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Hertha Wolff (geb. Perl)

Stolperstein Herta Wolff, Foto: OTFW
Hertha Wolff; Foto:Memorial de la Shoa, Paris
VERLEGEORT
Suarezstraße 46

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
07.04.2022

GEBOREN
18.10.1905
FLUCHT
1939 - Belgien
INTERNIERT
ab März 1941 in RIvesaltes
INTERNIERT
ab August 1942 in Drancy
DEPORTATION
am 07.09.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
Dezember 1942 in Auschwitz

Hertha Wolff wurde am 18. Oktober 1905 als jüngste Tochter der jüdischen Familie Max und Gertrud Perl, geb. Friedmann, in Berlin-Kreuzberg geboren. Die Mutter wurde in Beuthen (Bytom) im damaligen Schlesien geboren, das heute zu Polen gehört. Gertrud lernte ihren Mann, den Kaufmann Max Perl aus dem benachbarten Königshütte, (Chorzów / Schlesien), kennen. Kurz nach der Heirat 1898 in Beuthen verlegte das Ehepaar Perl seinen Lebensmittelpunkt für seine weitere wirtschaftliche Entwicklung in das prosperierende Berlin.

In Berlin bekam das Ehepaar Perl fünf Kinder:
- 1900 ein bei der Geburt verstorbenes Mädchen,
- 1901 Ernst, der wenige Tage nach seiner Geburt starb,
- 1902 Walter, der am 28.3.1942 von den Nazis ab Berlin-Tiergarten in das 
 Vernichtungslager Piaski (Polen) deportiert und ermordet wurde,

- 1904 Günther, der mit seiner Frau Thea nach Lima (Peru) emigrierte und

- 1905 Hertha, als jüngstes Kind und einzige Tochter


1921 verstarb die Mutter Gertrud Perl in Berlin, als ihre Tochter Hertha 16 Jahre alt war. 1931 heiratete Hertha Perl mit 26 Jahren den 30 Jahre alten jüdischen Exportkaufmann Fritz Wolff.

Hertha bat schon bald ihren Mann, ihrem Bruder Günther Perl in die Emigration nach Lima, Peru, zu folgen, wohin dieser bereits ausgewandert war. Ihr verwitweter Vater Max Perl emigrierte im Juli 1939 in die Niederlande. Nach der Besetzung durch die Wehrmacht wurde ihr Vater im niederländischen Sammellager Westerbork interniert, am 23. März 1943 ins Vernichtungslager Sobibor (südöstliches Polen) deportiert und dort am 26. März 1943 ermordet.

Hertha Wolffs Ehemann Fritz hoffte - wie viele andere deutsche Juden - dass sich die Situation bald wieder beruhigen werde. Aus diesem Grund entschloss sich die Familie Wolff erst Ende 1939, als die Situation durch Arbeitslosigkeit und Anfeindungen, denen die Juden ausgesetzt waren, unerträglich wurde, nach Brüssel (Belgien) zu fliehen. Eine erneute Katastrophe brach herein, als am 10. Mai 1940 die deutschen Heerestruppen Belgien überfielen und besetzten.

Herthas Ehemann Fritz Wolff wurde von der belgischen Polizei – als Deutscher – wegen angeblich illegalen Aufenthalts nach Paris ausgewiesen. Nach einiger Zeit folgte Hertha ihrem Mann mit ihrer kleinen Tochter Helga. In Frankreich wurde die Familie in mehreren Lagern interniert, bevor sie im März 1941 schließlich im Lager Rivesaltes in der Nähe von Perpignan, Südfrankreich, getrennt untergebracht wurde.
Noch vor ihrem eigenen Abtransport in ein anderes Internierungslager hatte Hertha mit dem Mut einer verzweifelten Mutter im Frühjahr 1942 ihre 8-jährige Tochter Helga in die Obhut einer amerikanischen Hilfsorganisation der Quäker gegeben, die ihr angeboten hatte, ihre Tochter in einem Kinderheim bei Toulouse in Sicherheit zu bringen.

Im August 1942 begann die Verschleppung von jüdischen Lagerinsassen aus Rivesaltes in das Sammellager Drancy bei Paris. Von dort wurde Hertha mit ihrem Ehemann Fritz am 9. September 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und vermutlich im Dezember desselben Jahres ermordet. Hertha Wolff war 37 Jahre alt.


Biografische Zusammenstellung

Recherche und Text: Karl-Heinz Nieren und Armin Schuster

Weitere Quellen

- Geburts- und Sterberegister Standesamt Berlin

- Autobiographie von Gerd und Helga Weinstein, geb Wolff, "Chapter 5
- Helga's Early Years"
 - Mémorial de la Shoah, Paris