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Salomea Rosengarten (geb. Weinberg)

Stolperstein Salomea Rosengarten © S. Davids
Stolpersteine Familie Rosengarten © S. Davids
VERLEGEORT
Schützenstr. 4

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Steglitz
VERLEGEDATUM
18.02.1861

GEBOREN
11.06.1861 in Lublin
FLUCHT
1933 Niederlande
INTERNIERT
ab 07.11.1942 bis zum 10.11.1942 in Westerbork
DEPORTATION
am 10.11.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
13.11.1942 in Auschwitz

Salomea Weinberg wurde am 11. Juli 1861 in Lublin geboren. Die polnische Stadt gehörte damals zum Russischen Kaiserreich. Sie heiratete den ebenfalls jüdischen Marcus Loewe, genannt Rosengarten (*8. März 1860 in Berlin). Das Paar wurde in Osthavelland nahe Berlin ansässig, wo ihr Sohn Hermann am 6. Februar 1884 geboren wurde. Drei Jahre später, am 29. Januar 1887, kam in Berlin die Tochter Jenny zur Welt.

An welcher Adresse Salomea und Marcus Rosengarten zwischen 1887 und 1894 wohnten, konnte nicht nachvollzogen werden. 1895 lebte die Familie nachweislich in der Flensburger Straße 11 im Hochparterre. Ab 1898 war Marcus Rosengarten gemeinsam mit Philipp Wollenberg Inhaber einer Kindermützenfabrik in der Jüdenstraße 53.

Im Jahr 1900 bezog die Familie eine Wohnung in der Stralauer Straße 18, 3. Stock. Die Stadt Berlin war Eigentümerin dieses Neubaugebiets. Ab 1910 lebte die Familie in der Schicklerstraße 13. Im selben Jahr trat der 26-jährige Sohn Hermann in den väterlichen Betrieb ein. 1913 heiratete Hermann die ebenfalls jüdische Selma Joske. Das junge Ehepaar zog 1914 nach Steglitz in die Schützenstraße 4. Am 9. Mai 1918 kam Salomeas Enkeltochter Alice zur Welt.
Salomeas Tochter Jenny heiratete Josef Rozen aus Lodz in Polen. Am 8. Juli 1919 wurde das zweite Enkelkind Jenny in Berlin geboren.

Etwa 1920 gaben Marcus und Hermann Rosengarten die Mützenfabrikation auf. Marcus Rosengarten betrieb bis zu seinem Tod am 6. März 1929 noch von seiner Wohnung in der Schicklerstraße 13 aus einen Briefmarkenhandel. Der Sohn Hermann hatte sich 1921 mit einem Schuhwarenhandel selbstständig gemacht, den er in der Schützenstraße 3–4 betrieb.
1921 wurde die Ehe von Hermann und Selma Rosengarten geschieden.
Am 5. Mai 1923 schloss Hermann eine zweite Ehe mit der Witwe Selma Hecht, geborene Halbeck (*21. Juni 1896 in Velten). Selma war nichtjüdisch und brachte ihre zweijährige Tochter Hannelore (*18. Oktober 1920), genannt Hanne, mit in die Ehe. Hermanns Tochter Alice aus erster Ehe lebte vermutlich bei ihrer Mutter, die 1922 den Weingroßhändler Ernst Theodor Wachenheimer geheiratet hatte.

Nach dem Tod ihres Mannes zog Salomea Rosengarten 1930 in den Haushalt ihres Sohnes in die Schützenstraße 4 nach Steglitz. Marcus Rosengarten hatte seiner Witwe und den beiden Kindern eine Immobilie in der Posener Straße 29 hinterlassen. Die Mieteinnahmen sicherten den Lebensunterhalt von Salomea Rosengarten.

Zu Beginn der 1930er-Jahre gründeten Hermann und seine Ehefrau Selma ein Radio- und Musikapparate-Geschäft in der Müllerstraße 182/183 im Wedding. Doch von dem am 1. April 1933 von den Nationalsozialisten organisierten „Wirtschafts-Boykott gegen Juden“ war auch das Geschäft in der Müllerstraße betroffen. Familie Rosengarten zog rasch die Konsequenzen:
Am 5. April 1933 emigrierte Hermann in die Niederlande. Die 72-jährige Salomea traf wenige Wochen später mit ihrer Schwiegertochter Selma und deren Tochter Hanne in Amsterdam ein. Hier fand die Familie in der Beethovenstraat 148 ein neues Zuhause. Die Mieteinnahmen aus der Posener Straße 29 wurden vom Verwalter nach Amsterdam überwiesen und
sicherten nun den Lebensunterhalt der gesamten Familie.

Die Tochter Jenny Rozen emigrierte 1933 mit ihrer Familie nach Frankreich und von dort in die Schweiz.

1935 emigrierte auch Salomeas 17-jährige Enkeltochter Alice von Berlin nach Amsterdam. Sie lebte vermutlich bis 1939 ebenfalls in der Beethovenstraat 148. 1939 heiratete Alice den aus München stammenden Kurt Essinger, der mit seinem Bruder Julius im Dezember 1935 nach Amsterdam emigriert war. Am 1. Januar 1941 wurde Salomea Rosengartens Urenkel Robert geboren.

1940 wurde die Familie ausgebürgert und war fortan offiziell staatenlos. Zugleich begann nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht 1940 in den Benelux-Staaten auch in den Niederlanden die systematische Verfolgung jüdischer Menschen. Mit der Ausbürgerung verfiel das Vermögen von „Reichsfeinden“ an das Deutsche Reich. Dies betraf auch die laufenden Überweisungen der Mieteinnahmen aus Deutschland. Nun wurde es finanziell sehr eng. Familie Rosengarten versuchte, ein Zimmer ihrer Wohnung in der Beethovenstraat 148 zu vermieten und annoncierte im Jüdischen Wochenblatt.

Am 7. November 1942 wurde Salomea Rosengarten zusammen mit ihrem Sohn Hermann in Kamp Westerbork interniert und drei Tage später nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurden. Salomea Rosengartens Todesdatum lautet 13. November 1942.

Salomeas Enkeltochter Alice plante im Sommer 1942 mit ihrem Ehemann Kurt Essinger und der Familie seines Bruders Julius in die Schweiz zu fliehen. Sie alle wurden jedoch in Belgien aufgegriffen. Am 29. August 1942 wurden Alice und ihre Familienangehörigen von Mechelen nach Auschwitz deportiert und ermordet. Alices kleiner Sohn Robert, Salomeas Urenkel, konnte von befreundeten Niederländern gerettet werden. Er wurde später von Alices Mutter Selma Wachenheimer in die USA geholt, die 1939 mit ihrem Ehemann und der gemeinsamen Tochter Ingeburg, Alices Halbschwester, geflohen war.

Salomea Rosengartens Tochter Jenny Rozen überlebte mit ihrer Familie die Shoa im Exil.
Ihre Schwiegertochter Selma und deren Tochter Hanne blieben nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in den Niederlanden.


Biografische Zusammenstellung

Sabine Davids