausen in der Blankenburger Straße.

Als gegen ihren Vater, der seit 1931 nicht mehr in seinem ursprünglichen Beruf sondern als Vertreter für Arbeitskleidung bei einer jüdischen Firma arbeitete, von seinen Arbeitgebern Anzeige wegen Unterschlagung von Kundengeldern erstattet wurde, entzog sich dieser der drohenden Verhaftung durch die Flucht nach Jugoslawien. Margot blieb mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Herbert (Jg. 1929) in der Eichenstraße zurück. Erst 1938 kam ihr Vater nach Deutschland zurück und stellte sich freiwillig der Polizei in Niederschönhausen – ausgerechnet am 9. November 1938. Er kam in Untersuchungshaft nach Moabit; im Januar 1939 wurde er zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt, die er in Tegel absitzen musste. Danach wurde er nach Hause (Eichenstraße16) entlassen.

In der Zwischenzeit hatte Margot die Schule in der Blankenburger Straße verlassen müssen und besuchte seit 1937 die V. Jüdische Volksschule, die am Jüdischen Waisenhaus in der Berliner Straße in Pankow eingerichtet worden war. Ihr Bruder Herbert wurde dort sogar als Internatsschüler aufgenommen.

Am 14.11.1941 wurde Margot Aufrecht mit ihren Eltern und ihrem Bruder ins Ghetto von Minsk deportiert. Während Hermann und Erna Aufrecht dort schon am 28. Juli 1943 und Herbert Aufrecht bei der Auflösung des Ghettos am 15. September 1943 erschossen wurden, sollte Margot mit acht anderen jüdischen Häftlingen zur Zwangsarbeit bei Telefunken nach Berlin zurückgebracht werden. Aber die kriegsbedingten Zerstörungen in Berlin waren schon so weit fortgeschritten, dass sie zunächst in ein Gefängnis in Groß Grönau, zuletzt – im Januar 1945 – in die Hölle des Konzentrationslagers Bergen-Belsen gebracht wurde.

Hier wurde sie am 11. April 1945 von britischen Soldaten befreit. Einer von ihnen war Heinz Nadel, Margots Lehrer im Jüdischen Waisenhaus Pankow, der 1939 nach England geflüchtet und nun als Harry Harrison nach Deutschland zurückgekommen war. Nach monatelanger Pflege im Krankenhaus und auf dem Landgut eines ehemaligen Hauptmanns der deutschen Wehrmacht, der zu den Wachmannschaften in Minsk gehört hatte, bekam Margot Aufrecht eine Stelle als Haushaltsgehilfin bei der Schwägerin des britischen Feldmarschalls Montgomery.

1946 machte Margot eine Ausbildung zur Krankenpflegerin in Hamburg. Am 5. Februar 1948 wanderte sie nach Australien aus. In Melbourne heiratete sie Lewis Greenberg; 1951 und 1952 wurden die Kinder Ruth und David geboren. Aber die Schrecken des Geschehenen und Durchlittenen hatten schwere körperliche und psychische Störungen hinterlassen. Am 31.03.1988 starb Margot an einer zu spät erkannten Krebserkrankung.


Biografische Zusammenstellung

Stolpersteingruppe Pankow