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Gerhard Meyer

Stolperstein Gerhard Meyer © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
Stolpersteine Familie Lindenberger © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
Gerhard und Hanni Meyer © Sammlung Michael Kreutzer
Gerhard Meyer © Familienbesitz
Georgenkirchstraße 31 © Familienbesitz
VERLEGEORT
Otto-Braun-Straße 76

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
04.06.2019

GEBOREN
12.01.1919 in Berlin
BERUF
Schlosser
ZWANGSARBEIT
bei
Elmo-Werk der Siemens-Schuckert AG in Berlin-Spandau
INHAFTIERT
ab 22.05.1942 bis zum 18.08.1942 im Gefängnis Moabit
HINGERICHTET
18.08.1942 in Plötzensee

Gerhard Meyer wurde am 12. Januar 1919 in Berlin geboren. Sein Vater, Erich Isidor Meyer, war Kaufmann und besaß einen Laden für Herren-Maßkonfektion. Seine Mutter Selma war Hausfrau. Gerhard hatte einen neun Jahre älteren Bruder namens Herbert, und auch wenn der Altersunterschied groß war, war das Verhältnis innig und die beiden bewegten sich im selben Freundeskreis. Schon früh schloss sich Gerhard dem Ring-Bund Jüdischer Jugend an und lernte dort den sieben Jahre älteren Herbert Baum kennen, der dort in Leitungsfunktion tätig war.
1935 schloss Gerhard mit der Schule ab und begann eine Ausbildung als Schlosser in der Greifswalder Straße, die er aber als Jude nicht zu Ende führen durfte. Er bewegte sich im Freundeskreis Herbert und Marianne Baums, in dem junge jüdische Kommunisten in verschiedenen Konstellationen zusammenkamen und über die sich verschärfenden Verfolgungsmaßahmen diskutierten und austauschten. Wann Gerhard seine spätere Frau Hanni Lindenberger kennenlernte, ist nicht genau überliefert, aber auch sie war im Ring-Bund aktiv und bewegte sich im selben Freundeskreis, so dass es wahrscheinlich ist, dass die beiden sich schon in den 1930er Jahren kennenlernten.
Zu Beginn des Krieges fing die sich lose formierte Gruppe um Herbert Baum an, heimlich Flugblätter zu verteilen, in denen zum Widerstand aufgerufen wurde. Gleichzeitig wurden immer mehr Mitglieder zu Zwangsarbeit verpflichtet, Gerhard Meyer musste ab 1940 im Elmo-Werk der Siemens-Schuckert-Ag in Spandau in der sog. „Judenabteilung“ arbeiten. Ab Oktober 1941 fingen in Berlin die ersten Massendeportationen der jüdischen Bevölkerung an; dies muss auf die jungen Menschen das Gefühl der unmittelbaren, persönlichen Bedrohung um ein Vielfaches erhöht haben. In dieser Zeit wohnte Gerhard Meyer noch am Molkenmarkt 12.
Am 27. Januar 1942 heiratete Gerhard seine Freundin Hanni Lindenberger und zog in das Haus der Familie Lindenberger in der Georgenkirchstraße 31. Hanni lebte dort mit ihrer Mutter und ihrem Onkel allein, nachdem ihr Bruder ausgewandert war und ihr Vater und ihr Großvater im Vorjahr gestorben waren. Trauzeugen bei der Hochzeit waren Gerhards älterer Bruder Herbert Meyer und dessen Namensvetter Herbert Baum.
Am 18. Mai 1942 verübte die Gruppe um Herbert Baum einen Brandanschlag auf die antisowjetische Propaganda- Ausstellung „Das Sowjetparadies“ im Berliner Lustgarten. Gerhard Meyer nahm an der Aktion selbst teil, bei der mit wenig Erfolg in einem der Ausstellungsräume eine Brandbombe gezündet wurde, die außer einer starken Rauchentwicklung kaum Schaden anrichtete. Unmittelbar nach dem Anschlag fing eine engmaschig geführte Repressionswelle an. Einige aus der Herbert-Baum-Gruppe tauchten unter. Auch Gerhard und Hanni Meyer benutzten falsche Papiere und verließen das Haus in der Georgenkirchstraße. Sie mieteten sich ein Sommerhäuschen in Petershagen, doch wurde Gerhard schon am 22. Mai 1942 mit anderen zusammen verhaftet. Kurz darauf, am 3. Juni 1942 wurde auch Hanni Meyer verhaftet. Es wird angenommen, dass ein Informant in einer an der Aktion beteiligten, nicht-jüdischen Widerstandsgruppe Mitglieder der Herbert-Baum-Gruppe verriet, um seine eigene Familie zu retten. Am 16. Juli 1942 wurde Gerhard wegen Hochverrat der Prozess gemacht und das Todesurteil verhängt. Er wurde am 18. August 1942 in Plötzensee hingerichtet. Seine Frau Hanni erlitt im folgenden Jahr das gleiche Schicksal, auch sein Bruder Herbert wurde verhaftet und starb vermutlich an den Folgen von Folter noch in der Untersuchungshaft in Moabit.


Biografische Zusammenstellung

Sophia Schmitz, Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin