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Sigfried Isak

Sigi, der erste von links © Familienarchiv
Sigi, der zweite von rechts © Familienarchiv
Rachela, die Frau von Sigfried Isak © Familienarchiv
Stolperstein Sigfried Isak © OTFW Berlin
VERLEGEORT
Schwedter Straße 22

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte

GEBOREN
05.07.1914 in Berlin
ABGESCHOBEN
am 28.10.1938 nach Zbąszyń/Bentschen ("Polenaktion")
DEPORTATION
im Februar 1944 in das KZ Plaszow
WEITERE DEPORTATION
im Oktober 1944 in das KZ Groß-Rosen
WEITERE DEPORTATION
im November 1944 in das Außenlager Langenbielau
ÜBERLEBT

Am 5. Juli 1914 wurde Sigfried Isak (genannt Sigi) in Berlin geboren. Er wohnte mit seinen Eltern und zwei Schwestern in der Schwedter Straße 22 in Berlin-Mitte.
In seiner Jugend spielte Sigi gerne Fußball im Verein und wollte ein berühmter Fußballer werden. Er war sowohl mit jüdischen als auch mit nichtjüdischen Jungen befreundet.
Er erzählte in seinem Interview aus dem Visual History Archive, dass er vor Hitlers Machtantritt in Deutschland keinen Antisemitismus erlebt habe. Sigi besuchte acht Jahre eine allgemeinbildende Schule. Danach ging er auf eine Wirtschaftsschule, die er nach Hitlers Machtantritts jedoch nicht mehr abschließen durfte. Auch der Traum einer Fußballkarriere war 1935 zu Ende. Sigi begann eine Ausbildung in einer jüdischen Druckerei.
Es war neu und zugleich bedrohlich, dass es der Staat selbst war, der den Antisemitismus zur offiziellen Politik erklärte. Daher wurde in jüdischen Kreisen immer mehr über eine mögliche Emigration gesprochen. In dieser Zeit wanderten die beiden Schwestern von Sigi aus: Ruth nach Palästina und Erna nach Rumänien. Das rettete ihnen das Leben. 1937 beschloss auch Sigi Isak zu emigrieren. Doch weder die britische noch die amerikanische Botschaft wollte ihm helfen.
Er erzählte im Interview, dass er gefragt wurde, ob er Verwandte in den USA habe: „I said, ‘No, but if I’m going to stay here they are going to kill me.’ So, I went to different embassies, but nobody wanted to help me. Nobody. They say they can not help me. And then they picked me up in October '38.“ („Ich habe gesagt: ‚Nein, aber wenn ich hierbleibe, werden sie mich umbringen.‘ Also ging ich zu verschiedenen Botschaften, aber niemand wollte mir helfen. Niemand. Sie sagten, dass sie mir nicht helfen können. Und dann haben sie mich im Oktober 38 geschnappt.“)
Am 28. Oktober 1938 wurde gegen Sigfried Isak ein Aufenthaltsverbot für das Reichsgebiet vom Polizei-Präsidium Berlin erlassen. Er erzählte, dass er um vier Uhr morgens von der Polizei abgeholt und an die polnische Grenze gebracht wurde. Die polnischen Grenzsoldaten wollten die ausgewiesenen Juden jedoch nicht reinlassen. So mussten sie zwei Tage und zwei Nächte im Niemandsland in der bitteren Kälte verbringen: „ …it was bitter cold. It was October. It was cold like hell.“ („... es war bitter kalt. Es war Oktober. Es war verdammt kalt.“) Schließlich wurde den Männern die Einreise nach Polen bewilligt, allerdings mussten sie in der Grenzstadt Zbąszyń bleiben. Sieben Monate später durfte Sigi Isak für sieben Tage nach Berlin zurückkehren. Er durfte einen kleinen Koffer mit Kleidung mitnehmen und sollte danach wieder nach Polen einreisen.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war Sigi Isak in Bochnia, weil dort die Schwester seines Vaters wohnte. Hitlers Truppen überfielen Polen im Herbst 1939 und errichteten 1941 in Bochnia ein Ghetto. Anfangs wohnten dort 10 000 Juden. Sigi Isak berichtete, dass er dort im Straßenbau und in einem Munitionswerk arbeitete.
Im Jahre 1943 heiratete Sigi Isak im Ghetto Bochnia seine Frau Rachela Strum.
Das erste Konzentrationslager, wohin Sigi Isak und seine Frau im Februar 1944 verschleppt wurden, war Plaszow bei Krakau. Dort befanden sich etwa 60-80 000 Juden, die zehn bis zwölf Stunden pro Tag arbeiten mussten. Sigi Isak erwähnte, dass er dort die Nummer 11 360 bekam, welche bis 1945 seinen Namen ersetzte. Eines Tages im Oktober 1944 mussten die Gefangenen die Baracken verlassen. Sigi Isak wurde ins KZ Groß-Rosen nach Deutschland geschickt. Dort blieb er vier oder fünf Wochen und musste Steine schleppen. Nach fünf Wochen, also im November 1944, mussten die Baracken wieder verlassen werden und Sigi Isak wurde ins KZ Langenbielau gebracht. Dort blieb er fünf Monate, zusammen mit Tausenden anderen Juden, deren Aufgabe es war, Schützengräben auszuheben.
Anfang Mai 1945 wurde das KZ Langenbielau durch die sowjetische Armee befreit. Die Russen stellten dann auch die Versorgung der gefangenen Juden sicher.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges brauchte Sigi Isak mehrere Monate, um wieder zu Kräften zu kommen. Er lebte in Krakau, in einem Zentrum, in dem sich die Juden versammelten, um nach Überlebenden zu suchen. Dort war eine jüdische Gemeinde sehr aktiv. Sigi Isak wollte seine Frau finden, er hoffte, dass sie Auschwitz überlebt hatte. Eines Tages traf Sigi Isak einen Bekannten, der ihm sagte, dass er seine Frau kurz zuvor gesehen hatte: „So he said, ‘I saw her yesterday. She is in such-and-such town.’ „… So I went there, found her, and then we went back to Germany. That was only place you could go in 45.“ („Er sagte also, ‚ich habe sie gestern gesehen. Sie ist in so-und-so Stadt.‘ Also ging ich dorthin, habe sie gefunden und wir sind nach Deutschland zurückgekehrt. 1945 konnte man nur dorthin.“)
Sigi arbeitete in München für den Joint, das „American Jewish Joint Distribution Committee“ (Gemeinsames Amerikanisch-Jüdisches Verteilungskomitee, JDC). Im Interview sagte er: „Because I heard about it. They have a ‘joint’ in Germany. They will help you. I mean, I worked for the ‘joint’ too after the war in Munich. I worked there in the office.“. (Weil ich davon gehört hatte. Die haben auch einen ‚Joint‘ in Deutschland. Die werden Dir helfen. Ich meine, ich habe auch nach dem Krieg für den ‚Joint‘ in München gearbeitet. Ich habe dort im Büro gearbeitet.)
Er arbeitete in dieser Organisation in München, bis er am 2. Januar 1951 mit der Hilfe der IRO (International Refugee Organization) in die USA emigrieren konnte. Sigi und Rachela Isak kamen nach San Francisco. Dort arbeitete Sigi in unterschiedlichen Berufen. Seine Frau Rachela arbeitete auch, bis sie ihr erstes Kind, die Tochter Gita, bekamen. Drei Jahre später kam die zweite Tochter, Karen, zur Welt.
1964 eröffnete Sigi Isak sein erstes eigenes Geschäft – Lakeside Liquor, einen Getränkeladen auf der Mission and 18th Street. 1981 verkaufte er sein Geschäft, als er in den Ruhestand ging.
Rachela Isak starb am 2. Dezember 2012, ihr Mann Sigi am 17. Februar 2013.


Biografische Zusammenstellung

Olga Meleshkevich und Anastasia Cherkasskaya
Im Rahmen des Projektes „Ausgewiesen!1938 aus Berlin deportierte polnische Jüdinnen und Juden. Eine Spurensuche.“
Dozentinnen: Prof. Dr. Gertrud Pickhan, Alina Bothe.