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Hedwig Cohn (geb. Singer)

Hedwig Cohn (rechts) mit Familie © Privatbesitz
Stolperstein Hedwig Cohn © Michael Rohrmann
Stolpersteine Hedwig und Leo Cohn © Michael Rohrmann
VERLEGEORT
Ritterstraße 56

BEZIRK/ORTSTEIL
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
VERLEGEDATUM
17.05.2018

GEBOREN
18.10.1876 in Berlin
DEPORTATION
am 13.01.1942 nach Riga
ERMORDET
Januar 1942 in Riga

Hedwig Singer wurde am 18. Oktober 1876 in Berlin geboren. Dort wuchs sie auf und ging zur Schule. Wie sie ihren späteren Mann, Leo Cohn, kennen lernte, ist nicht bekannt. Er arbeitete als Rechnungsführerhilfe 1893-1894 für die „L.A. Riedinger“, eine Maschinen- und Bronzewarenfabrik. Kurz darauf gründete er sein eigenes Exportagenturgesellschaft, in dem er Metall- und Bronzewaren verkaufte, z.B. Rasierklingen. Hedwig heiratete Leo Cohn und das Paar führte ein gutes, relativ wohlhabendes Leben. Hedwig gebar 1906 ihr erstes Kind, Heinz Cohn. Sie wohnte mit ihrer Familie in einer 5-Zimmer-Wohnung, hatte ein Dienstmädchen und machte regelmäßig Familienurlaube.
Am 18. Juli 1917 wurde ihr zweites Kind, Franz Emanuel Cohn, geboren.
Leo Cohn wurde im ersten Weltkrieg eingezogen und kam wegen einer Kopfverletzung ins Lazarett, überlebte den Krieg aber. Der gemeinsamer Sohn Heinz machte sein Abitur und ging daraufhin an die Friedrich-Wilhelm-Universität, um ein Lehramtsstudium zu beginnen. Am 20. Februar 1929 starb Franz Emanuel Cohn mit 17 Jahren an einer Mittelohrentzündung im Virchow-Krankenhaus in Berlin-Wedding. 1931 beendete Heinz Cohn schließlich seine Lehrerausbildung und begann im öffentlichen Dienst zu arbeiten.

Der wachsende Antisemitismus in Deutschland traf auch die Familie Cohn. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 ging es der Familie ökonomisch immer schlechter. Die sich stetig verschärfenden antijüdischen Gesetze schränkte das private, ökonomische und kulturelle Leben der jüdischen Menschen immer mehr ein und Hedwig Cohn und ihr Mann sahen sich gezwungen, mit ihrer Familie in eine kleinere Wohnung in die Ritterstraße, Herzstück eines lauten Geschäftsviertels in Kreuzberg, umzuziehen.

Heinz Cohn, der inzwischen gar nicht mehr bei seinen Eltern wohnte, wurde entlassen. Alle Juden in Deutschland mussten nach und nach alle ihre Wertgegenstände wie Radios oder Pelzmäntel an die Regierung abgegeben. So auch Familie Cohn.
Trotzdem schaffte Heinz Cohn es nochmal, einen Job als Assistent der Reichsvertretung zu bekommen und heiratete Käthe Else Isaack.
1937 wurden Hedwig und Leo Cohn Großeltern, denn ihr Sohn Heinz und seine Frau Käthe bekamen einen Sohn, Wolfgang (später Warren) Immanuel Cohn. Lange schon hatten Heinz und Käthe geplant, Deutschland zu verlassen und im Herbst 1941 gelang ihnen die Flucht. Sie fuhren mit der Fähre über Portugal in die USA, nach New Jersey und das kein bisschen zu früh, denn zwei Monate später wurde in Deutschland das Ausreiseverbot für Juden verhängt.
1942 wurden Hedwig und Leo Cohn, die in Deutschland geblieben waren, nach Riga in Lettland deportiert. Wir wissen kaum über die Umstände ihres Todes. In der Transportliste steht, dass Hedwig und Leo Cohn am 13. Januar 1942 über Berlin-Grunewald in einem Zug mit insgesamt 1034 Menschen nach Riga deportiert wurden.
Der Zug erreichte Riga drei Tage später. Hedwig und Leo Cohn gelten bis heute als verschollen. Die Vermutung ist, dass sie dasselbe Schicksal erlitten haben wie die vielen anderen Menschen, die nach Riga deportiert wurden, die direkt aus dem Zug heraus in einer Massenerschießung ermordet wurden.


Biografische Zusammenstellung

Klasse 8b und Olivia Girard, Schuljahr 2017/18 der Freien Waldorfschule Kreuzberg und Sophia Schmitz, Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin