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Neddy Dzcubas

Stolperstein Neddy Dzcubas © S. Davids
VERLEGEORT
Spinozastr. 1

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Steglitz
VERLEGEDATUM
16.06.2021

GEBOREN
31.07.1892 in Berlin
BERUF
Kürschner
DEPORTATION
am 15.11.1943 von Kamp Westerbork nach Auschwitz
ERMORDET
31.01.1944 in Auschwitz

Neddy Dzcubas wurde am 31. Juli 1892 in Berlin geboren. Die Eltern waren Julius Dzcubas (* 10.9.1868 - 2.9.1941) aus Berlin und Mutter: Reißel ( Reisel/Röschen) Gold-schmid(t) (* 2.9.1869 in Klasno/Krakow - 18.11.1940).
Neddy hatte noch sechs jüngere Geschwister:
• Simon (1894 - 1916), im Ersten Weltkrieg gefallen
• Martha (1895 - 1948), verheiratete Gutfeld (Jacob, *1894 - 1969), geschiedene Kaufmann
• Hedwig (1899 - 1980), verheiratete Kurzhals
• Wilhelm (*1902 - 1975) verheiratet mit Margarethe Heimsonde (1908 - 1999)
• Else (1904 – 1943), verheiratet mit Alfred Jo-seph
• Erwin (1905 – 1943) verheiratet mit Frieda Plonski (1912 - 1943)
Die Familie lebte in der Nordbahnstraße 13 in Reinickendorf.
Neddy Dzcubas war Kürschner. 1920 gründete er zusammen mit seinem Partner, Isidor Kind, in Kreuzberg in der Markgrafenstraße 21 eine OHG zum Handel und Verarbeitung von Pelzen en gros. 1924 bis Ende der 1920er Jahre befand sich der Firmensitz in der Alexandrinenstraße 95-96. Die Firma war erfolgreich und hatte je nach Saison bis zu 30 Arbeitskräfte. 1930 waren Kind & Dzubas das letzte Mal im Branchenbuch in der Markgrafenstrasse 33 ausgewiesen, 1931 war die Firma nicht mehr im Adressbuch verzeichnet.

Neddy Dzcubas heiratete am 28. April 1925 Margarethe Deutschbein, die am 08. März 1894 in Berlin geboren war. Margarethe war Protestantin.
Am 26. Juli 1928 kam der Sohn Werner zur Welt. Er blieb das einzige Kind der Familie.
Ab 1929 wohnte Familie Dzcubas in der Schlageterstraße 1 in Steglitz. Die kleine Seitenstraße nahe des Breitenbachplatzes wurde 1925 nach Albert Leo Schlageter, (1894-1923) benannt, der als Freikorpsführer 1923 während der französischen Ruhrbesetzung Sabotageakte durchführte und vom fanzösischen Militärgericht zum Tode verurteilt wurde - weshalb ihn die Nationalsozialisten zum Nationalhelden stilisierten. 1947 wurde die Straße in Spinozastr. umbenannt.

1933 ist Neddy Dzcubas letztmalig im Berliner Adressbuch in der Schlageterstr. 1 verzeichnet. Er emigrierte am 15. Mai 1933 nach Holland. Seine Ehefrau Margarethe folgte mit dem fünfjährigen Werner am 1. Oktober 1933. Der Geschäftspartner Isidor Kind löste die gemeinsame Firma im November 1934 auf und emigrierte ebenfalls nach Holland.
1940 wurden die Niederlande und Belgien von der deutschen Wehrmacht besetzt. Allerdings hatte die niederländische Regierung die Grenzen nach Deutschland schon am 15. Dezember 1938 für Flüchtlinge geschlossen. Diese waren fortan unerwünschte Ausländer, die keinesfalls integriert werden sollten.
Am 25. November 1941 wurde Neddy Dzcubas die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen.
Am 1. Oktober 1943 wurde Neddy in Amsterdam verhaftet, weil er anderen Juden half und ins Polizeigefängnis Huis Bewaring Rotterdam nach Rotterdam gebracht.
Von dort wurde er am 29. Oktober 1943 nach Kamp Vught – das Konzentrationslager Herzogenbusch - überführt. Über das Konzentrationslager Kamp Westerborg wurde Neddy am 15. November 1943 nach Auschwitz deportiert und am 31.01.1944 ermordet.

Margarethe Dzcubas und Werner blieben in Amsterdam zurück und kehrten nie wieder nach Deutschland zurück. 1951 stellten die Witwe und der Sohn Werner Anträge auf Entschädigung gegen die Bundesrepublik Deutschland. Nach längerem Rechtsstreit wurden sie schließlich abgefunden und die Verfahren 1960 beendet.
Wenige Jahre später, am 17. November 1964, starb Margarethe Dzcubas in Amsterdam, Werner 1995.

Neddy Dzcubas Schwestern Martha und Hedwig, wie auch der Bruder Wilhelm überlebten den Holocaust, ebenso Hedwigs Tochter Eva (*1934) und Wilhelms Tochter.


Biografische Zusammenstellung

Eckard Rieke und Sabine Davids