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Henriette Badasch (geb. Katschinsky)

Stolperstein für Henriette Badasch © OTFW
VERLEGEORT
Yorckstraße 82

BEZIRK/ORTSTEIL
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
VERLEGEDATUM
06.10.2020

GEBOREN
26.07.1916 in Fürstenberg a. d. Oder (Brandenburg)
BERUF
Stenotypistin und Kontoristin
DEPORTATION
am 17.11.1941 von Grunewald nach Kowno (Kauen), Fort IX
ERMORDET
25.11.1941 in Kowno (Kauen), Fort IX

Rose-Marie Henriette Katschinsky kam am 26. Juli 1916 in Fürstenberg / Oder als Tochter des jüdischen Geschäftsführers Salo Katschinsky und seiner Frau Frida, geb. Benjamin, zur Welt. Die Stadt Fürstenberg ist seit 1961 ein Ortsteil von Eisenhüttenstadt.
Henriettes Vater Salo Katschinsky starb am 23. April 1922 im Alter von nur 36 Jahren in der Brandenburger „Landesirrenanstalt“ in Sorau (polnisch Żary, etwa 65 km südöstlich von Fürstenberg gelegen). Die Umstände sind nicht näher bekannt. Henriette war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal sechs Jahre alt.
Frida Katschinsky zog im Mai 1930 mit ihrer Tochter nach Berlin und wohnte zunächst am Belle-Alliance-Platz 4 (heute Mehringplatz), seit April 1935 in der Yorckstraße 82, im ersten Stock des Quergebäudes in einer 4-Zimmer-Wohnung.
Henriette ergriff den Beruf der Stenotypistin und Kontoristin und arbeitete in einem Immobilienbüro. Sie heiratete am 19. Juni 1936 Bernhard Hirsch Badasch, geb. am 23. Juli 1914 in Berlin. Er war zum Zeitpunkt der Hochzeit kaufmännischer Angestellter bei der Jüdischen Rundschau, bis zu ihrem Verbot 1938 die größte und bedeutendste zionistische Wochenzeitung in Deutschland.
Nach der Hochzeit wohnte das junge Ehepaar bei Frida Katschinsky in der Yorckstraße 82. Am 10. Dezember 1936 kam die Tochter Marion Susanne Badasch zur Welt.
Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen die Familie Badasch und Frida Katschinsky. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben.
Bernhard Badasch musste Zwangsarbeit als Bauhilfsarbeiter bei der Firma Beton- und Monierbau in Berlin-Siemensstadt leisten. Henriette war Fabrikarbeiterin in der Buchbinderei und Druckerei von Adolf und Frida Wiegel in der Köpenicker Straße 115. Das Ehepaar Wiegel gehörte der Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ an. Sie beschäftigten seit 1940/41 ca. 30 jüdische Hilfsarbeiter, halfen verfolgten Juden und druckten gefälschte Werksausweise für Untergetauchte. Ob sie auch versuchten, Henriette Badasch und ihren Angehörigen zu helfen, ist nicht bekannt.
Henriette Badasch, ihr Ehemann, die 4-jährige Tochter Marion Susanne sowie ihre Mutter Frida Katschinsky wurden Mitte November 1941 in die Synagoge Levetzowstraße in Moabit verschleppt, die kurz vorher zum Sammellager umfunktioniert worden war. Vom Bahnhof Grunewald wurden sie am 17. November 1941 mit dem 6. Osttransport nach Kowno (Kaunas), Fort IX deportiert. Nach vier Tagen kamen sie in der heute zweitgrößten Stadt Litauens an. Das Fort IX, ein Teil der alten Befestigungsanlage von Kaunas, war eine Exekutionsstätte der SS, in der zehntausende Juden aus dem Ghetto Kaunas und deportierte Juden aus dem Deutschen Reich ermordet wurden.
Bernhard, Henriette und Marion Susanne Badasch sowie Frida Katschinsky wurden dort am 25. November 1941 erschossen.


Biografische Zusammenstellung

Christiana Hoppe