Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Georg Gross

Stolperstein für Georg Gross; Foto: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka, 2020
VERLEGEORT
Gervinusstraße 23

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
13.07.2019

GEBOREN
15.06.1881 in Görlitz
DEPORTATION
am 27.11.1941 nach Riga
ERMORDET
30.11.1941 in Riga-Rumbula

Georg Gross wurde am 15. Juni 1881 in Ostrowo (heute poln. Ostrów Wielkopolski in Polen) geboren. Er war der jüngste Sohn des Kaufmanns Bernhard Gross und dessen Frau Henriette, geb. Riess, die später nach Görlitz umzogen. Während seine älteren Geschwister Ludwig, (*18749, Laura (*1877) und Martin (1878–1904) Görlitz verließen, übernahm Georg zunächst wohl den väterlichen Betrieb, dem eine Destillation angeschlossen war.
Am 23. April 1911 heiratete er Cäcilie (Cilly) Woythaler, geboren am 16. Juli 1889 als jüngste Tochter des Allensteiner Kaufmanns Joseph Woythaler und dessen Frau Henriette, geb. Hoffmann. In Görlitz lebte das Ehepaar sicherlich in gutsituierten Verhältnissen. Die dortige Wohnadresse sowie die Tatsache, dass Georg Gross zusammen mit Martin Paul Rosenthal (Vater der Kinderbuchautorin Mirja Lobe) bis zu dessen Tod im Jahre 1927 Besitzer und Leiter der Rosenthal & Groß Destillation und Likörfabrik war, lassen darauf schließen.
Es ist anzunehmen, dass Georg Gross nach dem Tod seines Compagnos und dem Wegzug von dessen Familie die Firmenanteile veräußerte und Görlitz verließ, um sich in Berlin anzusiedeln.
Schon um 1920/1921 hatte sich David Woythaler, ein Bruder des Vaters von Cäcilie und namhafter Bromberger Tabakfabrikant, mit seiner (Schnupftabak-)Produktion nach Berlin orientiert und in Lankwitz eine neue Produktionsstätte aufgebaut. Seit dieser Zeit lebte auch der aus Bromberg stammende namensgleiche Cousin Cäcilies, Max Woythaler, der Sohn von David, als Leiter der Berliner Tabakfabrikation in der Reichshauptstadt. Er wohnte mit seiner Frau Lydia und den Kindern Erwin und Ilse seit 1927 in der Waldmannstraße 6 in Lankwitz. Etwa um 1937 siedelte auch der ebenfalls Max Woythaler heißende, 1879 geborene Brüder Cäcilies mit seiner Familie nach Berlin um. Er hatte bis dahin in Allenstein das von seinem Vater übernommene Feinkost- und Tabakwarengeschäft geführt.
Georg und Cäcilie Gross wohnten seit dem 1. September 1936 in der Gervinusstraße 23. Wo sie zuvor wohnten, ist nicht festzustellen. Vermutlich arbeitete Georg Gross noch im Betrieb des Likörfabrikanten Heinrich Peiser, eines Cousins seines Schwagers Alfred Peiser, mit. So wurde Georg 1937 noch im Berliner Adressbuch unter der Berufsbezeichnung „Kaufmann“ geführt, seit 1939 (Zeitpunkt der Liquidation des Unternehmens Heinrich Peisers) dann jedoch als „Privatier“ bezeichnet.
Im Zusammenhang mit der Reichspogromnacht gehörte Georg Gross ebenso wie sein Schwager Max Woythaler (aus Allenstein) zu den etwa 12.000 Berliner Juden, die zur Einschüchterung in sogenannte „Schutzhaft“ genommen wurden. Er war im KZ Sachsenhausen interniert, am 13. Dezember wurde er wieder entlassen, wahrscheinlich erst nach Unterzeichnung einer Verpflichtung, Deutschland schnellstmöglich zu verlassen und den Besitz dem Staat zu überlassen. Warum das Ehepaar – anders als etwa der Lankwitzer Tabakfabrikant Max Woythaler – Deutschland nicht rechtzeitig verließ, ist nicht zu ermitteln.
Wenige Tage vor ihrer Deportation mussten Cäcilie und Georg Gross ihre Wohnung verlassen und wurden in die seit Oktober 1941 vom Judenreferat der Stapoleitstelle Berlin als Sammellager missbrauchte Synagoge in der Levetzowstraße 7/8 verbracht. Dort wurden die Transporte in die Ghettos und Konzentrationslager in Mittelosteuropa zusammengestellt. Am 25. November 1941 wurde den Eheleuten dort die zwischenzeitlich erfolgte „Vermögenserklärung“ zur Unterzeichnung vorgelegt. Zwei Tage später, am 27. Novemer, wurden sie zusammen mit rund 1050 weiteren Berliner Juden und Jüdinnen vom Bahnhof Grunewald aus mit dem „7. Osttransport“, der erstmals nach Riga führte, deportiert. In der Nacht zum 30. November kam der Zug in Riga an, das dortige Judenghetto war da noch nicht „geräumt“ (Massenerschießung von mehr als 26.500 lettischen Juden am 30. November 1941). Frühmorgens bei eisiger Kälte wurden die aus Deutschland Deportierten mitsamt ihrem Gepäck in den nahe Riga gelegenen Wald namens Rumbula getrieben und dort erschossen.
Im Mai 1943 wurde auch die Familie seines Schwagers nach Verfolgung und Zwangsarbeit nach Auschwitz deportiert und dort getötet.


Dieser Stolperstein wurde am 13.07.2019 verlegt und von Michael Mendelson gespendet.

In Berlin sind bereits für eine größere Anzahl von Angehörigen der Großfamilie Woythaler Stolpersteine verlegt worden. Informationen zu den entsprechenden Familienangehörigen, deren Verwandtschaftsgrad und den Verlegeort der Stolpersteine sind der beigefügten pdf-Datei zu entnehmen.

Biografische Zusammenstellung

Text und Recherche: Dr. Christiane Scheidemann

Weitere Quellen

Bundesarchiv Lichterfelde, Jüd. Adressbuch für Großberlin