Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Dr. Alexander Czempin

VERLEGEORT
Barbarossastr. 52

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
09.08.2019

GEBOREN
29.10.1861 in Berlin
FLUCHT IN DEN TOD
01.03.1943 in Berlin

Alexander Czempin kam am 29. Oktober 1861 in Berlin als Sohn von Heymann Czempin und dessen erster Ehefrau Rosalie, geb. Jareczka, zur Welt. Seine Geschwister waren Edmund (*1860), Helene Clara (*1865), Georg (*1870) und Martin (*1875). Seine Mutter Rosalie starb am 19. Dezember 1875 nach der Geburt von Martin. Sein Vater heiratete in zweiter Ehe Selma, geb. Heimann, die Tochter Rosalie wurde 1879 geboren.
Alexander Czempin studierte Medizin, er wurde unter C. Schroeder und A. Martin ausgebildet; 1884 wurde er promoviert, bis 1887 war er Assistent bei A. Martin und wirkte seitdem selbstständig als Frauenarzt und Chirurg, seit 1890 als Leiter eines eigenen Sanatoriums, das sich seit 1899 im eigenen Haus in der Königin-Auguste-Straße 12 (heute Reichpietschufer) befand. Er veröffentlichte und schrieb Artikel für Villaret´s Handwörterbuch.
1888 heiratete er die am 25. Dezember 1866 geborene Johanna Helene Elvira Heydemann. Vier Kinder kamen zur Welt: am 3. Februar 1890 Walter Gottfried Abraham, am 18. April 1891 Kurt Heinrich, am 6. Juni 1893 Irmgard Rosalie und am 14. Juli 1895 Beate, die jedoch nach zwei Tagen bereits verstarb.
1895 trat Alexander Czempin in die Johannesloge Victoria ein. 1913 ließ er sich von seiner Frau Johanna Helene Elvira scheiden. Im Ersten Weltkrieg leitete er als Oberstabsarzt ein Lazarett in Belgien. 1924 heiratete er in zweiter Ehe die am 18. Februar 1889 in Alexandria geborene Stefanie Kanders-Kuhl.
Alexander Czempins ältester Sohn Walter wanderte nach dem Ersten Weltkrieg nach Frankreich aus und blieb ledig.
Sein Sohn Kurt wurde Architekt und heiratete Irma Ottilie Emilie Philipp, die evangelisch war. Am 2. November 1921 kam ihr Sohn Robert und am 11. Mai 1923 Thomas auf die Welt. An den Folgen der letzten Geburt starb Irma Ottilie Emilie Czempin am 10. Januar 1924. Die Söhne wurden von 1932 bis etwa 1939 im Elisabethstift in Hermsdorf untergebracht, das Schulgeld zahlte der Großvater Alexander Czempin, der auch Vormund der Kinder war. Kurt Czempin beging am 7. Juni 1938 Suizid, möglicherweise weil ihm „Rassenschande“ vorgeworfen wurde.
Alexander Czempins Enkel Thomas zog nach Beendigung der Schule 1939 zu seiner Tante Irmgard. 1940 wurde er als Soldat eingezogen, kam nach Italien und nach dem Suizid seines Großvaters in ein Strafbataillon. Nach Kriegsende war er in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Livorno, von wo er 1946 entfloh.
Enkel Robert wollte nach der Schule Architekt werden und machte zunächst eine Maurerlehre, danach besuchte er für ein Semester die Baugewerbeschule. Er wurde als Soldat eingezogen, kämpfte unter Rommel bei El-Alamein und verlor durch eine Granate ein Bein. Nach der Entlassung aus der Wehrmacht nahm er sein Studium wieder auf und wohnte bei seinem Großvater Alexander Czempin.
Alexander Czempins Tochter Irmgard hatte zunächst Dr. med. Paul Roeder geheiratet, in zweiter Ehe dann Wilhelm Ernst Stadthagen, diese Ehe wurde 1932 geschieden. Irmgard Stadthagen beging am 18. Oktober 1941 Suizid. Sie wohnte zuletzt in der Wittelsbacher Straße 29.
Bis 1932 wohnte Alexander Czempin in der Königin-Auguste-Straße 12 (heute Reichpietschufer), wo sich auch die von ihm betriebene Klinik befand. 1933 zog er in die Hewaldstraße 10, 1935 in die Innsbrucker Straße 16 (diese Wohnung wurde ihm gekündigt), 1939 dann in die Barbarossastraße 52.
Am 30. September 1938 erlosch seine Approbation als Arzt. Alexander Czempin litt sehr unter dieser Maßnahme. Seine wirtschaftlichen Verhältnisse waren noch gut, auch wenn die Einnahmen aus seiner ärztlichen Tätigkeit immer weniger wurden. 1939 bis 1940 musste er eine Untermieterin aufnehmen, Alma Grossmann. Seine Wirtschafterin Frau Linke besorgte den Haushalt.
Alexander Czempins zweite Frau Stefanie (Etienne) konnte am 20. April 1940 in die USA emigrieren, weil sie in Ägypten geboren war und deswegen über die ägyptische Quote in die USA einreisen konnte. Alexander Czempin hingegen musste auf das Erreichen der deutschen Quote waren. Er wurde verhaftet, kam jedoch durch den Einsatz guter Freunde wieder frei.
Am 1. März 1943 nahm sich Alexander Czempin vor seiner bevorstehenden Deportation mit dem Schlafmittel Phanodorm das Leben. Er hinterließ einen Abschiedsbrief an seine Enkel. Beerdigt ist er auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee. (U!/8/110801)
Prof. Dr. Alexander Czempin hatte folgende Funktionen inne: Er war Vorsteher der Jüdischen Waisenhauskommission; er war Mitglied der Burschenschaft Normannia, deren Mitgliedschaft er 1936 verlor; er war Mitglied der Berliner Ärztekammer; er war Mitglied des Brüdervereins.
Sein Bruder Edmund heiratete Johanna von Geldern und starb 1903. Seine Schwester Helene Clara heiratete David Cohn.
Sein Bruder Georg, der im Kohlenhandel tätig war, heiratete 1912 Fanny Ordenstein, ihre Töchter waren Elisabeth (*1913), Marianne (*1914), Herta (*1918) und Margot (*1921). Dieser Teil der Familie emigrierte 1936/37 nach Palästina. In Haifa starb Georg Czempin im Jahr 1945, seine Witwe Fanny zog in die USA.
Sein Bruder Martin war gehörlos auf die Welt gekommen, er wurde Journalist und fuhr 1904 als deutscher Delegierter auf den internationalen Taubstummenkongress in New York. Er heiratete 1911 die ebenfalls taubstumme Johanna Gertrud Klepp und trat ihr zuliebe in die evangelische Kirche ein. Ihre Söhne Hans-Hubert (1912) und Wolfgang (1918) waren ebenfalls taubstumm. Wolfgang lernte den Beruf des Herrenschneiders. Die Familie wohnte in Rangsdorf bei Berlin, Kurparkallee 120. Martin, Hans-Hubert und Wolfgang engagierten sich für die Interessen der Taubstummen. Wolfgang Czempin war zeitweise Präsident des Deutschen Gehörlosen Bundes, er heiratete Charlotte Mayer, die 2007 starb, er selbst starb auch 2007. Sein Bruder Hans-Hubert starb 1995.
Die Halbschwester Rosalie heiratete 1901 Emil Frankenstein.


Biografische Zusammenstellung

eingestellt durch das MTS

Weitere Quellen

Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts; Berlin, Wien 1901, SP 365
www.zeno.org/nid/20008014043
www.ahnen-gentner.de/person02539.htm
www.signum-verlag.de/Btitel/pdf/978...
www.geni.com