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Isidor Isaak Kohn

Die drei Stolpersteine für die Familie Kohn/ Buggestraße 21, Foto: Klehmet
Isidor Kohn, Bild Passport 1933. Foto: Steve Kolm
VERLEGEORT
Buggestraße 21

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Steglitz
VERLEGEDATUM
24.03.2021

GEBOREN
07.10.1889 in Bamberg
BERUF
Bankfachmann (Revisor)
FLUCHT
Mai 1933
ÜBERLEBT

Isidor Isaak Kohn wurde am 7. Oktober 1889 in Bamberg geboren. Er war das vierte von sechs Kindern des Handelsmanns – Viehhändlers und Hopfeneinkäufers – Heßlein Kohn und seiner Ehefrau Pauline, geborene Strauß. Die älteste Schwester hieß Betty (*1880), dann folgten Fanny (*1886) und Julius (*1887) sowie Isidors jüngere Brüder Siegfried (*1891) und Emil (*1893). Alle Kinder kamen im Haus der Eltern im Bamberger Steinweg 15 auf die Welt – einem geräumigen Haus nahe dem Bamberger Bahnhof. Julius wurde nur wenige Wochen alt. Er starb im Alter von 23 Tagen. Der jüngste Bruder Emil starb als Soldat im Ersten Weltkrieg am 22. November 1914 in Comines in Frankreich. Isidor hatte schon 1913 im kaiserlichen Infanterieregiment gedient und war während des Ersten Weltkriegs in französische Gefangenschaft geraten. Er kehrte nach seiner Entlassung zunächst nach Bamberg zurück, war aber im Februar 1920 erstmalig in Berlin gemeldet. Es ist denkbar, dass er in Berlin seine Berufsausbildung als Bankfachmann (Revisor) begann. Der Weg führte ihn zwischenzeitlich nach München, dort lebte er von 1922 bis 1929 (1927 vorübergehend in Pforzheim) unter fünf verschiedenen Adressen jeweils zur Untermiete.
Isidors Vater Heßlein Kohn starb am 4. August 1922 in Bamberg. Damals wohnte er mit seiner Frau in einer Mietswohnung in der Luisenstraße 7, alle Kinder waren zu diesem Zeitpunkt schon aus dem Haus gegangen.
Isidor Kohn lernte in München Alice Rosenberger kennen, sie heirateten dort am 8. Mai 1928. Zu welchem Zeitpunkt sie nach Berlin zogen, ist nicht dokumentiert. Es werden vermutlich berufliche Gründe gewesen sein, die das Ehepaar hierher geführt haben. Ihr gemeinsames Kind Erwin wurde am 30. September 1930 in Berlin geboren. Im Adressbuch von 1931 ist Isidor Kohn erstmalig mit dem Zusatz „Bankvorsteher“ unter der Adresse Steglitz, Buggestraße 21 verzeichnet.
Isidors Mutter Pauline, die seit 1928 in Bamberg in der Franz-Ludwig-Straße 15 gelebt hatte, zog 1935 nach Nürnberg in ein Altersheim in der Johannisstraße 17. Sie wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.
Auch Isidors Schwester Fanny und ihr Ehemann David Ambach wurden am 24. März 1942 von Nürnberg aus deportiert. Sie wurden in Izbica (Distrikt Lublin) ums Leben gebracht.
Bereits kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Isidor Kohn klar, dass er und seine Familie in Deutschland keine Zukunft haben und die Verhältnisse sich schnell verschlechtern würden. Vom Bankvorstand wurde er als Jude sofort degradiert und sollte in eine Zweigstelle weit außerhalb Berlins versetzt werden. Er beschloss, mit seiner Familie das Land zu verlassen.
Die Pässe zur Ausreise wurden schon am 8. Mai 1933 ausgestellt. Die erste Station ihrer langen Reise war Dänemark, wo sie die Unterstützung eines Milchbauern erfuhren, den Isidor Kohn durch seine Banktätigkeit kennen gelernt hatte.
Von Dänemark reiste die Familie zu einem nicht bekannten Zeitpunkt in die Tschechoslowakei weiter, um dann 1936 endgültig in die USA auszureisen.
Am 31. Dezember 1936 änderten sie in New York ihre Namen um in Walter, Alice und Henry Kolm.
Letztendlich ließ sich die Familie in Richmond/VA nieder. Ein Cousin vermittelte Walter Kolm dort einen Job im örtlichen Kino, wo er von nun an als Buchhalter arbeitete.


Biografische Zusammenstellung

Karin Sievert, Initiative Charlottenburg Wilmersdorf