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Henriette Stenschewski (geb. Brie)

Henriette Stenschewski mit Enkeln Rudi und Edith - Bild: Familienbesitz
Stolperstein Henriette Stenschewski © OTFW
VERLEGEORT
Falkenberger Str. 12

BEZIRK/ORTSTEIL
Pankow – Weißensee
VERLEGEDATUM
27.11.2018

GEBOREN
28.04.1862 in Rogasen / Rogoźno
DEPORTATION
am 03.10.1942 von Sammellager Gerlachstraße nach Theresienstadt
ERMORDET
08.11.1944 in Theresienstadt

Henriette Brie wurde am 28.04.1862 in Rogasen (heute Polen) geboren. Sie heiratete den zwölf Jahre älteren Lippman Stenschewski. Lippman war bereits zweimal verwitwet, Henriette war die Schwester seiner 1882 verstorbenen zweiten Ehefrau.

Lippmann Stenschewski war Viehhändler und Fleischermeister in Rogasen. Etwa im Jahr 1895 zog Lippman mit seiner Familie von Rogasen nach Strasburg, wo er 1912 im Alter von 62 Jahren starb.

Henriette und Lippman hatten sechs Söhne, die zwischen 1892 und 1900 geboren wurden: Willi, Alex, Gustav, die Zwillinge Aron und Josef, sowie Benno. Aron Adolf und Benno, der Jüngste, lebten bereits in den 1930ger Jahren in Berlin. Der zweitälteste Sohn Alex war Kaufmann und hatte in Lauenburg ein gutgehendes Herrenkonfektionsgeschäft. Bei der Familie von ihrem Sohn Alex wohnte Henriette schließlich, zunächst in der Stolperstraße 12.

1938 wurde das Geschäft von Alex Stenschewski in der Reichskristallnacht überfallen und geplündert. Durch die Schikanen der Nationalsozialisten zunehmend verarmt, musste die Wohnung in der Stolperstr. aufgegeben werden. Henriette zog mit Alex, ihrer Schwiegertochter Frieda und den Kindern Egon, Edith und Rudi, der im Dezember 1937 zur Welt kam, in die Stockturmstr. 2.

1939/1940 entschloss sich die jüdische Familie, Lauenburg zu verlassen. Im Frühjahr 1940 ging Henriette mit der Familie ihres Sohnes Alex nach Berlin zu ihrem anderen Sohn Aron Adolf. Dieser nahm mit seiner Familie in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Hohenschönhauser Str. 84 die Mutter und den Bruder mit seiner Familie auf. Zehn Menschen wohnten nun unter einem Dach.

Am 1. September 1942 verfügte die Gestapo Berlin die Einziehung des Vermögens der „Reichsfeindin Henriette S. Stenschewski, geborene Brie“. Am 27.September wurde der 80–Jährigen die 13-seitige „Vermögenserklärung“ vorgelegt. Dies war das klare Signal, dass die Deportation unmittelbar bevorstand. Henriette musste sich in das Sammellager in der Gerlachstr. 19 – 22 begeben. Am 30. September 1942 wurde Henriette Brie dort die Zustellungsurkunde für die Deportation „persönlich“ übergeben.
Am 3. Oktober 1942 wurde Henriette Brie mit dem 3.Großen Alterstransport nach Theresienstadt deportiert. Als ihr Todesdatum ist der 8.November 1944 angegeben.

Im März 1943 wurden Alex, Frieda und Edith nach Auschwitz deportiert und ermordet. Der kleine Rudi war von seinen Eltern in das Jüdische Krankenhaus gebracht worden. Er wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Die Familie ihres Sohnes Aron Adolf wurde im Mai 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Nur Henriettes Enkel Egon überlebte Auschwitz.

Die Großfamilie Stenschewski umfasste über 50 Menschen. Weitere Söhne sowie (Groß-)Neffen und (Groß-)Nichten von Henriette Stenschewski lebten ebenfalls in Berlin. Bis auf den Enkel Egon, der Auschwitz überlebte und den Neffen Arno, der 1936 nach Palästina emigrierte, wurden alle 1939 noch lebenden Familienmitglieder deportiert und ermordet.


Detaillierte Informationen zur Großfamilie Stenschewski können in den beigefügten Flyern nachgelesen werden. Stolpersteine für die Familie Isidor liegen in Berlin-Steglitz sowie für die Familie von Moritz in Cottbus. Ein Gedenkstein für Theodor befindet sich in Berlin-Spandau.
Die Recherche zur Biografie der Familie Stenschewski wurde mit Dokumenten aus Familienbesitz des Enkels von Alex Stenschewski vervollständigt

Biografische Zusammenstellung

Sabine Davids