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Marlene Margot Czempin

Stolperstein Margot Czempin Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka
Stolperstein Margot Czempin Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka
Verlegung der Stolpersteine Familie Czempin Bild: Stolpersteine-Initiative CW
VERLEGEORT
Grolmannstr. 14

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
16.03.2018

GEBOREN
26.11.1921 in Berlin
FLUCHT
1937 Palästina
ÜBERLEBT

Marlene Czempin wurde am 26. November 1921 als jüngste der vier Töchter von Fanny und Georg Czempin in Berlin geboren. Von Geburt an wurde sie Marlene genannt bis sie nach der Emigration nach Palästina offiziell den Vornamen Margot annahm.

Als sie mit ihren Eltern 1937 nach Palästina floh, war sie 16 Jahre alt. Die Familie wohnte auf dem Berg Carmel, und Margot besuchte eine höhere Berufsschule für Büroangestellte. 1939 trat sie in ein spezielles Frauencorps der die britische Armeen ein (Auxiliary Territorial Services), wo sie Büroaufgaben übernahm. Im Rahmen ihres Dienstes wurde sie nach Ägypten entsandt. Als sie eines Abends mit ihren Freundinnen einen Nachtclub besuchte, tanzte sie mit Faruk, dem damaligen König von Ägypten (von 1936 bis 1952 der zehnte Herrscher von Ägypten). Es ist nicht genau bekannt, wie lange Margot in Diensten der britischen Armee stand. Jedenfalls qualifizierte sie sich zu höheren Sekretariatsaufgaben und perfektionierte ihre Englischkenntnisse.

Im September 1948 heiratete sie Sioma Slovin im Garten des Hauses, in dem sie mit ihrer verwitweten Mutter Fanny wohnte. Das junge Paar zog mit Fanny zusammen in ein anderes Haus ebenfalls auf dem Carmel. Im November 1949 wurde Tochter Ilana geboren. Die zweite Tochter, Talia, kam im Februar 1951 zur Welt.

Margot arbeitete über 30 Jahre – bis zu ihrem Tod 1973 – als Sekretärin und Büro-Leiterin für Hanes Simon in der Confidence Versicherungsgesellschaft. Die Tochter von Hanes Simon, Hava, war in Margots Alter und wurde zu ihrer besten und engsten Freundin. Im Laufe der Jahre wurden Hava und ihr Vater zu einem Teil der Familie Slovin.

Margot war eine sehr unabhängige Frau. Zeit ihres Lebens besaß sie ein eigenes Auto. Sie war Mitglied der Naturschutz-Gesellschaft und reiste gern. Ihre ganze Familie genoss die Ausflüge in die Natur, die Picknicks und das Pilze sammeln auf dem Carmel und in den Menashe-Wäldern.

Im Januar 1973 wurde Margot mit heftigen Bauchschmerzen ins Krankenhaus gebracht und operiert – Diagnose: inoperabler Krebs. Ihrem Mann Sioma sagte man, sie habe noch maximal drei Monate zu leben. Damals war es noch nicht üblich, tödlich erkrankten Menschen die Wahrheit über ihren Zustand zu sagen. Sioma entschied – mit Unterstützung von Margots älterer Schwester Elisabeth – Margot etwas über eine von Hunden auf sie übertragene Krankheit zu erzählen.

Im Juni 1973 verstarb Margot Czempin, die so gerne die Geburt ihrer ersten Enkeltochter erlebt hätte, im Rothschild-Krankenhaus in Haifa. Da sie ihren Körper der Wissenschaft übergeben hatte, wurde sie erst ein Jahr später bestattet. Die Familie pflanzte zu ihrem Andenken im Menashe-Wald, den Margot so liebte, einige Bäume.


Die Stolpersteine für die Familie Czempin wurden am 16.03.2018 verlegt und von den Nachkommen gespendet. Zwölf Familienmitglieder waren zur Verlegung aus Israel und der Schweiz angereist.

Biografische Zusammenstellung

Text: Gisela Morel-Tiemann auf der Basis von Angaben von Ruty Tauber, Hanna Levy Efron und weiterer Nachkommen.