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Gertrud Gerson (geb. Lilienfeld)

Anna Gerson ca. 1940 (c/o Projekt-Stolpersteine)
Familie Gerson ca. 1916 (c/o Projekt-Stolpersteine)
Stolperstein Anna Gerson (c/o Projekt-Stolpersteine)
VERLEGEORT
Rolandstraße 2

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Schlachtensee
VERLEGEDATUM
14.08.2021

GEBOREN
19.12.1876 in Leipzig
DEPORTATION
am 23.07.1942 von Göttingen nach Theresienstadt
ERMORDET
19.11.1943 in Theresienstadt

In dem 1899 gebauten Haus in der Rolandstraße 2 lebten Carl und Gertrud Gerson, geb. Lilienfeld mit ihren drei Kindern Walter, Horst und Maria.
Carl Gerson war einer der ersten Ärzte in der neuen Landhauskolonie Schlachtensee und hatte seine Praxis auch in dem Haus.
Beide waren jüdischer Abstammung, aber zum Protestantismus konvertiert. Carl Gerson diente als Offizier im 1. Weltkrieg und auch der Sohn Walter zog als 18jähriger ebenfalls in den Krieg. Beide waren deutsch-national gesinnt.
Nach dem Tod von Carl Gerson 1925 hielt sich die Familie mit Zimmervermietung über Wasser.
Die Tochter Maria machte eine Ausbildung als Erzieherin und arbeitete in dem Beruf bis 1932. Ihr wurde aber aufgrund ihrer jüdischen Abstammung gekündigt und wegen der fehlenden Verdienstmöglichkeiten und des wachsenden Drucks auf der Familie emigrierte sie 1937 in die USA.
Der Sohn Horst wurde Kunsthistoriker und lebte ab 1933 in Den Haag, wo er eine Stelle im Rijksbureau voor Kunsthistorische Dokumentation bekommen hatte. Da er und seine Frau Ilse den Nationalsozialismus kategorisch ablehnten, beantragten sie die niederländische Staatsbürgerschaft, die 1940 erteilt wurde. Als Jude im nazibesetzten Holland war er gefährdet und musste sich mehrmals im Haus verstecken.
Der älteste Sohn Walter und seine Frau Dora lebten mit ihren Kindern in Göttingen, wo er eine Stelle als Leiter des Landesjugenderziehungsheims innehatte. Er verlor seine Beamtenstelle, durfte zunächst aber noch als Arzt tätig sein. Mit der Unterstützung seiner Verbindungsbrüder wurde ein fingierter „Ariernachweis“ erstellt, in dem behauptet wurde, dass sein Vater kein Jude gewesen sei, so dass Walter fortan als Halbjude galt.
Als Beweismittel dienten alte Fotos; man hat die Köpfe ausgeschnitten und nach faschistischer Rassentheorie wurden sie abgemessen um festzustellen, dass die Kopfform keine semitischen Merkmale aufwies.
Gertrud Gerson verkaufte gezwungenermaßen 1938 ihr Haus und zog zu ihrem Sohn Walter nach Göttingen. Sie gingen davon aus, dass der „Ariernachweis“ für Walter Gerson die ganze Familie schützen würde, denn sie vertrauten den alten Verbindungsbrüdern, die z.T. hohe Gestapoposten innehatten.
So waren sie tief erschüttert, als Gertrud Gerson die Aufforderung bekam, „sich einem Transport von alten jüdischen Menschen ..anzuschließen.“ Walter Gerson reiste nach Berlin und sprach bei der obersten Gestapostelle vor, “wo er leider von der Unabänderlichkeit dieser Maßnahme überzeugt wurde. ...… Mama war rührend gefasst.“ (Brief der Ehefrau von Walter Gerson vom 20.8.1942).
Aus Theresienstadt sind drei Postkarten erhalten und im Besitz der Urenkelin Inga Gerson. Keine davon wurde von Gertrud Gerson selbst geschrieben, zwei sind von einer Mitbewohnerin Bertel oder Bertha Müller. In der 2. Karte von 10.12.1943 schreibt sie: „...Ihr habt inzwischen die traurige Nachricht erhalten, dass die lb. Ma am Gehirnschlag plötzlich verschieden ist, es hat uns Allen so unendlich leidgetan und mir ganz besonders. Jeder hatte sie gern, sie war stets zufrieden und immer bescheiden.“
Diese Anerkennung wäre ein passendes Epitaph für sie.


Biografische Zusammenstellung

Biografie Dirk Jordan / Zusammenstellung Projekt-Stolpersteine