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Elsa Tawrigowski genannt Friedländer (geb. Lohde)

Stolperstein für Elsa Tawrigowski © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Barbarossastr. 8

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
29.07.2005

GEBOREN
26.07.1902 in Berlin
DEPORTATION
am 29.01.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Elsa Tawrigowski wurde am 26. Juli 1902 als Elsa Lohde in Berlin geboren. Über ihr Leben bis zu ihrer Eheschließung mit Herbert Tawrigowski (s. dort) wissen wir nichts. Das Ehepaar wohnte mit den beiden Kindern, der Tochter Bella ( s. dort), dem Sohn Gerhard (s. dort), und Elsas Vater, Siegfried Lohde (s. dort), in der Barbarossastraße 53. An seinem kleinen Tisch am Fenster der Parterrewohnung unterrichtete dieser seine Enkel und andere jüdische Kinder, als es 1942 verboten wurde, sie auf eine Schule zu schicken.

Nachdem der Vater Lohde im August 1942 nach Theresienstadt deportiert worden war, musste die Familie in ein sogenanntes „Judenhaus“ in die Barbarossastraße 8 zwangsweise umziehen. Dort wohnten sie in zwei Zimmern zur Untermiete bei Israel Littmann.

Elsa Tawrigowski wurde krank. Die Aussicht auf Rettung sahen der Ehemann und seine beiden Brüder Paul und Benno jetzt nur noch in der Flucht aus Deutschland, am besten in die Schweiz. Die Brüder fuhren nach Südbaden, wo der Rhein die natürliche Grenze zwischen beiden Ländern bildet. Hier erfuhren sie, dass es in Lörrach möglich sei, sich gegen Geld über die Grenze schleusen zu lassen.

Die ursprüngliche Absicht, die kleine Tochter Bella nicht der Gefahr einer Flucht auszusetzen und sie stattdessen in das St.-Katharinen-Stift in der Greifswalder Straße 18 zu geben, wo Nonnen sich um sie gekümmert hätten, vermochte die Mutter dann doch nicht umzusetzen. Vera Friedländer schildert, dass eine fremde Frau dem Kind noch feste Kinderschuhe geschenkt habe, als sie sah, dass Bella nur Hausschuhe trug.

Die Flucht wurde für Anfang 1943 vorbereitet. Dazu gehörte auch, dass Elsa sich die Haare blond färbte, um nicht gleich als Jüdin aufzufallen. Dass Lörrach ein Ziel für Flüchtlinge in die Schweiz war, wusste die SS, sie hat vermutlich selbst das Gerücht über die bezahlte Fluchthilfe gestreut. Als die Familie dort am Bahnhof ankam, war dieser bereits von der SS besetzt. Elsa wurde zusammen mit den beiden Kindern von ihrem Mann getrennt und nach Berlin zurückgebracht, wo sie im berüchtigten Polizeipräsidium am Alexanderplatz vernommen wurde.

Am 29. Januar 1943 wurde Elsa zusammen mit dem achtjährigen Gerhard und der noch nicht zweijährigen Bella mit dem „27. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert. Nach sechs Tagen Fahrt kamen sie im Vernichtungslager an. Das Datum ihres Todes ist nicht bekannt.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Anne Meckel auf der Grundlage wesentlicher Vorarbeiten von Hannelore Emmerich