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Siegbert Georg Woythaler

Stolperstein Siegbert Georg Woythaler © OTFW
VERLEGEORT
Raumerstr. 22

BEZIRK/ORTSTEIL
Pankow – Prenzlauer Berg
VERLEGEDATUM
06.12.2019

GEBOREN
27.08.1926 in Allenstein (Ostpreußen) / Olsztyn
ZWANGSARBEIT
bei
Deutschen Bahn, Fahrleitungsmeisterei
DEPORTATION
am 17.05.1943 von Güterbahnhof Moabit nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Siegbert Georg wurde am 27. August 1926 in Allenstein (Ostpreußen) geboren. Er war der jüngere Sohn des Allensteiner Kaufmanns Max Woythaler und dessen Frau Elisabeth geb. Wittkowsky. Sein Bruder Heinz Josef wurde am 18. Juni 1924 geboren. Siegbert verbrachte seine frühe Kindheit in Allenstein bis vermutlich um 1937 die Familie nach Berlin zog, wo sich bereits einige Angehörige aufhielten.
Über seine Schulzeit wissen wir nur wenig. Anhand einer Kennkarte, die vermutlich die Reichsvereinigung der Juden in Berlin über den Schulbesuch von Siegbert ausgestellt hat, lässt sich ermitteln, dass er die V. Jüdische Volksschule bis zur 8. Klasse besuchte. Diese war seit 1936 aus dem ursprünglich dem Jüdischen Waisenhaus zugeordneten Internat hervorgegangen, zu dem auch externe Schüler zugelassen worden waren. Heim und Schule existierten bis Dezember 1940. Danach wurden sie mit dem Auerbachschen Waisenhaus in Prenzlauer Berg zum Berliner Jüdischen Waisenhaus Auerbach-Pankow zusammengelegt. In dieser Zeit zwischen 1937 bis 1940 lebte die Familie getrennt: Siegbert lebte im Internat, seine MutterElisabeth war im Jüdischen Altersheim in der Lietzmannstraße gemeldet, von seinem Bruder Heinz-Josef konnten keine Spuren über seinen Aufenthalt gefunden werden, sein Vater Max war von November bis Dezember 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert und lebte anschließend in Seelow.

Siegberts Eltern versuchten offenbar im Frühjahr 1941 ihren Sohn von Berlin wegzubringen, um ihn vor einer möglichen Deportation zu schützen. Ein Hinweis darauf ergibt sich aus der genannten Karte, wonach Siegbert ab dem 1.April 1941 eine Schule in Hamburg besuchen sollte. In Hamburg lebte zu dieser Zeit ein Onkel seiner Mutter, der Pianist und Klavierdozent Richard Wittkowsky mit seiner Familie, zumindest noch mit seinen 9 und 11jährigen Kindern Gerda und Heinz. Vielleicht versuchte man, ihn in dieser Familie in Sicherheit zu bringen. Allerdings erwies sich deren Situation aufgrund der Trennung der arischen Ehefrau und Mutter Emmi geb. Stein von Mann und Kindern ebenfalls als sehr schwierig. Durch die Scheidung ging schließlich Richard und den Kindern jeglicher Schutz vor der nationalsozialistischen Judenverfolgung verloren. Daher blieb Siegbert Georg in Berlin. Richard Wittkowsky und seine Kinder Gerda und Heinz wurden am 24.2.1943 nach Theresienstadt deportiert und dort getötet.

Siegbert lebte dann ab 1. April 1942 gemeinsam mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder Hein Josef in der Raumerstraße 22. Über sein weiteres Schicksal ließ sich erschließen, dass Siegbert Georg als Zwangsarbeiter bei der Deutschen Bahn in der Fahrleitungsmeisterei eingesetzt war.
Der Vermögenserklärung vom 10.5.1943 lässt sich entnehmen, dass auf Siegbert ein Grundschuldbrief auf ein Apothekengrundstück in Rastenburg ausgestellt war. Allerdings war bereits von vornherein die „Vormundschaft“ über diese Erbschaft von der Reichsvereinigung der Juden übernommen worden, so dass Siegbert keinerlei geldwerter Vorteil daraus erwuchs.

Zusammen mit seinen Eltern und seinem Bruder Heinz wurde Siegbert am 17.5.1943 aus dem Sammellager Hamburger Straße 26 heraus vom Bahnhof Putlitzstraße nach Auschwitz deportiert. Er überlebte zunächst die Selektion, die unmittelbar nach der Ankunft in Auschwitz am 19.5.1943 stattfand. Es gibt Hinweise, wonach der Siebzehnjährige zunächst in das sogenannte „SS Hygiene-Institut“ des Konzentrationslagers verbracht wurde. Es ist anzunehmen, dass an ihm dort medizinische Versuche vorgenommen wurden. Der 6. August 1943 ist das letzte über seinen Verbleib bekannte Datum.


In Berlin sind bereits für eine größere Anzahl von Angehörigen der Großfamilie Woythaler Stolpersteine verlegt worden. Informationen zu den entsprechenden Familienangehörigen, deren Verwandtschaftsgrad und den Verlegeort der Stolpersteine sind der beigefügten pdf-Datei zu entnehmen.

Biografische Zusammenstellung

Dr. Christiane Scheidemann, Stolpersteininitiative Steglitz