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Nathan Graetz

VERLEGEORT
Westarpstr. 3

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
23.02.2019

GEBOREN
09.03.1870 in Landsberg an der Warthe / Gorzów Wielkopolski
BERUF
Juwelier und Kaufmann
DEPORTATION
am 20.11.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
08.05.1943 in Theresienstadt

Das Ehepaar Adolf Graetz (1833–1904) und Rosalie Graetz geb. Pergamenter (1836–1908) hatte sechs Kinder. Eines von ihnen war Nathan Graetz. Er wurde am 9. März 1870 in Landsberg an der Warthe, Polen, geboren. Seine Geschwister waren Dagobert, Gustav, Salomon (Sally) (1869–unbekannt), Richard (1873–1932), verheiratet mit Lucie Regina Gumpert (1883–unbekannt), und Hedwig (1875–1943).
In der Berliner Volks-Zeitung findet sich am 12. März 1903 eine Verlobungsanzeige für Nathan Graetz und Elsbeth Eger. Am 22. Mai 1903 heirateten die beiden in Berlin-Friedrichshain. Trauzeugen waren der Bruder des Bräutigams, Salomon Graetz, und der Vater der Braut, Hermann Eger.
Zum Zeitpunkt der Heirat wohnte Nathan Graetz bei seinen Eltern am Wittenbergplatz 3. In den nachfolgenden Jahren wohnten Nathan Graetz und seine Frau u.a. in der Kantstraße 148, Tauentzienstraße 15, ab 1916 dann für viele Jahre in der Giesebrechtstraße 13 im Erdgeschoss, bevor der letzte freigewählte Wohnsitz (1939) die Westarpstraße 3 wurde.
Das Paar hatte drei Kinder: Hans wurde am 7. März 1904 geboren, Alfred am 13. Februar 1906 und Rosy am 17. Oktober 1908.
Nathan Graetz war wie sein Bruder Salomon Juwelier und Kaufmann. 1909 gründeten beide die Firma „N.&S. Graetz, Juwelen (Schmuck und Edelmetalle)“, deren Sitz in der Passauer Straße 35 war, unweit der Buchhandlung „La Maison du Livre“ von Françoise Frenkel in der Passauer Straße 27 bzw. Passauer Straße 39 und unweit der Wohnung der Schriftstellerin Frida Baumgarten, die von 1916 bis ca. 1929 in der Passauer Straße 16 lebte. Die Firma wurde 1937 liquidiert.
Im August 1933 stellte der Sohn Alfred einen „Antrag zum Erwerb von ausländischen Zahlungsmitteln und Forderungen in ausländischer Währung in Höhe von RM 4.700.–“. Er wollte „zusammen mit seiner ihm bis dahin angetrauten Ehefrau Bella geb. Nussbaum“ nach Palästina auswandern, um sich dort als Juwelier und Goldschmied selbstständig zu machen.
Wann Alfred Graetz die am 1. Dezember 1907 in Mansbach (Hessen, Deutschland) geborene Bella Nussbaum heiratete, ist ungewiss. „Aus dieser Ehe ging nur ein einziges Kind, nämlich Gittel Graetz, geboren am 24.10.1939 in Berlin, hervor“, wie sich die Schwester Rosy erinnert. Bella Graetz verstarb am 8. November 1939 in Berlin und wurde auf dem Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.
Mit nur 32 Jahren verstarb am 19. April 1936 der ledige Sohn Hans Graetz in Berlin. Im Dezember 1937 heiratete die Tochter Rosy in erster Ehe den in Berlin geborenen Kaufmann Dr. Martin Meyer Levy (1901–1949). Das Ehepaar wohnte zusammen mit Nathan und Elsbeth Graetz im Mai 1939 in der Westarpstraße 3. Im August 1939 emigrierten Rosy und ihr Mann nach Großbritannien.
Zu welchem Zeitpunkt Nathan und Elsbeth Graetz in die Klopstockstraße 30 (vorne links) bei Lehrhaupt ziehen mussten, lässt sich nicht mehr ermitteln. Sie teilten sich die Unterkunft mit ihrem Sohn Alfred und ihrer Enkeltochter Gittel, die seit August 1942 ebenfalls dort untergebracht waren. In den am 11. November 1942 ausgefüllten Vermögenserklärungen von Nathan und Elsbeth Graetz werden unter „Wohnungsinventar und Kleidungsstücke (Anzahl und Wertangaben)“ keine Angaben gemacht.
Nathan und Elsbeth Graetz wurden am 20. November 1942 mit dem „75. Alterstransport“ von Berlin nach Theresienstadt deportiert.
Am 3. Februar 1943 wurde Alfred Graetz zusammen mit seiner drei Jahre und drei Monate alten Tochter Gittel nach Auschwitz deportiert. Über ihr weiteres Schicksal ist bisher nichts Näheres bekannt.
Nathan Graetz verstarb am 8. Mai 1943 und wurde drei Tage später im Krematorium von Theresienstadt eingeäschert. Elsbeth Graetz verstarb am 5. August 1943 um 14.20 Uhr im „Gebäude E. II. Krankenzimmer 47“ im Alter von 65 Jahren an Erschöpfung.


Biografische Zusammenstellung

Elke Beibler

Weitere Quellen

The European Library, International Tracing Service, Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten (Hanser Verlag, München).