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Leo Szydlo

Stolperstein für Leo Szydlo © OTFW
VERLEGEORT
Linienstr. 44

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
2002

GEBOREN
25.05.1921 in Berlin
INHAFTIERT
ab September 1941 bis 1942 in Sachsenhausen
DEPORTATION
im Jahre 1942 nach Auschwitz
ERMORDET
30.01.1943 in Auschwitz

Leo Szydlo wurde am 25. Mai 1921 in Berlin geboren. Er war das älteste Kind von Ester Jungermann und Jankel (Jakob) Szydlo, die beide aus Warschau stammten und als staatenlos galten. Sein Vater war Schuhmacher, seine Mutter, die Tochter eines orthodoxen Rabbiners, arbeitete ebenfalls im Geschäft des Vaters mit. Zwischen 1922 und 1931 wurden Leos sechs Geschwister geboren. Seine Eltern heirateten im September 1930 auf dem Berliner Standesamt VIII.

Mit seinen Eltern und Geschwistern wohnte Leo Szydlo in der Barnimstraße 32 in Friedrichshain und später in der Grenadierstraße 19 (heute Almstadtstraße) in Berlin-Mitte. Ganz in der Nähe, im damaligen Eckhaus Hirtenstraße 11a/Grenadierstraße 38–39 lebten seine Großeltern Menachem und Bluma Devorah Jungermann. Im April 1927 wurde Leo an der 9. Volksschule eingeschult, die sich in der Hirtenstraße 4 befand. Sein Schulweg, der am Wohnhaus seiner Großeltern vorbeiführte, dauerte nur wenige Minuten.

1930 starb sein Großvater an den Folgen eines Schlaganfalls. Im folgenden Jahr, als Leo etwa zehn Jahre alt war, starb auch sein Vater. Die Todesursache ist nicht bekannt. Seine Mutter betrieb in den folgenden Jahren einen Marktstand, um für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Nachdem sie ihn 1936 hatte aufgeben müssen, wurde sie von der Jüdischen Gemeinde unterstützt.

1935 beendete Leo die Schule nach acht Jahren. Auf seinem Abschlusszeugnis wurden ihm eine sehr gute Aufmerksamkeit, gutes Betragen und – außer in Deutsch – gute Leistungen bescheinigt. Es war damals bereits sehr schwer für jüdische Jugendliche, eine Lehrstelle zu bekommen und Leos Mutter versuchte vergeblich, ihm eine Lehre als Zimmermann zu ermöglichen. Er begann schließlich eine Ausbildung in der Schneiderei seines Onkels Israel Goldschal in der Lindower Straße im Wedding, doch nach einem halben Jahr wurde der Betrieb zwangsweise geschlossen. Leo arbeitete dann für kurze Zeit in einer Schokoladenfabrik.

Von der Wohnung in der Grenadierstraße zog er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in die Linienstraße 44 um. Seine Brüder Karl und Adolf lebten offenbar zeitweilig in Marburg in einem jüdischen Erziehungsheim bzw. bei Pflegeeltern. Seine Schwester Jetti war im Reichenheimschen Waisenhaus der jüdischen Gemeinde im Weinbergsweg untergebracht.

In der Linienstraße 44 wohnten auch Leos Onkel und Tante Israel und Jochewed Goldschal mit ihren Kindern Betti, Avrom und Rosa. Israel und Avrom Goldschal wurden nach Polen abgeschoben und beide ermordet. Leos Cousinen Rosa und Betti konnten 1938 und 1939 mit Kindertransporten nach Schottland gerettet werden. Jochewed Goldschal überlebte ab 1941 unter falscher Identität in Berlin und versteckt im Umland.

Ab Anfang 1939 musste Leo Szydlo Zwangsarbeit leisten. Im September 1941 wurde er ins KZ Sachsenhausen verschleppt und war vom 3. November bis 19. Dezember 1941 im dortigen Krankenbau registriert. 1942 wurde er nach Auschwitz deportiert und dort am 30. Januar 1943 ermordet. Seine Mutter und seine Geschwister Salomon, Harri, Paula und Karl wurden im August 1942 in Riga ermordet, sein Bruder Adolf im Juni 1942 in Maly Trostinec bei Minsk.

Von seinen sechs Geschwistern überlebte nur Jetti, die 1939 nach Dänemark fliehen konnte.


Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

• Ancestry.de
• Goldszal-Jungermann: A Family, http://virlib.brinkster.net/Betty_P...
• Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten / Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
• The Szydlo Family, http://virlib.brinkster.net/Betty_P...
• Tracing the Past e. V., https://www.mappingthelives.org